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Zunächst einmal: In Ihrer ersten Serie steht eine weibliche Protagonistin im Mittelpunkt. Wie kam es zu dieser Entscheidung?
Zum Zeitpunkt, als ich meinen ersten Roman schrieb, gab es eigentlich fast ausschließlich nur männliche Ermittler, daher dachte ich mir: „Jetzt nimmste ‚ne Frau!“
Mittlerweile gibt es ja eine zweite Serie und da geht es schwerpunktmäßig um einen männlichen Hauptkommissar. Wie kam das?
Diese Frage ist ganz einfach zu beantworten: Ich wurde vom Verlag gefragt, ob ich bereit wäre, eine zweite Reihe zu schreiben. Und da fiel mir ganz spontan, noch während des Meetings, Offenbach als Schauplatz ein.
Seit 1996 darf Julia Durant ermitteln – jetzt (2006) hat sie das schon in acht Fällen getan. Wie hat sich der Charakter in diesen Jahren weiterentwickelt?
Tja, wie hat sich ihr Charakter weiterentwickelt?
Ihre Plots gehen fast immer auf „wahre Begebenheiten“ zurück. Wie finden Sie diese?
In der Regel durch Erzählungen von Polizeibeamten, die sich nicht selten den Frust von der Seele reden und von Fällen berichten, die ihnen persönlich nahe gegangen sind, die Beamten aber häufig durch Weisung von oben an weiteren Ermittlungen gehindert wurden. Die Gründe dafür kann man sich vielleicht vorstellen.
Immer wieder prangern Sie die Verstrickung hoher und allerhöchster Persönlichkeiten aus Politik und Gesellschaft in finstere Verbrechen an. Wie sind die Reaktionen darauf? Also einerseits von Seiten der Leser (also den Vertretern des „gemeinen Volkes“, das sich so etwas schon immer gedacht hat ;-) und andererseits von „offizieller“ Seite?
In der Regel sind die Reaktionen seitens der Leser, von denen sehr viele bei der Polizei arbeiten, positiv, weil die Leser wohl spüren, dass da endlich mal jemand ist, der sich traut, Dinge auszusprechen, die andere nicht einmal zu denken wagen.
Wie gefährlich ist es, an tatsächlich existierenden Schauplätzen über Dinge zu schreiben, die sich so oder so ähnlich zugetragen haben bzw. noch zutragen (könnten) Vor allem, wenn Sie so ungeniert Ross und Reiter nennen – also speziell in Bezug auf das Organisierte Verbrechen, das regelmäßig eine Rolle spielt in Ihren Büchern?
Ich denke, ich kann noch ganz gut abschätzen, wie weit ich mich aus dem Fenster lehnen darf, ohne gleich erschossen zu werden „grins“. Allerdings gebe ich zu, schon einige eindeutige Drohungen erhalten zu haben, aber noch kann ich eine direkte Gefahr für meins und das Leben meiner Familie nicht erkennen.
Doch nicht nur „im Großen“ greifen Sie auf real existierende Fälle (wenn nicht sogar Figuren) zurück.
Es ist ein Unterschied, ob ich jemanden karikiere oder mich gehässig über eine Person auslasse.
Noch ein Schritt weiter – sozusagen von außen nach innen: Sie haben als Kind häusliche Misshandlung erlebt – Ihre Frau Gewalt in der (ersten) Ehe. Darüber sprechen Sie und darüber schreiben Sie auch.
Ich habe diese sehr persönlichen Erfahrungen bewusst an meine Leser weitergegeben, um zu zeigen, dass hinter dem Autor Andreas Franz auch nur ein Mensch mit einer Vergangenheit steckt.
Sie bedanken sich explizit bei den Polizisten, die Sie bei Ihren Büchern (fachlich) unterstützt haben. Wie haben Sie diese Experten gefunden? Und wie sieht deren Hilfe aus – dürfen Sie schon mal bei einem Einsatz mitfahren oder einem Verhör beiwohnen?
Alles begann mit „Jung, blond, tot“, als ich von Kripobeamten gefragt wurde, ob ich ein Kollege sei, der unter Pseudonym schreibt.
Würde Sie das reizen?
Natürlich würde mich das reizen, aber es ist wahnsinnig schwer, bei so etwas dabei zu sein. Da wird ja über Interna gesprochen und der Mensch, der im Verhörraum sitzt, steht unter „dringendem Tatverdacht“, da will sich die Polizei natürlich nicht in die Karten sehen lassen.
Sie haben selbst einmal einen Mörder kennen gelernt (und die Geschichte in „Jung blond tot“ verarbeitet), mit dem Sie sich sogar anfreundeten (ohne natürlich von seinen Taten zu wissen).
Ohne meine Freundschaft mit einem Serienkiller wäre ich vielleicht nie zum Schreiben gekommen, denn viele Jahre später interessierte ich mich für seinen Fall und was aus meinem Freund geworden ist.
In den nächsten Tagen - also im März 2006 – erscheint Ihr neuer Roman, erstmalig als Hardcover: „Unsichtbare Spuren“. Nicht nur gibt es da wieder einen ganz neuen Protagonisten, Hauptkommissar Sören Henning von der Kripo Kiel, sondern Sie verlassen erstmals auch ihr „angestammtes Hessenland“. Was war der Grund dafür? Haben Sie genug von Frankfurt, Wiesbaden, Offenbach?
Nein, ich habe nicht genug von Frankfurt, Wiesbaden und Offenbach. Der Grund liegt einfach darin, dass ich in „Unsichtbare Spuren“ die wahre Geschichte eines mittlerweile verurteilten Serienkillers verarbeitet habe, dessen Taten auf reinen Zufällen beruhen.
Zwei sehr erfolgreiche Serien haben Sie bereits auf den Weg gebracht – bildet „Unsichtbare Spuren“ den Auftakt für eine dritte Reihe – oder wird der Kieler Ermittler zunächst nur in diesem einen Roman zeigen dürfen, was er drauf hat?
Wir werden sehen, was passiert. Mir sind beim Schreiben die beiden Protagonisten Sören Henning und Lisa Santos dermaßen ans Herz gewachsen, dass ich mir schon vorstellen könnte, sie in einem weiteren Fall ermitteln zu lassen.
Julia Durant, Peter Brandt, jetzt Sören Henning … Wie gelingt es Ihnen, diese unterschiedlichen Romanwelten mit ihren ganz verschiedenen Protagonisten gedanklich abzugrenzen?
Das ist für Außenstehende vielleicht nicht ganz nachzuvollziehen, aber bei jedem Roman tauche ich eine ganz spezielle Welt ein. Wenn ich, wie jetzt, über Sören Henning und Lisa Santos schreibe, dann gibt es keine Julia Durant und keinen Peter Brandt. Sie sind einfach nicht existent, erst wieder in einem Roman, in dem sie die Hauptrolle spielen.
Und warum ist es Ihnen wichtig, mehrere Reihen zu haben – Sie könnten sich ja auch, wie es viele renommierte, gerade englische oder amerikanische, Autoren tun, auf einen Helden und seine Fälle beschränken?
Weil ich immer wieder neue Ideen habe und bekomme und ich nichts mehr hasse als Monotonie. Immer nur ein Ermittler, wie langweilig. Für mich.
Wenn die gute Fee käme und Ihnen die Möglichkeit gäbe, für ein paar Tage ein komplett anderer Mensch zu sein, für welchen Beruf würden Sie sich entscheiden? „Echter“ Polizist? Absolut integrer Richter? Unbeeinflussbarer und unangreifbarer Staatsanwalt? Einflussreicher Chefredakteur eines bedeutenden TV-Senders oder Print-Magazins? Oder für etwas ganz anderes?
Ich möchte kein echter Polizist sein, denn es ist oft eine Knochenmühle und frustrierend. Und in einer virtuellen Welt mag es vielleicht absolut integre Richter und Staatsanwälte geben … Und die Medienlandschaft ist derart korrupt und manipulativ, dass ich auch da keine Chance für mich sehen würde.
Spielen Sie noch?
Ja, unten im Keller (lacht). Aber auf jeden Fall kann ich es noch. Und wenn mich jemand fragen würde, ob ich für ein Benefizkonzert mit einer „Kriminaler“-Band auf die Bühne ginge, dann täte ich das sofort.
Ach ja, noch eine Anmerkung, die mir sehr wichtig ist:
Herzlichen Dank für die Beantwortung der Fragen!
(Foto: FinePic)
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