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Der Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung unseres Redakteurs Robert Herbig, der das Interview im Januar 2006 auf seiner Seite www.sagmal.de abdruckte. Geführt wurde das Gespräch von Ulrike Renk.
Oliver Buslau schrieb bisher sechs Kriminalromane. Fünf davon handeln von dem Wuppertaler Privatdetektiv Remigius Rott, ein weiterer Krimi, "Schängels Schatten" (2003), spielt am Mittelrhein.
Dein neuester Krimi „Bei Interview Mord“ ist gerade bei Emons erschienen. In deinem Weblog kann man die Entstehung seit März 2005 verfolgen. Planst du deine Bücher immer so genau?
Ich fange immer erst an zu schreiben, wenn ich die Story kenne. Sonst fehlt mir einfach der Biss. Ich muss was zu erzählen haben. Außerdem vermeide ich so, dass der Roman unterwegs eingeht oder furchtbar intensiv überarbeitet werden muss. So was ist mir früher öfter passiert. Und es ist für den kreativen Motor immer gut, klare Terminvorgaben zu haben.
Der Terminplan war aber äußerst knapp. Wenn das Abgabedatum naht, arbeitest du dann Tag und Nacht? Workaholik?
An all meinen Projekten arbeite ich regelmäßig täglich eine bestimmte Zeit. Ich versuche mich nicht zu verausgaben, schreibe auch nicht wild drauflos, sondern höre recht schnell wieder auf. Ich bin mehr ein Sprinter als ein Marathonläufer.
Dadurch dass du real existierende Personen aus dem Bergischen Land mit in den Krimi einbezogen hast, hast du eine ganz spezielle Art von Regio-Krimi geschaffen. Wird es weitere Projekte dieser Art geben?
Bestimmt. Früher habe ich reale Menschen nur verquast und mit mehr oder weniger leicht verfremdeten Namen eingebaut. Das Projekt „Bei Interview Mord“ hat mir aber gezeigt, dass in wirklichen Menschen viel Potenzial für eine Geschichte steckt. Was da an Details kommt, kann man sich oft gar nicht ausdenken.
Dann machst du diese Personen also zu Knotenpunkten, um die Handlung „echter / realer“ werden zu lassen?
Das könnte man so sagen. Die Personen bringen ja ein Umfeld mit – Schauplätze, für sie interessante Themen, Berufe. Diese Elemente machen sorgen dann für noch mehr „Realität“.
War es schwer echte Menschen in die Handlung einzubauen?
Im Gegenteil. Wenn ich mir einen Krimi ausdenke, gehe ich eh immer von den Figuren aus. Ohne Figuren gibt es ja keine Handlung. Und so empfinde ich es als Erleichterung, wenn ich Vorgaben habe. Im Grunde habe ich das sonst übliche Regio-Element Schauplatz um das Element Personen erweitert.
Dies ist ein weiterer Fall von Remigius Rott. Wird es noch weitere Bücher mit ihm geben?
Klar. Ich arbeite schon an einer neuen Idee, übrigens verbunden mit einem ganz interessanten bergischen Schauplatz. Mehr sage ich dazu nicht. Erst wird es aber einen Krimi ohne Rott geben, der in Bonn spielt. Ich bin gerade dabei, die erste Fassung zu überarbeiten. Die Veröffentlichung ist für den nächsten Herbst geplant.
Man sagt immer, der Autor verarbeitet immer ein wenig von sich in seinen Figuren. Siehst du das auch so?
Sicher. Man muss sich ja in die Figuren hineinversetzen. Man muss sich vorstellen: Wie würdest du in dieser oder jener Situation handeln? Wie war das, als du selbst diesen oder jenen Konflikt erlebt hast? Trotzdem muss man sich davor hüten, autobiografisch zu werden.
Was von dir steckt in Remigius Rott?
Rott ist genau so alt wie ich, hat vielleicht auch eine ähnliche Sturheit. Ich habe früher ebenfalls Camel geraucht. Außerdem ähneln wir uns in einer gewissen ironischen Weltsicht, obwohl Rott da sicher extremer ist. Bis letztes Jahr fuhren wir auch noch das gleiche Auto: Einen roten Golf Diesel Baujahr 1989. Wenn ich in diesem Wagen durch das Bergische Land fuhr und recherchierte, habe ich mich wie Rott gefühlt.
Dein Leben ist unglaublich vielfältig. "TextArt - Magazin für kreatives Schreiben", Musik, Workshops, Krimis Schreiben. Als was würdest du dich bezeichnen?
Ich würde mich aus Autor bezeichnen.
Insgesamt geht es mir darum, das Schreiben in seiner Vielfalt selbst beruflich auszuprobieren. So ist die Gründung von
"TextArt - Magazin für kreatives Schreiben", der Zeitschrift für kreatives Schreiben, eine konsequente Sache gewesen. Ich habe diesen Schritt gewagt, weil ich selbst so eine Zeitschrift lesen wollte, aber in Deutschland keine fand.
Was genau willst du mit "TextArt - Magazin für kreatives Schreiben" vermitteln? Techniken? Tipps?
Techniken und Tipps, die man umsetzen kann in erster Linie – und das nicht nur in Form von Ratschlägen, sondern auch in Form von Interviews mit Leuten, die irgendwas auf dem Gebiet der Literatur tun, also nicht nur Autoren, sondern auch Lektoren, Agenten und so weiter.
In "TextArt - Magazin für kreatives Schreiben" geht es um das Schreiben. Kann man es lernen? Ist es tatsächlich eher Handwerk als Talent?
Man kann sich darüber streiten, wie Handwerk und Talent prozentual verteilt sind. Ich tippe mal, das ist bei jedem anders. Sicher ist: Ohne Handwerk nützt das größte Talent gar nichts. Andererseits kann sehr viel Handwerk mangelndes Talent nicht ersetzen.
Ist es typisch deutsch U- und E-Literatur zu unterscheiden?
Ich höre oft, dass das eine typisch deutsche Sache ist. Es scheint jedoch auch in anderen Ländern so eine Unterscheidung zu geben, nur heißt sie dann vielleicht anders und man blickt auf das, was wir „U“-Literatur nennen, vielleicht nicht so hochnäsig hinab, um sie dann heimlich doch zu konsumieren.
Du hast mir mal gesagt, dass Schreiben mit der Musik Ähnlichkeit hat. Ein Musikstück hat einen typischen Aufbau, ein Buch auch. All dem liegt die Mathematik zu Grunde. Ist es tatsächlich so einfach?
Wenn ich das so verglichen habe, meinte ich damit nicht, dass alles rational ableitbar oder gar machbar ist. Und einfach schon gar nicht. Aber die Beherrschung der Form ist eine wichtige Sache, wenn man sich mit musikalischer Komposition beschäftigt. Und das ist beim Schreiben genauso. Ich erkenne oft Parallelen in der Ausbildung zum Komponisten und der Ausbildung zum Autor.
Als äußerst viel beschäftigter Mann, hast du noch Hobbys?
Ein Hobby ist ein Steckenpferd, das man mit großer Hingabe neben seinem Beruf betreibt.
Wie wichtig ist das Internet für dich?
Sehr wichtig.
Du kennst bestimmt Nick Hornby. Sein Faible sind Listen. Hast du so was auch? Die fünf Lieblingsbücher, die fünf schlechten Bücher, fünf Lieblingslieder?
Ja, das habe ich auch, aber nicht so akribisch, und auch immer wieder wechselnd. Ich kann ja mal was verraten: Meine Lieblingsbücher sind viele Romane von Georges Simenon, Otfried Preußlers „Krabat“, „Schnappt Shorty“ von Elmore Leonard.
Die fünf schlechtesten Bücher nenne ich mal nicht.
Was wird als nächstes von dir zu lesen sein?
Außer TextArt-Beiträgen und CD-Rezensionen in verschiedenen Musikzeitschriften: Wahrscheinlich der angesprochene Bonn-Krimi.
Was habe ich vergessen zu fragen?
Diese Frage gebe ich gerne an die Leserinnen und Leser weiter. Sollte noch was auf den Nägeln brennen – ich bin ja nicht aus der Welt: info@oliverbuslau.de
(Foto: Franz Hamm)
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