Exklusivinterview mit Lindsey Davis

F: Woher kam der Entschluß, sich speziell auf die Zeit von Vespasian zu konzentrieren?
A: Weil mir die Art und Weise gefiel, in der Vespasian die wahnsinnige Verschwendung früherer Kaiser auf ein vernünftiges Maß zurückstutzte, weil diese Zeit inhaltlich nahe genug an meinem ersten Buch “Ich, Claudius” war, um meinen Leser vertraut zu sein, weil es eine Menge Material über eben diese Zeit gibt und eine Vielzahl von interessanten archäologischen Funden.
F: Wie kommt es, daß Sie eine Expertin mit einer solch ausgeprägten Kenntnis des täglichen Lebens in den Zeiten des römischen Imperiums sind?
A: Ich bin keine Expertin. Ich mache mir nur die Mühe viel zu lesen und so zahlreiche Details wie möglich herauszufinden.
F: Haben Sie selbst Ähnlichkeit mit Helena, der Heldin Ihrer Bücher? Wenn ja, welche ihrer Charakterzüge würden Sie Ihr eigen nennen?
A: Es gibt nicht mehr Ähnlichkeit zwischen Helena und mir als ich Ähnlichkeit habe mit Falco. Überhaupt besteht keinerlei Verbindung zwischen irgendeiner meiner Figuren und Menschen aus dem “richtigen” Leben – das schließt mich selbst ein.
F: Mußten Sie sich selbst einmal zwischen einem Siegertypen und einem sympatischen Verlierer entscheiden, wie Helena in “Eisenhand” (The Iron Hand of Mars). Wenn ja, welcher der beiden trug den Sieg davon?
A: Nein, dieses Problem hat sich mir nie gestellt. Warum muß eigentlich jeder immer wieder davon ausgehen, daß Autoren ihre Bücher aus autobiographischen Erfahrungen heraus schreiben?
F: In einem Fall nach dem anderen wird Falco vom Palast um sein Honorar betrogen. Trotzdem arbeitet er weiterhin für den Kaiser. Was treibt ihn dazu?
A: Er wird nie komplett betrogen; nach und nach trifft das Geld ja ein.
F: Als geistige Mutter von Falco, was treibt Sie persönlich dazu, ihn sich so benehmen zu lassen, wie er es tut?
A: Ich kann auch hier nur auf meine letzte Antwort verweisen. Auch wenn die hohen Herren vom Palast eine sehr schlechte Zahlungsmoral haben, sorgt er doch immer dafür, daß sie ihren Verpflichtungen nachkommen. Das ist Teil seiner Entschlossenheit.
F: Ihre Fans haben die Möglichkeit, auf Ihrer Internet-Homepage Fragen zu stellen. Wollen sie mehr über die Bücher wissen oder mehr über das Privatleben von Lindsey Davis?
A: Überwiegend sind sie an den Büchern interessiert.
F: Haben Sie eine Vorstellung davon, welche Menschen Ihre Bücher lesen? Geschichtskundler? Hobby-Archäologen?
A: Das Spektrum meiner Leser ist sehr breit: Es gibt junge und alte, Männer und Frauen, Leute, die die Klassik studiert haben, Archäologen und Geschichtskundler, Lehrer, Rentner, Schüler, ganz “normale” Leute. Ich habe den Eindruck (und das meine ich sehr ernst), daß es sich dabei um sehr sympatische Leute handelt.
F: Die letzte Frage: Wird Falco jemals einen ”ordentlichen” Beruf ausüben?
A: ”Ordentlich” in welcher Hinsicht? Ich würde sagen, daß er ab der “Partner” Trilogie (d.h. beginnend mit “Three Hands in the Fountain” und sicherlich ab dem Zeitpunkt, an dem er im Zensus arbeitet in “Two for the Lions”) sowohl ernsthaft arbeitet als auch seriös ist. (A.d.R.: Die beiden Bücher sind noch nicht auf Deutsch erschienen.)

WIR DANKEN FÜR DIESES GESPRÄCH.

Das Interview führte Chefredakteurin Michaela Pelz.
(Dezember 1999)

(Foto: Knaur Verlag)