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Lesung Mark Benecke
Marky Mark, der Madendoc
von Michaela Pelz

Schon als der gertenschlanke Mann mit den raspelkurzen Haaren und dem keck blitzenden Ohrring eine gute halbe Stunde vor dem offiziellen Beginn den Raum betritt, ist klar, dass das, was die rund hundert Zuhörer hier im Movimento München an diesem April-Abend als Veranstaltung im Rahmen des Krimifestival München erwartet, garantiert keine Lesung im üblichen Stil sein wird.
In einer einzigen, fließenden Bewegung stellt der Mittdreißiger die mitgebrachten Taschen ab, zieht den schwarzen Ledermantel aus, klappt seinen Laptop auf und zaubert wie Mary Poppins ein Zubehörteil ums andere aus einer der vielen Handy-Taschen, die er am Gürtel trägt – alles gleichzeitig.
Und zwar nicht ohne außerdem mit unvergleichlich kölschem Zungenschlag die Anreise sowie die Mentalität der Bajuwaren im Allgemeinen und Besonderen zu kommentieren und noch ein wenig Musik einzuspielen, während er via Beamer zahlreiche Dateien mit so aufschlussreichen Titeln wie „Hitlers Schädel“ an der weißen Wand des schmucklosen Raums im fünften Stock eines Gebäudes direkt im Herzen von München auftauchen lässt.

Das Publikum – zunächst überwiegend aus gesetzten Herrschaften mittleren Alters bestehend, je näher der Beginn der Veranstaltung rückt aber stark durchsetzt von eindeutig als Studenten erkennbaren jungen Frauen und Männern – weiß offenbar nicht, wo es den Blick zuerst hinwenden soll.
An die Wand, wo der rührige Dozent immer neue, viel versprechende Unterverzeichnisse aufblitzen lässt – oder doch an die Körpermitte des lässigen Referenten mit der unglaublichen Präsenz, wo sich am Gürtel fast ein Dutzend roter, grüner und weißer Handytaschen ein verwirrendes Stelldichein geben.
Benecke selbst ist völlig gelassen und in jeder Sekunde Herr der Lage. Während er den Laptop nachjustiert, klappert er ein bisschen mit seinem Schlüsselbund, der ob der Vielzahl der dort versammelten Exemplare – zu denen auch der Hotelzimmerschlüssel mit der Nummer 32 gehört - eines mittelalterlichen Kerkermeisters würdig gewesen wäre.
Parallel dazu wendet er sich direkt an die Zuschauer und lädt sie ein, zur Überbrückung der Wartezeit in den von ihm mitgebrachten Büchern zu schmökern (die im Anschluss an die Veranstaltung natürlich käuflich erworben werden können …). Das lassen sich die Leute nicht zweimal sagen: Erst zögerlich, dann immer begieriger greifen sie nach der Taschenbuchausgabe von „Mordmethoden“ und nutzen auch sofort die Gelegenheit, ein Autogramm vom Autor zu ergattern. Der schreibt und redet und schießt außerdem jede Menge digitaler Bilder, was, wie sich bald herausstellt, eines seiner Markenzeichen und fester Bestandteil seiner täglichen Arbeit ist.
Womit wir bereits beim Thema wären: Was MACHT er eigentlich, dieser Mark Benecke, der so lässig mit seinen Lesern plaudert und gleichzeitig ständig unter Strom zu stehen scheint?
Nun, er ist Kriminalbiologe – das wissen eigentlich alle, die sich hier versammelt haben, um zu hören, wie man anhand der Analyse von auf Leichen befindlichen Insekten und Maden die Liegezeit eines solchen Körpers bestimmen kann. Darüber hinaus kennt er sich aber auch mit Blutspuren und allerlei anderen ermittlungsrelevanten Fachthemen aus, was ihn zu einem geschätzten und viel beschäftigten Mitarbeiter der Polizei, sowie gefragten Unidozenten im In- und Ausland macht.
Dass er aber außerdem ein faszinierender Redner ist, dessen Zuhörer nach dem „ersten Mal“ nicht selten zu Wiederholungstätern werden und dass die Veranstaltung nicht etwa aus einem reinen Vortrag sondern vielmehr aus einer sehr umfangreichen und außerordentlich ungewöhnlichen Diashow besteht, diese Vermutung drängt sich erst auf, als ein paar Damen reiferen Alters fragen, wo sie sich für den Workshop „Alien Autopsy“ einschreiben können und darum bitten, ein paar andere Fälle als bei der letzten Lesung im Münchner Umland vorzustellen.
Dergestalt vergeht die Wartezeit für das wesentlich männerlastigere Publikum als bei der Durchschnittslesung wie im Flug und die Spannung steigt.
Offensichtlich auch beim Veranstalter, repräsentiert durch den Leiter der Internationalen Ludwigs Apotheke, Florian Picha, der die Anwesenden mit launigen Worten begrüßt und sich auch im weiteren Verlauf des Abends zunehmend begeistert zeigt von der Performance des forensischen Entomologen.
Dieser lässt als erstes darüber abstimmen, worüber er in den kommenden zwei Stunden (aus denen dann am Ende gute zweieinhalb werden) referieren soll. Zur Wahl stehen „Hitlers Schädel und Zähne“ (die Benecke als die tatsächlichen Überreste des Diktators identifizierte), „Insekten auf Leichen“ (dieses Thema ist verbunden mit dem einen oder anderen „Ratespiel“ für die Zuschauer) oder ein aktueller Fall (hier geht es um eine stark zersetzte Leiche, die in einer Biotonne gefunden wurde).
Die Biotonne gewinnt und nun heißt es „Augen auf und Fotoapparate weg!“, denn das was der Schnellsprecher nun in einer selbst gemachten Slideshow präsentiert, besteht aus authentischen Bildern von echten Kriminalfällen.

Während der Einstieg mit der Innenaufnahme eines Bahnhofs (der Wissenschaftler liebt es, jeden einzelnen Schritt seiner Arbeit genauestens zu dokumentieren – angefangen von der Anreise, wie auch hier unschwer zu erkennen) noch relativ gemäßigt ist, liefert Benecke noch ein paar Hintergrundinformationen zu seinem Berufsbild.
„Sie müssen sich das so vorstellen: In Deutschland kann jeder, der sich mit einem Fachgebiet auskennt, vor Gericht zu dieser Sache aussagen. So bin ich, vergleichbar mit einem KFZ-Gutachter als Sachverständiger für biologische Spuren zugelassen.
In der Praxis sieht das dann so aus: Die Polizei ruft an, ich fahre mit dem Zug dort hin, wo man mich braucht, werde am Bahnhof von der Kripo in Empfang genommen und dann in das Institut für Rechtsmedizin gebracht. Oft ist das in einer Universität, manchmal aber auch in einem ganz normalen Krankenhaus.“
Zu jeder dieser Informationen hat „Marky Mark“ natürlich ein passendes Bild – auf die Szene mit der Schublade, aus der eine Leiche mit einem Zettel am Zeh gezogen wird, wartet man allerdings vergeblich. „Das sehen Sie zwar die ganze Zeit im Fernsehen, aber so was gibt es normalerweise bei uns gar nicht. Um die Leichen zu kennzeichnen notiert man eher etwas mit einem Eddingstift auf den Fuß – meist wird das aber auch nicht gemacht, um die Würde des Menschen nicht zu verletzen.“
Weiter geht es mit dem Biotonnen-Fall, bei dem Benecke der Polizei helfen soll, aufzuklären, ob der in einer solchen Tonne gefundene Verstorbene (für den die Angehörigen in dieser Zeit Rente kassierten) tatsächlich vier Jahre dort lag.
Im Verlauf dieser Fallberichterstattung geizt der Experte nicht mit, wohl den meisten Anwesenden bis dato unbekannten, Fakten. „Zuerst müssen Sie eines wissen: Eine Leiche ist weder eine Sache, noch ein Mensch. Diese Tatsache wird dann zum Problem, wenn sie etwa eine zerstückelte Leiche finden (von der angenommen wird, dass sie eines natürlichen Todes starb). Denn dann kann man weder von Sachbeschädigung noch von Körperverletzung sprechen. Oft wird also mit „Störung der Totenruhe“ argumentiert. Wenn aber dann jemand sagt „Der war tot und dann hab ich ihn in einen Teppich gewickelt und weggebracht“, dann mag das zwar unethisch sein, aber nicht rechtlich verwerflich.“
Seine Sprache ist deutlich – die Bilder, die er zeigt, noch mehr. „Hier sehen Sie das, was wir einen breiig zerflossenen Schädel nennen. Was denken Sie? Ist er grau, grün oder weiß? Ohne Farbskala kann das niemand genau sagen – auch ich nicht. Eine solche Skala sollten Sie also immer dabei haben, wenn Sie so etwas fotografieren.“

Und so makaber das Thema auch ist, so verblüffend einfach (wenn man es weiß) sind die Methoden der Informationsbeschaffung, derer sich der Kriminalbiologe bedient, wenn er die Polizei bei ihren Ermittlungen unterstützt. „Wenn ich von den Zeugen wissen will, ob Fliegenpuppen im Raum waren, als die Leiche gefunden wurde, dann frage ich nicht danach, ob sie welche gesehen haben. Die meisten wissen gar nicht, wie so eine Puppe aussieht – außer sie angeln. Also erkundige ich mich vielmehr, ob es geknackt hat, als sie über den Teppich gegangen sind.“
Warum er jeden Schritt seiner Arbeit so akribisch fotografiert wollen die Zuschauer wissen. „An so einem Leichenfundort kann nicht alles gesammelt werden – das geht einfach nicht. Also kann man leicht etwas übersehen. Darum machen wir so viele Bilder. Und deswegen ist auch die Teamarbeit so wichtig - um die Fehlerquellen zu minimieren. Abgesehen davon ist es immer eine Gruppe von Spezialisten, die zusammenarbeitet – Chemiker, Biologen, Polizei … - nicht, wie im Krimi, ein einzelner, der sich in Personalunion all dieser Aspekte eines Fallen annimmt. Darüber hinaus sind die Fotos auch wichtig als Beweis vor Gericht.“
Immer und immer wieder bezieht der Kölner die Zuhörer in den Vortrag ein, lässt das Publikum seine eigenen Schlussfolgerungen ziehen („Versuchen Sie, wie eine Made zu denken!“), bevor er enthüllt, wie es wirklich war und woran dies zu erkennen ist.

Jemand wundert sich, dass Benecke und seine Assistentin weder Schutzkleidung noch Mundschutz tragen. „Oft müssen wir improvisieren und unter Zeitdruck arbeiten. Schutzkleidung ist nicht nötig, wenn die Leiche schon verspurt wurde, d.h. wenn alle Spuren schon genommen wurden. Und das viel zitierte „Leichengift“, das so gefährlich sein soll, das gibt es gar nicht – nur den ganz normalen bakteriellen Zerfall. Wie beim Waldboden. Darum ist der Umgang mit einer Faulleiche nicht ekliger als der mit anderen Substanzen – abgesehen vielleicht vom Geruch.“
Nein, über mangelnden Unterhaltungswert kann man sich bei diesem Referenten wahrlich nicht beklagen! Die zahlreichen Zwischenrufe und interessierten Fragen beweisen, wie sehr die Zuhörer sich mittlerweile in das Thema vertieft haben.
Dazu gehört natürlich auch, dass sie mehr über das auf den ersten Blick ungewöhnlich anmutende Outfit Beneckes mit all den diversen Handytaschen am Gürtel wissen wollen. „Ganz einfach: Meine Arbeitsausrüstung muss körpernah sein, damit ich alles gleich griffbereit habe. Dazu gehört dann etwa eine Stirnlampe, wie sie im Bergbau benutzt wird. Oder eine 60 Lumen starke Taschenlampe, die normalerweise auf Gewehre montiert wird. Dann sind da noch Batterien, ein Messer, ein Mikro (falls ich eine Aufnahme für den Ipod machen muss), ein Feuerzeug, eine Kamera, ein Vergrößerungsglas, ein Kompass (man muss immer wissen, wo Süden ist – die Insekten fliegen vom Licht weg), ein Kartenleser, ein Locher, ein Ipod, mindestens ein Handy, meine Pfeife … Ich bin etwa 200 Tage im Jahr unterwegs und viel im Ausland, da reise ich gern mit kleinem Gepäck.“
Mark Benecke weiß, wie er sein Publikum fesseln kann – was er erzählt ist nicht nur ungewöhnlich und interessant, sondern auch noch launig verpackt. Allerdings hat es nichts damit zu tun, dass der Mann gefühlskalt oder abgebrüht wäre („Bei Titanic habe ich im Kino geweint – meine Frau hat sich direkt für mich geschämt“). Vielmehr unterstreicht der Wissenschaftler die Bedeutung, bei der Arbeit keinen emotionalen Kontakt zum Geschehen und zum Opfer zuzulassen.
Dennoch interessiert sich der Mann, der ausschließlich mit „faulen Leichen“ arbeitet durchaus für die diversen Begleitumstände eines Falles und wird nicht selten selbst zum Detektiv. Das fängt schon damit an, dass er – um sich ein Bild des biologischen Gesamtzusammenhangs machen zu können – selbst zum Fundort fahren und oft buchstäblich seine Nase in das Geschehen stecken muss.
„Ich muss auf dem Boden herumkriechen, den Müll untersuchen und meine Nase für mich arbeiten lassen. Alle Insektenkundler sind kurzsichtig! Abgesehen davon kann ich diverse Fäulniszustände am Geruch unterscheiden. Das ist eine Fähigkeit aufgrund der ich auch schon als Sachverständiger vor Gericht bestellt wurde.
Sie wollen wissen wie das riecht? Am Anfang überwiegt das ammoniakalische – wie Kloreiniger. Danach wird es „käsig“ – wie bei den Käsefliegen in Korsika, die allerdings dort als Qualitätsmerkmal gelten“.
Wenn Benecke dann vor Ort ist, geschieht es nicht selten, dass Zeugen und Beteiligte ihm gegenüber weit auskunftsfreudiger sind als bei einer Befragung durch die Polizei („Ich wirke wie der nette Zivi – darum sagen die erstaunlicherweise die Wahrheit!“).
Das nimmt man ihm sofort ab – wobei der Kriminalbiologe keinen Zweifel daran lässt, dass es im Endeffekt ausschließlich Sache der Polizei ist, Schlussfolgerungen zu ziehen und die Fälle zu lösen.

Wie es überhaupt zu dieser Berufswahl kam, möchte eine junge Studentin wissen (vielleicht eine künftige Kollegin?). Benecke erzählt wie er im Institut für Rechtsmedizin als Biologe promovierte und zwar im Keller (weil dort ein Raum – „der alte Affenstall“ - leer stand, den die Biologen benutzen durften). Unmittelbar daneben befand sich der Sektionsraum, weswegen es nicht ausblieb, dass der Doktorand mit Polizisten ins Gespräch kam. Das Thema begann ihn zu faszinieren, er studierte jede Menge Literatur dazu … und dann führte eines zum anderen …
Übrigens: Auch die Bestimmung von Blutspuren gehört heute zu Beneckes Spezialität und seine diesbezüglichen Kenntnisse sind bei der Polizei sehr gefragt.
Überhaupt scheint er ein Hans-Dampf-in-allen-Gassen zu sein, dieser quirlige Rheinländer. Überall auf der Welt ist er zu Hause – egal ob als Gastdozent (z.B. auf den Philippinen), Referent (etwa in der berühmten „Body Farm“ in Langley, die aber eigentlich „Research Facility for Forensic Anthropology“ heißt) oder Gutachter/Berater im In- und Ausland. Fast nebensächlich bezieht er sich dann auf das „Blutwunder von Neapel“ oder erzählt von „Hitlers Schädel und Zähne“.
Und immer wieder lässt er die Fans an seinem forensischen und entomologischen Fachwissen teil haben – und zwar so gekonnt, dass die Erinnerung daran (im Gegensatz zur langweiligen letzten Biologiestunde dereinst in der Schule) eine nachhaltige bleibt.
Fasziniert lernen die Zuhörer so etwa, dass Insekten temperaturabhängig sind und schneller wachsen, wenn es wärmer ist. Und dass Schmeißfliege noch lange nicht gleich Schmeißfliege ist – die grünen finden sich eher dort, wo es heiß ist, während die blauen ein kühleres Ambiente bevorzugen. Puppen hingegen fressen sich voll und verstecken sich dann, erst später kehren sie auf die Leiche zurück. Und Maden schließlich kriechen weg vom Licht, das mögen sie nämlich nicht.
Interessant auch die Tatsache, dass es Gifte gibt, die man (je nach Liegezeit) in einer Leiche nicht mehr nachweisen kann – in den Insekten, die sie besiedeln, jedoch schon.
Oder dass hagere Leute recht gut mumifizieren und der Unterschied zwischen vorher und nachher längst nicht so stark ist wie bei korpulenten Menschen, weil sich die Haut über dem Gesicht spannt …

Auch erfahren die Männer und Frauen im Saal (der jüngste Zuhörer ist ca. 12 Jahre alt, die ältesten sind sicher in ihren Siebzigern), von denen eine einzige die Veranstaltung vorzeitig verlässt, weil ihr die Bilder zu viel werden, allerlei Erstaunliches über „die Leiche“ an sich.
„Zunächst einmal muss man sich vergegenwärtigen, dass es „DIE“ Leiche nicht gibt. Je nachdem wo und wie der tote Körper gelagert wurde / gelegen hat, sieht er unterschiedlich aus. Nehmen wir zum Beispiel eine Wasserleiche: Der Teil des Körpers, der sich unter Wasser befunden hat, ist aufgrund von Fettwachs, noch recht gut erhalten. Dort, wo Luft dran kam, ist er jedoch vertrocknet. Und dann gibt es natürlich noch die von Maden zerfressenen Leichen … In der Meerestiefe löst sich der Mensch übrigens komplett auf – ohne Knochenreste, weswegen man auch keine Leichen aus der Titanic bergen konnte.
Interessant auch, was mit Leichen geschieht, über die sich Tiere hergemacht haben. Da sie sich ganz unterschiedlich verhalten, kann man gut Mutmaßungen darüber anstellen, um welches Tier es sich gehandelt hat. Katzen z.B. fressen erst die Lippen, Ameisen fressen Strassen, Kakerlaken erweitern Wunden und Hunde fressen nur bis zur Kleidung …“
Das alles klingt ziemlich makaber – und ist auch optisch eher gewöhnungsbedürftig. Und doch sind die Zuschauer ungemein fasziniert und zu keinem Zeitpunkt hat man den Eindruck, nur voyeuristische Neigungen würden bei diesem Vortrag bedient.
Es ist im Gegenteil die Chance, Einblick in eine Materie zu erhalten, die für die meisten Menschen – abgesehen von der Lektüre einschlägiger Kriminalromane – (zum Glück) eine völlig fremde Welt ist, obwohl sie unmittelbar mit dem verbunden ist, was uns alle ausmacht: Leben und Tod. Letzterer mit all seinen unschönen Aspekten wie Verwesung und Verfall.
Mark Benecke gelingt es, durch seine saloppe Art eine Distanz zu schaffen, durch die sich der Ekelfaktor stark reduziert und vor allem die wissenschaftliche Seite einer solchen Fallstudie in den Vordergrund tritt. Außerdem ist er ein brillanter Dozent und stets in der Lage, auf Zwischenrufe und –fragen zu reagieren oder sogar sein geplantes Programm kurzfristig umzustellen, um es den Wünschen seiner Zuhörer anzupassen. Kein Wunder also, dass seine Vorlesungen regelmäßig ausgebucht sind bis auf den letzten Platz …
Und auch nicht verwunderlich, dass alle hundert Anwesenden begierig mitmachen, als der Kriminalbiologe anbietet, ein paar (echte) Fälle „zum Mitraten“ vorzustellen. Die Zeit vergeht im Flug und ein tiefer Seufzer des Bedauerns geht durch den Raum, als nach „Dr. One Eye“ und einem bedauernswerten Strangulationsopfer endgültig Schluss gemacht werden muss. Zumal Benecke sich auch trotz flehentlicher Bitten sehr junger Damen standhaft weigert, zu erklären, wie es zu dem ungewöhnlichen einseitigen Madenbefall beim einäugigen Doktor kommen konnte. „Das und noch viel mehr können Sie alles auf meiner Webseite nachlesen!“
In seinen Schlussworten betont der Referent noch einmal ein paar Punkte, die ihm sehr wichtig sind: „Maden sind nicht giftig! Die tun gar nix! Sie sind einzig und allein spezialisiert auf faules, sich zersetzendes Gewebe – darum werden sie mit so genannten „Bio Bags“ stellenweise auch zur Wundreinigung eingesetzt!“

Und bevor er als allerletzte Tat ein Foto mit dem Selbstauslöser schießt (dieses und mehr Bilder finden sich auch im Netz), verabschiedet er sich von seinem Publikum mit den Worten:
„Denken Sie immer dran:
Death is not the End!
Nach dem Tod kommen: Käfer, Polizei und der Kriminalbiologe!”
Ach: Und sollten SIE jetzt Blut geleckt haben und ebenfalls einen Vortrag dieses höchst ungewöhnlichen Redners besuchen wollen, dann schauen Sie doch einfach HIER nach, wo Sie ihn als nächstes live erleben können!
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