Herr Lutz, als ich den Titel "Gromek" zum ersten Mal las, musste ich an ein bulgarisches Bohnengericht denken. Wie kamen Sie auf den ungewöhnlichen Namen Ihres Helden?
Die Antwort fällt leider wenig kulinarisch aus, da die Namenswahl einen cinematographischen Hintergrund hat: In dem Hitchcock-Klassiker "Der zerrissene Vorhang" ("Torn Curtain") aus dem Jahr 1966 stolpert Paul Newman durch die damalige DDR, um einem Wissenschaftler eine Formel abzujagen. Ein Stasi-Offizier namens Hermann Gromek - schön fies gespielt von Wolfgang Kieling - wird ihm als Aufpasser zur Seite gestellt. In einer minutenlangen und gänzlich dialogfreien Szene wird der lästige Stasi-Mann von Paul Newman schließlich in der Küche eines Bauernhofes aus dem Weg geräumt.
Als ich mich daran machte, den Roman zu schreiben, war völlig klar, dass mein Protagonist Gromek heißen würde. Frei nach dem Motto: Was Altmeister Hitchcock recht war, kann mir nur billig sein.
Nein, im Ernst: Der Name hat die nötige Härte und Knappheit, die die Figur braucht, um glaubwürdig zu wirken.
Eigentlich ist Michael Gromek ja ein Mörder, ein Killer. Im Roman wird er jedoch als sympathischer Mensch dargestellt, ebenso wie seine Kollegin Lisa-Marie Delius.
Ist da beim Leser ein Konflikt nicht vorprogrammiert?
Grundsätzlich: Konflikt ist interessant.
Ohne Konflikt keine Story.
Und warum nicht auch beim Leser?!
Meine beiden Hauptfiguren Gromek und Lisa töten nicht aus eigener Motivation heraus, wie es die klassischen Mörder in der großen Mehrzahl der auf dem Markt befindlichen Kriminalromane tun.
Also gerade eben nicht aus sogenannten niederen Beweggründen wie Habgier, Rachsucht, Eifersucht oder dergleichen. Nein, Gromek und Lisa eliminieren im Auftrag eines fiktiven bundesdeutschen Geheimdienstes sogenannte Feinde des Staates. Sie sind lediglich Befehlsempfänger, die auf Anweisung von anderen ausgewählte "Zielobjekte" töten.
Um die Sache auf die Spitze zu treiben, habe ich Gromek einen Ex-Beamtenstatus verliehen, wohingegen Lisa nach wie vor Beamtin ist. Dem Leser wird aber schon bald klar, dass die beiden weder zur Kategorie der üblichen Mörder noch zu der der gewöhnlichen Beamten gehören. Ganz im Gegenteil: Gromek und Lisa sind Opfer einer Ideologie, kleine Rädchen in einem sehr großen und sehr unübersichtlichen Getriebe. Beide Figuren erkennen im Laufe der Handlung ihre individuelle Position immer deutlicher und stellen sich schließlich gegen diejenigen, die sie benutzen, also die eigentlichen Bösen.
Genau diesen Prozess - hoffe ich zumindest - machen meine Leser mit und werden dadurch auch eine andere Einstellung zu meinen Protagonisten entwickeln als zu den Mördern anderer Kriminalromane. Auch wenn diese Einstellung vielleicht nicht ganz widerspruchslos bleibt, was dem Thema ja durchaus angemessen wäre.
Gromek ist Ihr Debut als Autor. Wie kamen Sie zum Schreiben?
Schon im Deutschunterricht in der Schule hatte ich ein Abonnement auf die 1er und 2er, die mir zum Ausgleichen der Mathe-Noten gerade recht waren.
Als dann - zunächst als Hobby - die Fotografie dazukam, fing ich an, Artikel in Fotofachzeitschriften zu veröffentlichen. Das muss in der zehnten, elften Klasse gewesen sein.
Kurz zuvor hatte ich noch Kameramann werden wollen, begann dann aber, Kommunikationsdesign zu studieren. Während meines Studiums habe ich dann für ein in Süddeutschland erscheinendes Zeitungssupplement allerlei Reportagen im In- und Ausland gemacht.
Einige Zeit danach, also ungefähr Anfang 1995, las ich in der Stuttgarter Zeitung eine Meldung über ein Drehbuch-Wochenendseminar. Das war einer dieser merkwürdigen Momente, in denen sich irgendwo im Inneren mit einem kräftigen "Poing!" ein imaginärer Schalter umlegt. Danach ist nichts mehr wie vorher, und mir war klar: Da muss ich hin. Unbedingt!
Schließlich war es dann so, dass das Seminar beinahe wegen mangelnder Beteiligung abgesagt worden wäre, hätte ich nicht in letzter Sekunde einen Bekannten überreden können, sich gleichfalls anzumelden ...
Inzwischen habe ich zusammen mit drei Kollegen, die ich noch aus dieser Zeit kenne, ein Autorenteam gegründet und teile mir mit ihnen ein Büro im Film- und Medienzentrum Ludwigsburg.
Hatten Sie beim derzeitigen Überangebot an Autoren Probleme, einen geeigneten Verlag zu finden?
Generell ist es so, dass Verlage nicht nach einem genialen Manuskript Ausschau halten, sondern nach Autoren, mit denen in jahrelanger Zusammenarbeit auch ein entsprechendes Output aufgebaut werden kann. Zudem müssen die Werke dieser Autoren in ein bereits vorhandenes Schema passen. Da haben Einzelwerke schon von vornherein keine großen Chancen.
In meinem Fall kommt hinzu, dass "Gromek - Die Moral des Tötens" ein politischer Stoff ist. Die Reaktion vieler Lektoren kann man sich lebhaft vorstellen: Eine bundesdeutsche Behörde lässt Menschen töten - ja, wo gibt es denn so etwas ... ?!
Gibt es natürlich. Man denke nur an einen gewissen Gentleman, der seit Jahrzehnten "Im Auftrag Ihrer Majestät" auf allen Kontinenten, unter Wasser und sogar im Weltraum die Menschheit immer wieder vor dem Untergang rettet.
Aber wir sind ja im ängstlich-ordentlichen Derrick-Deutschland, und an diesem Tatort ticken die Uhren in mancherlei Punkten immer noch ganz anders als im angelsächsischen Raum.
Leider!
Selbstverständlich hatte ich also meine Schwierigkeiten. Ich musste Dutzende von Verlagshäusern - große, mittlere, kleine - anschreiben, ehe ich mich nach rund zwei Jahren zwischen zwei relativ jungen Verlagen entscheiden konnte.
Und warum gerade ein Kriminalroman?
Ich bin Science-Fiction-Fan. Alien, Bladerunner, Der Wüstenplanet, Matrix, Starship Troopers, Terminator und die drei Episoden von Krieg der Sterne aus den 70er Jahren sind meine Favoriten.
Aber das Genre reizt mich nur vom Kinosessel aus. Jede Zukunftswelt hat ihren ganz besonderen Reiz, aber letztendlich ist das etwas für Eskapisten.
Dasselbe trifft auf Fantasy zu, wo vor mythisch-legendärem Hintergrund die archetypischen Ängste und Hoffnungen der Menschen Gestalt annehmen. Interessant und oft bildgewaltig, für mich aber, genau wie die Science-Fiction, nicht nah genug an der Peripherie der eigenen Wirklichkeit.
Komödien wiederum stecken unzweifelhaft mitten im Leben, befriedigen mich aber auch nicht, weil sie in letzter Konsequenz immer harmlos bleiben, einer schwierigen Frage nie wirklich auf den Grund gehen, auch wenn ich es mir verflixt schwierig vorstelle, eine Komödie zu schreiben.
Dramen machen mich depressiv.
Mit Schicksals- und Liebesromanen kann ich beim besten Willen nichts anfangen ... also Krimi - bedrohlich und faszinierend zugleich durch die Nähe zur eigenen Realität.
Dabei ist mein Ziel immer noch, meine Leser zu unterhalten. Etwas, das man ja in Deutschland eigentlich nicht sagen darf: Hier wird immer noch streng zwischen so genannter U- und E-Literatur unterschieden. Weniger von den Lesern, um die es ja eigentlich gehen sollte, sondern in erster Linie von Kritikern, Lektoren und anderen Branchen-Profis.
Jedenfalls - mich reizen nicht die Katastrophen einiger weniger in ihren privaten vier Wänden, sondern das, was im Verborgenen in den Büros einflussreicher Institutionen geschieht.
Wenn zum Beispiel die Regierung der früheren DDR beschließt, Tausende von "Offizieren im besonderen Einsatz" in die BRD zu entsenden, um Politiker auszuhorchen oder Sabotageaktionen für einen eventuellen Krieg vorzubereiten, ist das für mich um ein Vielfaches interessanter als ein Mord aus Eifersucht oder wegen Spielschulden.
Werden Sie dem Thema Spionage treu bleiben oder wollen Sie auch einmal das Genre wechseln?
Ja, ich denke schon.
Das Thema Spionage fesselt mich immer wieder, vor allem dadurch, dass die entsprechenden Institutionen über dem Gesetz stehen. Juristisch gesehen natürlich nicht, aber praktisch durchaus.
Es gibt da ein wirklich empfehlenswertes Sachbuch von Andreas von Bülow mit dem Titel: "Im Namen des Staates - CIA, BND und die kriminellen Machenschaften der Geheimdienste" (Piper, 1998). Der Autor war 25 Jahre Mitglied des Bundestags und gehörte zeitweilig der Parlamentarischen Kontrollkommission für die Geheimdienste an.
In seinem Buch geht es dann auch munter zur Sache. Da ist von Waffenhandel die Rede, von High-Tech-Schmuggel, usw. usf. Dagegen ist jeder Bankräuber so spannend wie die x-te Wiederholung einer deutschen Krimiserienfolge.
Folgerichtig sitze ich auch zur Zeit an einem Manuskript, in dem es um das Stehlen von Zukunftstechnologie im sonnigen Silicon Valley geht ...
Ist bei "Gromek" alles recherchiert, alles erfunden, oder hatten Sie Berater mit Insiderwissen?
Je weniger man die Welt, über die man schreibt, aus eigenem Erleben kennt, um so genauer muss man recherchieren, denn Authentizität ist der Schlüssel zur Glaubhaftigkeit. Und nur Glaubhaftigkeit ermöglicht Spannung.
Es mag vielleicht den einen oder anderen überraschen, aber das Recherchieren über das Thema Spionage/Geheimdienste ist gar nicht so schwierig, wie man vielleicht vermuten könnte. Eine Reihe ehemaliger ausländischer Agenten haben Autobiographien veröffentlicht und auf diese Weise Einblicke erster Güte geliefert.
Fachliteratur ist tatsächlich in großer Menge verfügbar, sowohl von deutschen Fachautoren wie von ausländischen. Und wer über einen Internet-Zugang verfügt, braucht lediglich www.cia.gov oder www.bundesnachrichtendienst.de einzugeben, und er hat sofort die Männer mit den Sonnenbrillen auf dem Monitor.
Was die Story von "Gromek - Die Moral des Tötens" angeht, die ist frei erfunden.
Die Grundidee war: Was passiert, wenn Geheimdienst-Agenten - Kollegen - aufeinander angesetzt werden und sich gegenseitig liquidieren sollen?!
Und das nicht in Paris, London, Moskau, Tel Aviv oder Washington, sondern im heutigen Berlin. Derrick hin oder her.
Sind Sie auch einer dieser Zwangsschreiber, die innerlich getrieben werden zu schreiben?
Die sich freiwillig in einer Kammer vergraben und erst nach Wochen erschöpft, ausgemergelt und halb verhungert mit dem fertigen Manuskript nach draußen an die frische Luft kriechen?
Nein, dummerweise bin ich das genaue Gegenteil davon.
Alfred Hitchcock soll einmal geäußert haben, dass er es zuweilen als ziemlich mühselig empfunden habe, die Geschichte, wenn er sie im großen und ganzen im Kopf beisammen hatte, auch noch aufzuschreiben. Zusätzlich musste Hitchcock seine Geschichte noch verfilmen.
Ein kleiner Trost für mich ... Vielen meiner Autorenkollegen scheinen die Geschichten nur so aus der Feder zu fließen. Bei mir ist das - leider, leider - nicht der Fall. In jeder von mir produzierten Seite steckt eine gehörige Portion Fleiß, und das wird wohl auch so bleiben.
Denkt man bei einem solchen Thema auch schon an mögliche Drehbücher, Filmrechte, etc.?
Der Aspekt Urheber- und Nebenrechte ist aktueller denn je. Zwischen Autoren, Agenten, Verlegern, Produzenten und Sendern findet zur Zeit ein bisher nie da gewesenes Gerangel um diese Rechte statt. Da wird geschachert, gefeilscht und getrickst - mit Klauen und Zähnen.
Zufälligerweise war die erste Version von "Gromek - Die Moral des Tötens" ein ausführliches Filmtreatment, aus dem dann der Roman entstanden ist. So war hier das Thema Verfilmung von Anfang an gegenwärtig.
Stand der Dinge ist übrigens, dass ein in München ansässiger Kino-Regisseur ganz explizit sein Interesse an der Übernahme der Regie bekundet hat. Mehr wird im Moment nicht verraten, denn das brächte bekanntlich Unglück ...
Wer könnte Michael Gromek spielen? Wer Lisa Marie Delius?
Deutsche Schauspieler? Amerikanische?
Lange hatte ich auf diese Frage keine Antwort. Ich wusste nur, dass die "üblichen Verdächtigen", auf die ich immer wieder angesprochen wurde, nicht meinen Vorstellungen von Gromek und Lisa entsprachen.
Inzwischen habe ich für die beiden Hauptfiguren Wunschschauspieler im Kopf. Nur wird das leider im Falle einer Verfilmung keinerlei Auswirkung auf die tatsächliche Besetzung haben. Ob in Deutschland oder in Hollywood - als Autor hat man grundsätzlich keinen Einfluss auf die Besetzung eines Films. Das Festlegen der Schauspieler ist eine Domäne von Produzent und Regisseur, im Falle einer TV-Adaption entscheidet zusätzlich noch die Redaktion des auftraggebenden Senders mit.
Wird es weitere Romane mit Michael Gromek und Lisa-Marie Delius geben? Vielleicht eine richtige Serie?
Ich habe Ideen und Recherchematerial für weitere zwei Romane.
Eine Gromek-Serie wäre also durchaus denkbar.
Aber bevor ich mich dahingehend engagiere, möchte ich abwarten, wie dieser erste Roman und die beiden Hauptfiguren vom Leser angenommen werden. Bei entsprechender Resonanz stünde einer Fortsetzung nichts im Wege.
Ist für Sie in der heutigen Zeit ein Nachrichtendienst wie der von Ihnen beschriebene BSD (Bundessicherheitsdienst) denkbar?
Bis vor wenigen Monaten waren alle Geheimdienste dieser Welt, abgesehen von den Diensten in der Region des Nahen Ostens, in einer Art Existenzkrise. Ihnen schienen die Aufgaben abhanden gekommen zu sein. Stellenabbau war ein Thema und die Frage "Brauchen wir eigentlich noch Geheimdienste?" wurde angesichts des lange beendeten Kalten Krieges heiß diskutiert.
Dann brach der 11. September 2001 über uns alle herein ...
Es ist eine Sache, einen Thriller zu schreiben, in dem Agenten Feinde des Staates eliminieren.
Eine ganz andere Sache ist es, dies auf die Realität zu übertragen. Denn nach meinem Verständnis hat das Schreiben von Geschichten und das Produzieren von Filmen immer damit zu tun, eine Welt zu schaffen, die eben gerade nicht eins zu eins der Realität entspricht.
Eine Welt, in der man solche Themen durchspielen kann. Ein Gedankenspiel auf Papier oder Zelluloid.
Konkret auf Deutschland - und die gegenwärtige deutsche Regierung - bezogen, ist ein solcher Geheimdienst für mich daher an sich nicht denkbar. In einer ganzen Reihe anderer Staaten, auch in Europa, könnte ich mir das aber durchaus so oder so ähnlich vorstellen.
Sie sind studierter Kommunikationsdesigner und leben in Stuttgart. Woher nimmt man im beschaulichen Schwaben die kriminelle Energie für so einen harten Roman?
Diese Frage kann nur jemand stellen, der hier schon einmal gelebt hat, unter der strengen Aufsicht seiner betagten schwäbischen Nachbarinnen die Treppe putzen musste - und es natürlich grottenfalsch gemacht hat. Sprich: nicht am Samstagmorgen um 7.30 Uhr auf allen Vieren und mit 'ner ausgedienten Unterhose als Wischmob in der gummihandschuhfreien Hand inbrünstig schrubbend durchs Treppenhaus gerobbt ist ...
In der Tat ein echtes Problem. Da treffen Welten aufeinander, was sage ich - Abgründe, Planeten ...
Obendrein ist man ständig von diesem breiten Bruddel-Dialekt (schwäb. "bruddeln": schimpfen, meckern) umgeben, was die Laune auch nicht unbedingt hebt.
Hätte Baden-Württemberg eine andere Religion als die Kehrwoche und gäbe es hier nicht scharenweise leidenschaftliche, meist bereits ergraute Anhängerinnen dieses Glaubens, die nichts so sehr in Ehren halten wie ihr Putzfix-Diplom - die Gegend wäre ein echter Geheimtipp!
Das Schöne an Stuttgart ist seine Umgebung: ausgedehnte Wälder, sanft geschwungene Weinberge, Felder und Wiesen, hin und wieder ein netter kleiner See. Ausflugsziele wie die Schwäbische Alb, das Remstal oder der Schwarzwald liegen quasi vor der Haustür.
Nutzt aber alles nix: Die Auswanderung in die Heimat meiner Frau - Hamburg - ist bereits beschlossene Sache. Denn - heilix Blechle! - hier im Ländle bleibt man auf Dauer nur dann kreativ, wenn man denselben Killerinstinkt wie Gromek und Lisa besitzt.
Andererseits: Wer es im Hauptquartier der Schwaben, also in Stuttgart, schafft, der schafft es überall.
Gell, da glotzscht bled aus d'r Wäsch!
Sie selbst und Ihr Roman werden auf Ihrer Homepage Seite (www.gromek.de) vorgestellt.
Da stellt sich natürlich die Frage, wie viel von der Seite Sie selbst gemacht haben ...
Schon vergessen?! Ich bin Schwabe!
Die Homepage habe ich von vorn bis hinten selbst zusammengebastelt. Das hat mich volle zwei Wochen gekostet (und Nerven für fünf Jahre).
Seit das Ding endlich im Netz steht, bin ich aber vollkommen glücklich damit. Für mich ist die Homepage so etwas wie eine überdimensionale Visitenkarte und Gesprächsgrundlage, die schnell und unkompliziert und übrigens auch weltweit funktioniert - ich hatte sogar schon Besucher aus Japan und Kanada.
Werden denn heutzutage Ihrer Meinung nach im Internet überhaupt noch (oder schon?) genügend Seiten nach kommunikativen Gesichtspunkten erstellt?
Kürzlich habe ich gelesen, dass es vier Milliarden Internetseiten im Web geben soll. Und täglich kommen Tausende dazu. Da ist es schlicht unmöglich, den Überblick zu behalten, selbst wenn man sich auf ein einzelnes Fachgebiet konzentriert.
Auch kursieren diverse Auffassungen davon, was unter "kommunikativen Gesichtspunkten" zu verstehen ist und was nicht. Meine Erfahrung mit Kommunikation im Netz ist allgemein die, dass in Foren und besonders in Chats oft weder besonders durchdachte noch besonders tiefschürfende - oder eben informative - Beiträge ausgetauscht werden.
Es gibt sicher viele Seiten, die ihre Inhalte wirklich ansprechend kommunizieren, ebenso, wie es viele Seiten gibt, auf die das absolut nicht zutrifft - im privaten wie im fachlichen Bereich.
Eine prozentuale Gewichtung kann ich da allerdings nicht vornehmen. Wie gesagt - ein schwer überschaubares Gebiet.
Sollte denn im Web mehr das Design oder mehr der Inhalt eine Rolle spielen?
Da kann ich weder das eine noch das andere vorziehen. Die Qualität des Designs und die des Inhalts sollten eine Site schon in gleichem Maße auszeichnen. Nicht umsonst bestehen auch Tageszeitungen und Illustrierte seit vielen Jahrzehnten zu einem nicht unwesentlichen Teil auch aus Fotos, Grafiken und Tabellen.
Was nützt mir das schönste Design, wenn es nur Blendwerk ist und ich nach dem Genuss von lauter Schall und Rauch hinterher genauso schlau bin wie vorher - oder nicht einmal mehr das?!
Andererseits: Was habe ich von der informativsten Homepage, wenn sie mich derartig an eine graue Bleiwüste erinnert, dass ich verärgert kapituliere, lange bevor ich die gesuchte Information aus einem Wust von anderen Informationen heraussieben konnte?!
Recherchieren Sie nur im Web oder surfen Sie auch privat?
Ich bin täglich im Netz. Da können sich Berufliches und Privates ziemlich schnell vermischen. Zu meiner Homepage z.B. habe ich schon lange keine rein berufliche Beziehung mehr - sie ist inzwischen auch ein Hobby geworden, ein richtiges "Lieblingskind" von mir, mit dem ich mich durchaus hin und wieder bis in die Nacht hinein beschäftige.
Und natürlich macht das Surfen irgendwo süchtig: Jede neue Site ist von der letzten nur einen Mausklick entfernt.
Faszinierend und erschreckend zugleich.
Wenn ja, wo genau?
Mindestens drei Mal täglich rufe ich die Site der Fachzeitschrift "Blickpunkt:Film" (www.blickpunktfilm.de) auf. Wer sich professionell für den nationalen und internationalen Kino- und TV-Film interessiert, ist hier bestens aufgehoben.
Ab und an schaue ich auch bei meinen Kollegen vom SYNDIKAT (www.das-syndikat.com) vorbei und sehe nach, was es im Krimi- und Thriller-Bereich an Neuigkeiten gibt.
Schließlich gibt es immer wieder neue Möglichkeiten, sich über diese oder jene Einzelheit für eine Story schlau zu machen - unmöglich, das alles hier zu nennen.
Noch einen Schlusssatz?
Mit deftigem bulgarischem Bohneneintopf kann "Gromek - Die Moral des Tötens" zwar nicht dienen, dafür aber beim Frühstück auf Seite 161 unten mit bestem heimischem Schweinepopo.
In diesem Sinne: Bon Appetit!
Vielen Dank für das Gespräch.
Das Interview führte unser Redakteur Robert Herbig für seine Seite www.sagmal.de .
(Dezember 2001)
(Foto: Silja Bracklow)