Erst Lesung dann Führung

“Regional-Literatur” nennen wir jene Romane, die an real existierenden Orten spielen. Autorin Petra Breuer ist einen Schritt weitergegangen: Sie hat nicht nur “echte” Schauplätze für ihre “Abenteuer in München“-Geschichten gewählt, sondern führt ihre (vorrangig jungen) Leserinnen und Leser höchstselbst genau dorthin.

Diese Idee fanden wir so spannend, dass sich Nachwuchsredakteurin Lioba Listl (14) auf den Weg machte und selbst an der Veranstaltung teilnahm.

Eintauchen in eine andere Welt

„ … du bist ja ein Krüppel! Du hinkst und du ziehst dein linkes Bein nach!“, rief Anna völlig überrascht.“

Die Kinder im Saal runzeln die Stirn. Krüppel? Noch nie gehört. Doch bevor die ersten laut mit dem Nachbarn anfangen zu diskutieren, was dieses Wort wohl bedeuten könnte, fängt Petra Breuer das Erklären an.

Sie hat zwei Bücher geschrieben, die Kindern die Stadtgeschichte von München möglichst spannend nahebringen sollen, bald wird das dritte erscheinen.

Heute, anlässlich der Bücherschau junior in München, liest die Autorin aus dem ersten Band ihrer Trilogie vor.

Die Zuhörer sind hauptsächlich Kinder, manche erst 6 Jahre alt, und sie haben das Wort Krüppel gerade zum ersten Mal gehört. Kein Wunder, es stammt ja aus dem Mittelalter!

Illustration_Mauerring

Zweiter Mauerring illustriert von Nicole Teusler

Das „alte München“ im Bild – liebevoll illustriert von Nicole Teusler

Doch danach kann es weitergehen! Petra Breuer liest vor und zeigt den Kindern parallel einige Sachen auf Plakaten, die sie mitgebracht hat.

Die kleinen Bücherfans lauschen gebannt und sind völlig in die Geschichte vertieft. Was wird wohl mit Anna weiter passieren? Anna ist die Hauptfigur in dem Buch „Der Angriff des Löwen“ und sie lebt genau in dieser Stadt, nur vor ungefähr 900 Jahren.

Die Kinder sind erstaunt. Vor 900 Jahren? Gab es München da überhaupt schon?

Petra Breuer beginnt zu erzählen, wie aus der kleinen Siedlung „apud Munichen“ langsam München wurde und was Anna außerdem an spannenden Sachen erlebt hat.

Doch nun die Frage an das Publikum: Von wem wurde München eigentlich gegründet?

Sofort schießen ein paar Finger nach oben, sie haben das Buch schon gelesen. „Von Heinrich dem Löwen“, erklärt ein Junge und erntet einen anerkennenden Blick der Autorin.

Nachdem die Kinder erfahren haben, dass München durch den Bau einer Brücke entstanden ist, beginnt der zweite Teil der Lesung, eine Stadtführung durch München.

Breuer_bei_Fuehrung

Aufmerksame Zuhörerschaft

Zu Fuß unterwegs

Wo Anna wohl gelebt hat? <br>

Das kann Petra Breuer den Kindern nicht genau erklären. Doch dafür viele interessante andere Dinge aus dem Mittelalter, die man wohl kaum entdecken würde, wenn man normal durch die Stadt an der Isar geht.<br>

Hier ein paar Mauerreste, dort ein alter Turm und auch das Isartor stammt noch aus dieser Zeit. <br>

Die Kinder lauschen gebannt der Autorin, wie es sein kann, dass mehr als 300 Pferdefuhrwerke täglich durch dieses Tor fuhren. Auch so mancher Erwachsene, der die Kinder begleitet, schüttelt ungläubig den Kopf über die doch sehr spannenden Fakten, die Petra Breuer lustig in kleine Geschichten verpackt. <p>

Was die Kinder nach diesem Nachmittag nie vergessen sollten? <br>

Schwimmflügel!<br>

Das will erst mal keiner so richtig verstehen, was man mitten in München damit machen soll. Doch als die Autorin loslegt, wird alles klar. Hier gab es mal einen 30 m breiten Wassergraben, der die Stadt eingrenzte und sie vor Feinden schützte. <br>

In einem Gespräch nach der Lesung erklärt mir Petra Breuer, warum sie das mit den Schwimmflügeln erzählt hat. Sie wollte den Nachmittag interessant gestalten, auch für kleinere Kinder, und da helfen anschauliche Beispiele, um sich den Wassergraben besser vorstellen zu können. <br>

Und, siehe da, als die Autorin am Ende die Kinder fragt, rufen alle durcheinander, dass sie nächstes Mal nicht vergessen werden, Schwimmflügel mitzubringen. <br>

Den Kindern gefällt die Lesung und auch der Spaziergang durch München begeistert die kleinen Bücherwürmer, sie möchten ja wissen, wie München zu Annas Lebzeiten aussah. <p>

Breuer_Interview_LListl

Im Gespräch mit Lioba Listl

Zeit für Fragen und Autogramme

Nach der Führung gibt es noch ein kleines Geschenk und Petra Breuer signiert fleißig Bücher und auch Fragen können nun gestellt werden. <br>

Bei einem Interview*, das ich noch mit ihr geführt habe, erzählt sie mir, dass sie definitiv noch Pläne für weitere Bücher habe, eventuell auch für Jugendbücher, aber zur Zeit sei sie sehr beschäftigt, unter anderem auch mit dem letzten Band der „Abenteuer in München“-Trilogie, der im Herbst 2014 veröffentlicht werden soll. <br>

Na dann, für alle Krimi-Fans unter uns gibt es Hoffnung! <br>

Bis dahin kann man sich ja mal ihr erstes Jugendbuch anschauen: „Harmlos ist nur sein Name“…<p>

*den ausführlichen Wortlaut dieses Interviews findest du übrigens auf <a HREF=http://www.krimi-forum.de/Datenbank/Interviews/fi002593.html target=new>dieser Seite</a>.<p>

Kommentar schreiben

  • (will not be published)

XHTML: Sie können diese Auszeichnungen nutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>