Der blinde Fleck – Themenabend Oktoberfestattentat

ARD Themenabend

Knapp 35 Jahre ist es her, seit 13 Menschen beim schlimmsten Anschlag in der Geschichte der BRD auf der Münchner Theresienwiese ihr Leben lassen müssen und mehr als 200 Personen Verletzungen erleiden, die sie für immer beeinträchtigen. Als kurz nach dem 26. September 1980 von einem „Einzeltäter“ gesprochen wird, gibt es viele, die dies nicht glauben. Dennoch wird das Verfahren eingestellt. Einer aber, Journalist Ulrich Chaussy, lässt nicht locker. Er wühlt in Akten, spricht mit Zeugen. 2013 beginnen die Dreharbeiten zu einem Film über seine Aktivitäten – was letztendlich zur Wiederaufnahme am 11. Dezember 2014 führt. Heute – am 4. Februar 2015 – wird „Der Blinde Fleck“ ausgestrahlt. Und eine weitere Zeugin taucht auf, die Entscheidendes über „Die Hand“ zu sagen hat.

Die (echten) Bilder sind grauenvoll – die Tat als solche sowieso.

Doch warum beschäftigt sich jemand mehr als dreißig Jahre mit dem, was geschah, als unbeschwerte Oktoberfestbesucher einfach nur einen fröhlichen, ausgelassenen Abend verbringen wollten?

Die Antwort ist simpel: Weil BR-Reporter Ulrich Chaussy die Wahrheit finden möchte.

Neben eklatanten Ermittlungsfehlern, die er akribisch nachweist und den Behörden zur Last legt, will er alles in seiner Macht stehende tun, um nach all den Jahren Mitwisser und (vielleicht) Mittäter aufzuspüren. Weil man es den Opfern schuldig ist.

Seine Anstrengungen – filmisch umgesetzt – sind am 4. Februar 2015, 20.15 im Ersten zu sehen.

Benno Fürmann spielt in „Der blinde Fleck – Das Oktoberfestattentat“ den Journalisten, der erst auf Ungereimtheiten stößt, dann auf eine Mauer des Schweigens und des Widerstands seitens der Behörden, wovon er sich aber nicht beirren lässt.

Buch: Daniel Harrich und Ulrich Chaussy

Regie: Daniel Harrich

Darsteller: Benno Fürmann, Heiner Lauterbach, Nicolette Krebitz, August Zirner, Miroslav Nemec, Udo Wachtveitl u.a.

Redaktion BR (Federführung): Claudia Gladziejewski

Redaktion SWR: Stefanie Groß

Redaktion ARTE: Jochen Kölsch

Produktion: diwafilm (Produzenten: Daniel Harrich, Danuta Harrich-Zandberg) in Koproduktion mit BR, SWR und ARTE, gefördert vom FFF Bayern

Direkt im Anschluss an den Spielfilm gibt es eine TV-Dokumentation „Attentäter – Einzeltäter? Neues zum Oktoberfestattentat“, in der auch neue Zeugen zu Wort kommen, die sich bei Ulrich Chaussy gemeldet haben.

Doch damit nicht genug:

In einer außergewöhnlichen Web-Dokumentation gibt der Bayerische Rundfunk den Zuschauern die Gelegenheit, sich selbst ein Bild vom Material zu machen, das der Journalist für seine Recherchen benutzte.

In acht Kapiteln finden sich Fotos und Tondokumente, Akten, Rekonstruktionszeichnungen der Ereignisse, sowie Videointerviews, die Chaussy mit Zeugen und Betroffenen führte.

Darin werden vom Attentat über die Bombe, die abgetrennte Hand, die Person Gundolf Köhler sowie mögliche Mittäter bis hin zur Politik und der Wiederaufnahme eine Fülle von Aspekten beleuchtet.

Dieses umfangreiche Material ist es wirklich wert, in Ruhe studiert zu werden.

In diesem Zusammenhang unbedingt erwähnenswert der Roman „Das München-Komplott„, den Autor Wolfgang Schorlau zu diesem Thema schon 2009 verfasste und der sich ebenfalls auf viele Gespräche und Unterlagen von Ulrich Chaussy stützt.