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Exklusivinterview mit
Robin Paige
Robin Paige ist das Pseudonym von Susan und Bill Albert, dem “Deadly Duo”
F:Woher kommt der Name “Robin Paige”? Hat die Wahl etwas mit der Tatsache
zu tun, daß Susans Tochter “Robin” heißt?
A: Unser Verleger
wollte uns nicht unter unseren eigenen Namen schreiben lassen (es scheint
eine Art “Regel” zu geben, daß es nicht gut ist, mit zwei Namen auf einem
Cover vertreten zu sein). Wir wollten einen geschlechtsneutralen Namen mit
britischer Anmutung haben. “Meredith Patterson”, wofür wir uns zunächst
entschieden, lehnte der Verleger ab, da zu lang. So fiel unsere Wahl auf
“Robin Paige”.
F: Bill und Susan – Charles und Kate.... Man sagt,
daß die Figuren eines Buches oftmals autobiografische Züge des Autors tragen.
Wie sieht es in diesem Fall aus?
A: In den genannten Figuren
steckt viel von uns beiden. Sowohl Bill als auch Charles interessieren
sich für neue technische Errungenschaften, für Fotografie, Fledermäuse,
Fliegen- (und andere)-pilze und Fingerabdruckverfahren. Wie Kate geht
auch Susan einer eigenständigen schrifstellerischen Tätigkeit nach (als
Autorin der China Bayles Krimiserie) und teilt mit ihr auch einige
Charakterzüge (unstillbare Neugierde, die Unfähigkeit, von einem Problem
abzulassen, sobald es einmal zutage getreten ist). Auch arbeiten Kate und
Charles genau so zusammen wie wir es tun – sie probieren neue Ideen
aneinander aus, gehen getrennte Wege, um Antworten zu finden und kommen
schließlich mit einer gemeinsamen Lösung wieder zusammen.
F:Was führte dazu, daß Sie begannen “echte” historische Personen
in Ihren Büchern auftreten zu lassen?
A: Eigentlich mehr aus Spaß “bauten” wir Willie Yeats, Conan Doyle
und Oscar Wilde in den ersten Band ein – ohne die Absicht, dies zu einem
“Markenzeichen” der Serie werden zu lassen. Im Rahmen einer Recherche für
ein anderes Buchprojekt, beschäftigte sich Susan später dann mit Beatrix
Potter und schlug vor, diese in “Death in Gallows Green” vorkommen zu
lassen. Das Ergebnis gefiel uns beiden sehr gut und daher entschlossen
wir uns, “richtige” Menschen in jedes Buch einzubauen. Es ist eine große
Hilfe, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren und die Handlung im
wirklichen Leben zu verankern, außerdem verleiht es dem Roman zusätzliche
Tiefe – er wird historisch realistischer und schließlich lernen wir (als
Schriftsteller und Rechercheure) eine ganze Menge über das Viktorianische
Zeitalter.
F: Wer darf entscheiden, welche historische Persönlichkeit als
nächstes “drankommt”?
A: Beide machen wir Vorschläge. Wir haben dann eine Liste mit 8-10
Leuten, die wir gerne in einem unserer Romane auftreten lassen würden.
Derzeit arbeiten wir an einem Buch, in dem Lily Langtry eine Rolle spielen
wird (wir konzetrieren uns vor allem auf ihre Leidenschaft für Pferderennen).
Danach werden H.G. Wells und die Wissenschaftler seiner Zeit an der Reihe
sein.
F: Wann (und vor allem warum) fiel die Entscheidung, gemeinsam
Bücher zu schreiben anstatt dies jeder für sich zu tun?
A: Wir heirateten 1986, das war etwa ein Jahr nachdem Susan ihren
Beruf (als Dozentin – A.d.R.) aufgegeben und angefangen hatte, sich ihren
Lebensunterhalt als Autorin von Jugendbüchern zu verdienen. Dann fiel ihr
auf, daß Bill eine Begabung dafür hat, Handlungsabläufe zu konstruieren
(er ging ihr bei ein paar Romanen zur Hand) und daher schlug sie vor, daß
sie beide diese Arbeit doch jetzt als Team in Angriff nehmen sollten. Bisher
war dies eine sehr produktive Partnerschaft. Zusammen haben Bill und Susan
Albert mehr als 60 Jugendbücher und fünf Bände der Robin Paige Serie
geschrieben; darüberhinaus hilft Bill Susan bei ihrer Arbeit an den China
Bayles Büchern (das achte wird dieses Jahr erscheinen) – bei Bedarf
unterstützt er sie beim Konstruieren der Handlung, er liest Korrektur
und fungiert als Kritiker. Aber Schreiben ist natürlich auch ein Geschäft
– abgesehen von einer Kunst. Bill ist daher für die Finanzen zuständig
und kümmert sich darum, daß die Computer so funktionieren, wie sie sollen
(keine leichte Aufgabe!). Susan hingegen ist für einen Großteil der Promotion
zuständig. Eine erfolgreiche Krimiserie zu entwickeln ist mit weit mehr
verbunden als damit, “nur” die Bücher zu schreiben und sie an den Verlag
zu senden!
F: Wie ist das, wenn zwei Autoren an ein- und derselben
Geschichte schreiben? Teilen Sie die Aufgaben nach Kapiteln auf oder ist
Bill derjenige, der den “männlichen” Teil übernimmt (d.h. die Beschreibungen
aus der Sicht von Charles Sheridan), während Susan für Kates “weiblichen”
Standpunkt zuständig ist?
A: Bill erledigt den Großteil der Recherche im Vorfeld, und denkt
sich die Geschichte – in groben Zügen – aus. Zusammen entwickeln wir die
einzelnen Handlungsabläufe und legen ein Story Board an (eine Pinnwand
aus Kork, an die wir kleine Karten heften, auf denen sich Ideen für
Szenen befinden). Bill schreibt dann die Rohfassung der technischen
Szenen und jener rund um Charles. Susan tut dasselbe mit Kates Szenen
und jenen, bei denen es um die Dienerschaft geht. Danach überarbeitet
Susan das gesamte Buch und wir lesen es uns nach und nach laut vor, von
Anfang bis Ende. Nur ganz selten entstehen Szenen nicht in chronologischer
Reihenfolge.
F: Wie sieht Ihre Arbeit in der Praxis aus? Sitzt
jeder von Ihnen in seinem Büro, erledigt dort sein tägliches Pensum
an geistigen Höhenflügen, und dann sitzen Sie vor dem Kamin und zeigen
sich gegenseitig die Ergebnisse (okay, ich weiß, daß Sie in Texas leben
– aber die Idee schien so passend...) – während Sie über die letzte
Preis-Steigerung beim Saatgut für Ihren Garten diskutieren?
A: Das klingt so romantisch und wunderbar – ich wünschte, es wäre
so! Jeder von uns hat ein Büro und einen Computer. Wenn wir gerade an
einem Buch arbeiten, dann treffen wir uns in Susans Büro so gegen drei
Uhr nachmittags und sie liest laut das vor, was auf dem Bildschirm steht.
An diesem Punkt machen wir zusammen noch eine Menge Änderungen. Außerdem
prüfen wir das Story Board im Hinblick darauf, ob sich neue Entwicklungen
ergeben haben (was oft der Fall ist und uns manchmal ein wenig vom
geplanten Handlungsverlauf abkommen läßt) und daraufhin, ob wir nochmal
zurückgehen und etwas einfügen müssen, das wir eventuell vergessen haben.
Wir haben genug Bücher geschrieben um zu wissen, daß wir diszipliniert
sein und uns an die Grundidee des Buches halten müssen (dabei trotzdem
offen für kreative neue Einblicke/Wendungen...). Wenn wir hin-
und her schwanken, keine klare Linie finden, dann dauert der Prozeß
wesentlich länger als er sollte und hindert uns daran, andere Dinge
zu tun, die wir noch vorhaben. F: Arbeitet einer von Ihnen
manchmal an zwei Büchern auf einmal? D.h. schreiben Sie gleichzeitig
als Robin Paige und als Susan Wittig Albert? Wenn ja, wie schwierig
(oder einfach) ist es, die Hauptfiguren der Romane unabhängig voneinander
zu entwickeln? Und was tun Sie, um sich davor zu schützen, schizophren
zu werden?
A: Susan arbeitet oftmals an zwei Büchern auf einmal. Bill beginnt
mit der Recherche für den nächsten Robin Paige Band im Juli/August,
bevor Susan noch mit ihrem letzten China Bayles Roman fertig ist. Und
das Korrektur gelesene Manuskript des letzten Buches einer Serie liegt
immer dann vor, wenn man bereits mitten im Schreiben der anderen Serie
ist. Aber die beiden Serien sind sehr unterschiedlich (das haben wir
mit Absicht so gemacht) und daher laufen wir keine Gefahr, schizophren
zu werden. Die China Bayles Romane werden in der Ich-Form, vn einer
Texanerin erzählt, und zwar sehr umgangssprachlich. Die Robin Paige
Serie ist in der dritten Person verfaßt, beleuchtet die Handlung stets
von einer Vielzahl von Sichtweisen aus und der Tenor ist eher förmlich,
Britisch und so Viktorianisch, wie wir nur können.
WIR DANKEN FÜR DIESES GESPRÄCH.
Das Interview führte Chefredakteurin Michaela Pelz.
(September 1999)
(Foto: privat)
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