Mord(s)beratung auf WDR5

Von li: R. Jahn, Th. Hackenberg, I. Müller-Münch, U. Noller (Foto: freundliche Genehmigung WDR)

Von li: R. Jahn, Th. Hackenberg, I. Müller-Münch, U. Noller (Foto: freundliche Genehmigung WDR)

Literatursendungen in Funk und Fernsehen gibt es so einige, sogar für Kinder. Solche, die sich ausschließlich mit Mord und Totschlag beschäftigen, eher selten. Ein Programm, in dem eine aktive Beteiligung des Publikums nicht nur erlaubt, sondern sogar erwünscht ist, hingegen nur einmal.
Nämlich die „Telefonische „Mord(s)beratung auf WDR5“ mit Moderator Thomas Hackenberg sowie den Experten Ulrich Noller (KrimiZEITBestenliste), Reinhard Jahn (Bochumer Krimiarchiv) und der Journalistin Ingrid Müller-Münch.

Seit Juni 2000 gibt es sie, die … „Ratgebersendung mit Unterhaltungscharakter“ oder doch eher „Unterhaltungssendung mit Serviceangebot“ oder …. „Entertainment-orientiertes interaktives Call-in-Service-Format“, das vom Gelegenheits-Krimileser bis zum Hardecore-Afficinado jeden anspricht, oder … vielleicht einfach das Umfassendste in Sachen „alles, was Sie schon immer über Krimis wissen wollten und jetzt endlich auch fragen können!“.

Denn: Neben Buchvorstellungen und Diskussionen der Experten ist die Beteiligung der Fans „dort draußen“ festes und wichtiges Element des Programms. Sie liefern – per mail im Vorfeld oder telefonisch – Fragen, Anregungen oder gar Antworten zu besonders kniffligen Spezialthemen.

Sechsmal im Jahr – samstags – von 21.05 Uhr bis 23:00 Uhr

Dabei war sie doch nur als einmalige Sache im Sommerprogramm geplant, diese Literatursendung mit Hörerbeteiligung. Der Themenschwerpunkt war schnell gefunden, ist doch das „Krimi“-Genre mit seinen Hunderten von Neuerscheinungen alters-, geschlechts- und bildungsübergreifend eine der beliebtesten Gattungen überhaupt und macht, so Schätzungen, gut ein Viertel des gesamten Umsatzes im Buchmarkt aus.

Der durchschlagende Erfolg der Sendung führte dazu, dass sie „in Serie“ ging. Sechsmal im Jahr.
Schnell stieß als prägende Stimme Moderator „Chief Inspektor“ Thomas Hackenberg zum Team. Bis zu seinem Tod im Jahr 2013 gehörte der legendäre Kölner Krimibuchhändler Manfred Sarrazin zur Runde der Krimi-Experten, die sich im Studio gegenseitig die Meinung zu aktuellen Krimis sagen.

Derzeit besteht das Krimi-Kompetenzteam rund um Chief-Inspektor Hackenberg aus Ulrich Noller von der KrimiZeit Bestenliste, Reinhard Jahn vom Bochumer Krimi Archiv und der Journalistin Ingrid Müller-Münch. Die Redaktion liegt seit Anbeginn in den bewährten Händen von Petra Brandl-Kirsch.

Vielfalt der Experten

Ingrid Müller-Münch kennt das echte Gesicht des Verbrechens. Die Journalistin war über zwei Jahrzehnte lang Korrespondentin der „Frankfurter Rundschau“ mit Schwerpunkt Gerichtsreportagen und hat unter anderem über die maßgeblichen Prozesse gegen NS-Straftäter aus Deutschland und Frankreich berichtet.

Manfred Sarrazin hingegen, Inhaber der Krimibuchhandlung „Alibi“ in Köln und Juror für den „Deutschen Krimi-Preis“, der selbst schon seit frühester Jugend einen Krimi nach dem anderen verschlungen hatte, wusste, was Leser wünschen und welche verschlungenen Gedankengänge die Menschen bewegten, die orientierungslos vor seinen prall gefüllten Regalen standen und Bücher suchten, deren Inhalt ihnen nur bruchstückhaft geläufig war.

Nach dessen bedauerlichen Tod im Jahr 2013 wurde in Ulrich Noller ein würdiger Nachfolger gefunden. Nach seinem Studium der Literaturwissenschaft, Philosophie sowie Theater-, Film- und Fernsehwissenschaft machte sich der Kölner nicht nur als Radio-Journalist für den Westdeutschen Rundfunk, die Deutsche Welle und andere Sender einen Namen, sondern auch als Autor von Krimis für Kinder und Erwachsene. Darüber hinaus gestaltet und moderiert Ulrich Noller auch Krimi-Events und ist Mitglied in der Jury der KrimiZeit Bestenliste.

Von Reinhard Jahn, der 1984 das Bochumer Krimi Archiv gründete und ein Jahr später den „Deutschen Krimi-Preis“ ins Leben rief, Gründungsmitglied der Autorengruppe DAS SYNDIKAT, Fachberater des Krimi-Festivals „Mord am Hellweg“, sowie Herausgeber und Betreuer des Lexikons der deutschen Krimi-Autoren im Internet, von dieser als Journalist, Autor und Kritiker mehr als vielfältigen Persönlichkeit erzählt man sich schließlich, dass es nichts gäbe, was dieser Mann über Krimis nicht weiß. Klar also, dass auch er mit von der Partie sein musste.

Fan-Gemeinde im In- und Ausland

Das Rezept ging und geht auf!
Aus einer einmaligen Sache sind sechs Sendungen pro Jahr geworden.
Immer am letzten Samstag eines geraden Monats von 21.05 Uhr bis 23.00 Uhr versammeln sich die „WDR5-Kriminalisten“ – einzige Ausnahme: Der Dezember. Da findet die Sendung noch vor Weihnachten statt, um sachdienliche Hilfe bei der Geschenkeauswahl zu leisten.

Nach und nach hat sich auch eine große Fangemeinde gebildet.

Wie die verantwortliche WDR-Redakteurin Petra Brandl-Kirsch, berichtet, gibt es neben Stammhörern in Texas und Skandinavien zum Beispiel eine Dame aus Deutschland, die sich zuverlässig in jeder Sendung per mail meldet.

Das Beste aber: Dank moderner Technik kann man nicht nur live im Sendegebiet sondern auch via WDR5-Livestream (Button mittlere Spalte rechts) weltweit im Internet verfolgen, wenn sich Thomas Hackenberg, Ulrich Noller, Reinhard Jahn und Ingrid Müller-Münch über aktuelle Lieblingsbücher, unvergessene Klassiker, Trends und Exoten austauschen. Zuweilen geht das Team sogar auf Reisen und tritt „live on stage“ auf. Einfach die Termin-Ankündigung beachten!

Mitmachen ausdrücklich erwünscht

Wer sich einbringen möchte, kann und soll das tun:

2015_logo_mordsberatung_quer_250_66

Entweder telefonisch unter der kostenfreien Nummer 0800 5678 555 oder bereits im Vorfeld per Email: mordsberatung@wdr.de

„Was wir da teilweise an geballtem Fachwissen, aber auch Hilfsbereitschaft von Hörerseite erleben, ist sensationell. Die Leute an den Geräten zu Hause recherchieren sich einen Wolf, wenn die Experten – was durchaus vorkommt – nicht sofort eine Antwort wissen. Oder sie bieten an, jemandem, der ein vergriffenes Lieblingsbuch sucht, den Titel zu schicken.“ berichtet Brandl-Kirsch.

Unterschiedlichste Themen

Jede Sendung hat ihren Schwerpunkt, der meist Anfang des Jahres für alle sechs Ausgaben bei einem schönen Essen festgelegt wird. Dabei finden im April und Oktober die Neuerscheinungen der Buchmessen in Leipzig und Frankfurt natürlich große Beachtung. Darüber hinaus werden wichtige Autoren gewürdigt, die entweder Geburtstag feiern oder kürzlich verstorben sind.

Abgesehen davon ist aber jede Frage, egal zu welchem Thema erlaubt.

Hierzu Experte Reinhard Jahn:

Am interessantesten und eine wirklich Herausforderung sind die Anfragen per Telefon und auch per Mail, die mit den Worten beginnen:

„Ich hab da mal vor 20 Jahren einen Krimi gelesen, der…“
Da ist das das geballte Wissen aller Experten gefragt und es bricht immer eine gewisse gedankliche Hektik aus. Doch selbst wenn keiner von uns  die Frage beantworten kann, gibt es dann immer wieder andere Hörer, die die Antwort wissen und sofort anrufen, um unser (fehlendes) Wissen durch ihre Kenntnisse zu ergänzen.
Dass wir „Experten“ in der Runde uns mit den aktuellen Krimis auskennen und jederzeit dazu Tipps abgeben können, halte ich für selbstverständlich.“

Infos zum Nachlesen als PDF

Zusätzliches Schmankerl:
Wer die Sendung verpasst hat, muss nicht traurig sein – sie lässt sich bis zur Folgesendung (zwar ohne Musik, aber sonst vollständig) im Internet als Podcast nachhören.

Außerdem: Immer ab dem auf die aktuelle Sendung folgenden Dienstag findet sich auf der Website ein PDF mit allen angesprochenen Titeln.

Dazu Reinhard Jahn:

“Das besondere am Mords-PDF ist allerdings, dass dort über die reinen Autoren- Und Titelangaben hinaus auch stets ein eigener Kurztext zum betreffenden Buch steht, der sich auf der Besprechung aus der Sendung basiert, damit der Hörer/Leser dann auch weiß, warum einer von uns ein Buch gut gefunden hat.“

Eine Antwort zu “Mord(s)beratung auf WDR5”

  1. Paul-Michael Oschatz

    Der Titel Ihrer Sendung ist mehr als frivol und missfällt mich schon seit langem.
    Krimis sind prinzipiell zweite Wahl. Ich empfehle die Lektüre guter Literatur, die nicht von heute und gestern sein muss. So gut Cervantes, Ariost und Tasso zu lesen sind, so genügt es doch etwa Sir Walter Scott, Anthony Trollope, die Bronte-Sisters oder Jean Paul, Fontane oder Wolf von Niebelschütz zu lesen. Auch Pelewin, Sorokin und Konsorten sind zu empfehlen oder der aktuelle Franzose Houellebeque(?). Ich könnte stundenlang Besseres empfehlen als die törichten Krimis, die ein gequälter Konrad Adenauer zur Entspannung lesen mochte. So viele Adenauers gibt’s aber nicht. Ein Krimi sollte immer Ausnahme-Lektüre sein, gelegentliche Entspannung. Richtige Leser fordern mit Recht mehr!

    Antworten

Kommentar schreiben

  • (will not be published)

XHTML: Sie können diese Auszeichnungen nutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>