Was bedeuten Sprachen für Sie?
Sprachen sind das zentrale Merkmal der Menschen und unserer Kulturen. Von daher haben Sprachen eine ganz herausragende Bedeutung, kulturell und zwischenmenschlich, und wer jemals im Ausland versucht hat, in der Landessprache zu kommunizieren, und seien es auch nur ein paar Brocken, der weiß, wie sehr Sprache Verbindungen schafft. Zyniker sagen gerne, Sprache sei die Ursache aller Missverständnisse, aber das sehe ich überhaupt nicht so, denn Missverständnisse können auf jedem anderen Weg ebenfalls zustanden kommen und sind letztlich so etwas wie ein Bedienfehler.
Sprachen zu lernen halte ich für grundlegend wichtig. Insbesondere heutzutage, wo Länder und Kulturen dichter aneinanderrücken Verbindungen geschaffen werden müssen.
Welche der im Buch vorkommenden Sprachen beherrschen Sie?
Leider nur die modernen, also Englisch, Französisch und Portugiesisch. Und beherrschen ist vielleicht auch zu viel gesagt. An meinen Schulen wurde leider nie Latein angeboten, das hätte ich gerne gelernt, ebenso wie Irisch, das mich fasziniert.
Wenn ich einmal etwas mehr Zeit habe, hole ich das vielleicht noch nach.
Wie sehen Sie Ihr Buch im Vergleich zu Dan Browns Büchern?
Das können vielleicht besser andere beurteilen. Nicht zuletzt, weil ich auch nur eines (Illuminati) gelesen habe. Mein Eindruck aus diesem Buch ist, dass er actionlastiger schreibt, als ich. Zudem spielt bei mir die Kirche keine tragende Rolle. Nach allem, was ich über Sakrileg gehört habe, scheint mir meine Geschichte weniger monothematisch zu sein; das was dort als herausragende Theorie behandelt wird, wird bei mir als eine Theorie von vielen abgehandelt und hat letztlich mit dem Plot gar nichts zu tun. Direkt vergleichbar sind wir vermutlich nicht.
Sind Sie Mitglied in einem Geheimbund?
Ah, Das ist eine Fangfrage.
Würde ich mit 'Ja' antworten, wäre es streng genommen gelogen, da es dann ja nicht mehr geheim wäre. Antwortete ich jedoch mit 'Nein' könnte es genauso gut meine Pflicht sein, es abzustreiten.
Auf dieselbe Weise wurden früher alle Beteuerungen, nicht zu den Rosenkreuzern zu gehören, als Indiz für ihre Existenz ausgelegt.
Dennoch werde ich jetzt mal vorsichtig 'Nein' sagen ;)
Wären Sie gern eins? Und wie würden Sie sich fühlen, wie reagieren, müssten Sie eine schwarze Kapuze und Schürze tragen, um Befangenheit und Eitelkeit abzulegen und sich nur auf Taten und Inhalte zu konzentrieren?
Auch wenn die Symbolik logisch und die Ansätze positiv sein mögen, wäre mir eine solche Maskerade vermutlich zu ulkig, um mich ernsthaft auf die Inhalte zu konzentrieren.
Zudem bin ich überhaupt kein Freund von ritualisierten Praktiken und Zeremonien.
Wenn Sie also – was wir Ihnen gerne glauben – nicht aus eigener Erfahrung über die Zusammenkünfte schreiben, woher haben Sie dann Kenntnis von den Riten und Gepflogenheiten in so einer Loge?
Durch klassische Recherche, also durch Bücher und das Befragen von Experten.
Es ist ja keine Dokumentation, sondern fiktive Dramaturgie, daher habe ich mir die Freiheit genommen, eine Mischung aus verschiedenen Elementen zu erzeugen, die sich nicht notwendigerweise alle in einer Loge finden lassen.
Was fasziniert Sie besonders an der Geschichte der Katharer … den Ereignissen des Mittelalters … den Kreuzzügen?
Mich interessierte Geschichte allgemein.
Dass es in diesem Buch um die Mystik des Mittelalters ging, ergab sich im Laufe meiner Recherchen, da sich auf diese Weise alles so zusammenfügen ließ.
Aber dort hört es nicht auf.
Mein zweiter Roman, der voraussichtlich nächstes Jahr erscheint, und wieder Peter und Patrick zum Mittelpunkt hat, behandelt unter anderem Elemente der Geschichte Ägyptens.
Welche Quellen haben Sie für Ihre Recherchen benutzt?
Zum einen Dinge, an die ich mich aus unzähligen Dokumentationen oder Sachbüchern erinnert habe, und zum genauen Nachlesen natürlich mein Buchregal, das von Sachbüchern überquillt. Nicht nur historische, auch pseudohistorische, mystische oder okkulte, alles, was irgendwie interessant sein könnte.
Ich bin geradezu vernarrt in Dokumentation, bleibe beim Zappen hängen, sobald ich etwas Historisches oder Kulturelles wittere, und im Buchladen kann ich auch am zehnten 'Atlas der Archäologie' oder der –zigsten 'Enzyklopädie versunkener Kulturen' nicht vorbei gehen.
Für spezielle Details braucht man natürlich auch Experten, die man fragen kann.
Wenn Sie in die Rolle einer Ihrer Figuren schlüpfen könnten – in wessen Schuhen würden Sie gern 14 Tage gehen?
Schwer zu sagen.
Peter weiß ungeheuer viel; wenn ich dieses Wissen nach den 14 Tagen behalten darf, nehme ich ihn.
Patrick zu sein könnte sich allerdings als deutlich spaßiger erweisen.
All diese Charaktere, nicht nur die Hauptfiguren, sind ja sehr unterschiedlich … Stand denn jeder einzelne schon von Anfang an fest oder hat sich der eine oder die andere während des Schreibens „ins Buch geschlichen“?
Nein, sie standen von Anfang an fest, ebenso, wie die gesamte Konstruktion der Geschichte.
Was das Schreiben angeht, brauche ich absolute Kontrolle.
Ich plane also alles vollständig durch und beginne erst dann, die Geschichte zu schreiben.
Wie darf man sich das in der Praxis vorstellen? Stehen Rahmenhandlung, Orte und Personen auf Karteikärtchen, die dann an einer großen Pinnwand zusammengeführt werden? Oder gibt es für jedes Kapitel einen Kurzabriss in drei Sätzen, an dem Sie sich orientieren?
Es gibt viele Autoren, die ihre Geschichte nicht in dieser Form im Vorfeld konstruieren. Und diejenigen, die es tun, haben ganz unterschiedliche Herangehensweisen.
Ich selbst fertige zu diesem Zweck ein Dokument an, in dem ich jede einzelne Szene oder jedes wichtige Ereignis der Story festhalte. Das geht natürlich nur, wenn man die Geschichte schon vollständig im Kopf hat, und tatsächlich hilft einem die Erstellung des Dokumentes, die Geschichte zu entwickeln und Lücken zu finden. Pro Element halte ich nur ein Satz fest, zum Beispiel: "Ein Unbekannter beobachtet sie" oder "Sie entschlüsseln den Text".
Zusätzlich markiere ich diese Zeile hinsichtlich ihres Spannungsgrades: informationsvermittelnd, spannend, actionreich, usw. Dann bringe ich alle Szenen in eine sinnvolle Reihenfolge. Auf diese Weise kann ich die Vollständigkeit und die Kausalität prüfen, ich kann Szenen verschiedener Handlungsstränge alternieren lassen ohne den Faden zu verlieren und ich kann sehen, ob der Spannungsbogen erhalten bleibt, oder ob ich zu viele gleichartige Szenen hintereinander habe, die den Leser langweilen könnten.
Mit dieser Szenenfolge, die ich zu den späteren Kapiteln gruppiere, lege ich die ganze Dramaturgie fest, wie in einem Storyboard. Hieran wird später kaum noch etwas gerüttelt, und wenn, dann sehe ich in diesem Dokument, das kaum länger als zwei Seiten ist, welche Folge es für die Konstruktion hätte, wenn ich eine Szene verschiebe, hinzufüge oder entferne.
Und ergänzend: Wenn alles im Vorfeld schon feststeht, schreiben Sie dann trotzdem chronologisch oder heute mal ein bisschen vom Anfang, morgen dann das vorletzte Kapitel, um übermorgen mit dem Mittelteil weiterzumachen?
Obwohl es anders möglich wäre, schreibe ich trotzdem streng chronologisch.
Denn die Konstruktion gibt mir keine Details vor, sondern eben nur "Ein Unbekannter beobachtet sie" - wie genau sich das dann in der Geschichte niederschlägt, und ob diese Szene eine halbe oder drei Seiten lang wird, das entscheidet sich beim Schreiben. Das hat dann viel damit zu tun, wie das Tempo insgesamt bis zu diesem Punkt gediehen ist, ob jetzt eher eine längere Szene in diesem Stil angebracht wäre, oder eine kurze, um diesen Punkt schnell zu überspringen, usw.
Indem ich chronologisch schreibe, zwinge ich mich auch dazu, alles so zu verfassen, wie es später auch bleiben soll. Ich schreibe sehr langsam, aber jeder Satz, der steht, bleibt mit sehr großer Sicherheit genau dort und genau in dieser Form stehen. Ich würde sonst ständig im Manuskript hin- und herspringen und immer mal wieder überall etwas ändern, was wiederum andere Konsequenzen hätte.
Und was ist mit der Location? Stand für Sie von Anfang an fest, dass die Geschichte in Frankreich spielen musste oder hätten Sie sich auch vorstellen können, die Story anderswo anzusiedeln – etwa in Südafrika, Nigeria, Portugal oder einem anderen der Länder, in denen Sie im Lauf Ihres ereignisreichen Lebens bereits Ihren Wohnsitz hatten?
Auch die Location stand fest.
Sie ergab sich im Rahmen meiner Recherchen und meiner Plotkonstruktion, nur dort passte alles auf diese Weise zusammen.
Wenn es sich anbietet, spielt eines meiner nächsten Bücher auch gerne irgendwo anders.
Bisher bin ich immer von der Story ausgegangen, und dafür muss es passen. Man könnte es theoretisch auch anders herum aufziehen und sich fragen, was für eine schöne Geschichte man in Nigeria spielen lassen könnte.
Vielleicht mache ich da ja irgendwann einmal.
Und abschließend: Wird es weitere Thriller aus Ihrer Feder geben, die sich mit den Mysterien des Lebens und der Religion beschäftigen?
Ja, es wird einen Folgeband geben, das war von Anfang an so vorgesehen.
Wieder sind Peter und Patrick dabei, ein geschichtliches Rätsel zu untersuchen, das sie dieses Mal nach Kairo, nach Rhodos und zur Nekropole von Sakkara führt.
Dabei geht es auch wieder um Geschichte, um Mystik und um Wissen, und es wird einige der Themen, die bereits in diesem Buch angeklungen sind, fortführen.
Das Interview führte Chefredakteurin Michaela Pelz
(Februar 2006)
(Foto: privat)