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Exklusivinterview mit
Andreas Izquierdo
Irgendwo in einem unbekannten kleinen Dorf in der verschneiten Eifel in einem gemütlichen holzgetäfelten, ofenbeheizten Wohnzimmer, dessen Wände von zahlreichen Kinderhänden verschönert wurden ....
F: Wie weit ist der Weg von Dörresheim nach Köln? - oder anders gefragt: Was muss alles passieren, damit ein Junge aus der Eifel zum gefragten Krimi-Autor und erfolgreichen Drehbuchschreiber wird?
A: Beruflich war ich lange relativ orientierungslos und habe mich nach einer Karriere als schlechter und ewig versetzungsgefährdeter Mittelstufenschüler in der Oberstufe berappelt und das Abitur gemacht. Danach habe ich in 6 oder 7 Studienfächern ins Blaue studiert, u. a. Sport, Philosophie, Germanistik, Spanisch um dann in die Sparte Journalismus zu wechseln. Ich habe bei der Kölnischen Rundschau Euskirchen als Reporter gearbeitet, später ein Volontariat in einem Kölner Sportverlag gemacht.
Mein Kumpel Andreas Heckmann, der damals mein Nachbar war, meinte dann einmal "Du bist doch aus der Eifel ...schreib doch einfach mal etwas über ein totes Schwein". So entstand der Saumord. Das war´s. Du suchst jahrelang nach einem Beruf und dann kommt einer und sagt: Mach mal! Das Seltsame ist, daß ich vorher nicht einen einzigen Gedanken daran verschwendet habe, so etwas wie Autor zu werden. Die Fernseharbeit war dann die logische Konsequenz, da man in Deutschland mehr schlecht als recht als Prosaautor existieren kann.
F: Ihre Romane spielen in einem kleinen, beschaulichen Ort in der Eifel. Was ist der Grund? Heimatverbundenheit? Eine genaue Milieukenntnis? Oder gibt es dafür Fördermittel vom "Verband zur Stärkung der Eifler Präsenz in den Medien"?
A: Das wäre wirklich schön, wenn es Fördermittel gäbe ....
Ich bin mit Sicherheit sehr heimatverbunden und spiele jedes Wochenende im Fußballverein unseres Dorfes; auch wenn ich selber zur Zeit nicht mehr in der Eifel wohne. Da ich vermutlich der einzige Eifelkrimi-Autor bin, der auch in der Eifel aufgewachsen ist, kenne ich meine Pappenheimer schon ziemlich genau. Zuweilen sagt man mir nach, daß ich zu Übertreibungen neige, aber das sagt nur jemand, der noch nie ein Schützenfest in der Eifel zu fortgeschrittener Stunde erlebt hat ... ;)
F: Wie autobiografisch sind die Züge von Jupp Schmitz, dem Protagonisten Ihrer Romane, seines Zeichens Journalist und Amateurdetektiv?
A: Auch bei mir, wie in den meisten Fällen, ist es das Erstlingswerk, das am meisten autobiografisch angehaucht ist. So entstand "Jupp Schmitz" in der Zeit, als ich selber noch als Journalist tätig war und der Name Schmitz bietet sich als rheinisch-eiflerischer Adelstitel geradezu an. Diesen Namen einmal hervorzuheben war mir ein besonderes Anliegen. Ansonsten habe ich mit Jupp recht wenig zu tun. Ohnehin findet sich fast nie etwas aus meinem Privatleben in den Büchern wieder. Meine Exfreundin durfte das mal ausbaden. Sie ist Lehrerin und irgendwann haben ihre Kollegen einmal herausbekommen, daß ich Bücher schreibe. Also liest einer ihrer Kollegen das "Das Doppeldings" und was liest er in der ersten Szene? Sabine wirft Jupp vor, daß sie keinen Orgasmus kriegt. Es hat keinen Tag gedauert, da wußte es die ganze Schule. Und jeder ihrer Kollegen kam giggelnd zu ihr und hat sie bedauert. Lehrer können ja soooo kindisch sein ...
F: In der Liebe scheint er nicht wirklich ein glückliches Händchen zu haben, unser Held. Ist die "tragische Liebesgeschichte" in Ihren Büchern ein Stilmittel zur Belebung der Handlung oder macht es Ihnen einfach Spaß in jedem Band eine neue Frauenfigur einzuführen?
A: Es ist sicherlich schon ein "Running Gag", dass Jupp sich immer ausgerechnet die Dorfschönste verliebt und grandios scheitert. In "Schlaflos in Dörresheim" habe ich aber bewusst die Beziehung dieses Mal am Schluss des Buches nicht enden lassen ....
F: Tragenden Rollen kommen auch Jupps Freunden zu, dem Imbissbuden-Besitzer Käues und dem Ex-Polizist "Al" Meier, die ihn bei seinen Ermittlungen unterstützen. In welchen Berufsgruppen finden sich Ihre Freunde?
A: Da haben wir einen Psychologen, einen Drehbuchautoren, einen Journalisten, einen Banker, einen Elektriker und meine Brüder, die sind Sachbearbeiter und bei der Telekom.
F: Oft liegen den Kriminalfällen in Ihren Romanen, sagen wir mal, eher "skurrile" Ereignisse zugrunde. Sind diese einzig und allein Frucht Ihrer Phantasie oder basieren sie auf realen Begebenheiten?
A: Der deutsche Krimi ist zuweilen erstaunlich humorlos, da sind die Grotesken schon bewusst gewählt. Doch erstaunlich viel ist real und ganz und gar nicht überzogen. So hat sich der Unfall in "Das Doppeldings" in der Tat seinerzeit einmal so ereignet und auch den berühmten "Föttschesföhler" aus "Schlaflos in Dörresheim" gibt es laut Stammtischgesprächen wirklich irgendwo in der Eifel. Hat man mir erzählt als wir alle schon sternhagelvoll waren. Und wie wir alle wissen: Betrunkene und Kinder sagen immer die Wahrheit.
F: Dürfen wir uns auf weitere "Fälle für Schmitz" freuen oder wird es in Ihren nächsten Büchern eine ganz neue Hauptfigur geben?
A: Wie ich eben schon sagte habe ich mit dem 4. Jupp-Schmitz-Band die Liebesbeziehung erstmals nicht scheitern lassen und lasse einmal offen, ob es weitere Eifel-Krimis geben wird. Ich habe noch ein nicht-kriminalistisches Manuskript für das ich hoffe, einen Verleger zu finden. Ich möchte gerne möglichst viel probieren und herausfinden, was ich kann und was nicht.
F: Steht eine Verfilmung an? Wenn ja, wie würde Ihre ganz persönliche Traumbesetzung aussehen?
A: Es stand in der Tat vor ca. 3 Jahren die Verfilmung von "Jede Menge Seife" als Kinofilm an. Ich hatte auch schon das Drehbuch geschrieben als der Präsident des Verleihs verschwand, der Verleih von Pro Sieben aufgekauft wurde und alles im Archiv auf Nimmerwiedersehen verschwand. Ich werde die Rechte irgendwann zurückkaufen - und dann mal sehen.
Meine persönliche Traumbesetzung von "Jupp Schmitz" war einmal Christoph M. Orth. Aber in einer Rezension eines meiner Bücher las ich einmal, die Idealbesetzung für Schmitz sei Dieter Landuris und den würde ich mir jetzt auch wünschen.
F: Sie arbeiten als Autor von Kriminalromanen UND Drehbüchern. Wie unterscheiden sich in den beiden Berufen Denk- und Arbeitsweise von der Idee bis zum fertigen Buch?
A: Als Prosa bzw. Krimi-Autor hat man natürlich alle Freiheiten und ist auf sich gestellt - da bedarf es dann nur noch der Absprache mit der Lektorin.
Als Drehbuchautor muss man schon sehr selbstbewusst in diesem Imagegeschäft an die Auftragsarbeit herangehen, man muss sich gekonnt und gut verkaufen können und eine gewisse Portion Kaltschnäuzigkeit mitbringen. Und noch eins: TV-Geschäft ist kein Kindergeburtstag! Bussi hier und Bussi da ... und gleichzeitig stecken wir uns hinterrücks die Messer in die Rücken. Zwar wird immer lauthals nach frischem Autorenblut gerufen, aber es wird diesen Neuen sehr, sehr schwergemacht, Fuß zu fassen. Man muß hartnäckig sein und damit rechnen, dass man erst mal beschissen wird. Später ändert sich das .. aber nur, weil man mittlerweile gelernt hat, Verträge zu lesen.
Trotzdem macht die Arbeit Spaß und die Schecks stimmen fröhlich. (Wer sich von Prosa ernähren will, muss in Deutschland leider verhungern.)
F: Da es sich bei uns um eine Internet-Publikation handelt, bitten wir an dieser Stelle um Ihren ganz persönlichen Surftipp.
A: www.criminale.de
oder
www.das-syndikat.com.
F: Und zum Abschluss dürfen Sie jetzt noch alles das loswerden, was sie unseren Lesern immer schon mal mitteilen wollten.
A: Ich habe die o. g. Surftipps genannt, damit sich der Leser dort einmal ein Bild und einen Überblick über die junge Generation der deutschen Krimi-Autoren machen kann, die wirklich den internationalen Vergleich nicht zu scheuen brauchen und sich messen können. Richtungweisend werden da Autoren wie Horst Eckert, Maeve Carels oder Rebecca Gablé werden.
Die jungen deutschen Autoren verdienen eine Chance!
Meine Botschaft: Kauft! - und gebt dem deutschen Krimi eine Chance.
WIR DANKEN FÜR DIESES GESPRÄCH
Mit Herrn Izquierdo sprach unsere Redakteurin Andrea Woerdehoff.
(Irgendwo in der Eifel, 4. März 2001)
(Foto: Jürgen Siegmann)
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