Exklusivinterview mit Christa von Bernuth

Gerade ist der zweite Roman mit Ihrer Serienheldin Mona Seiler erschienen – wie kam Ihnen gerade dieser Typ Frau in den Sinn?
Ich wollte eine Heldin schaffen, im klassischen und im modernen Sinn. Heute sind berufstätige Mütter mit anstrengendem Ganztags-Job die Heldinnen schlechthin, finde ich.

Eher ungewöhnlich ist auch die Tatsache, dass eine Krimi-Heldin mit Fulltime-Job bei der Polizei gleichzeitig als alleinerziehende Mutter ihre Frau stehen muss. Handelt es sich dabei um ein bewusstes dramaturgisches Element oder verfügen Sie über eigene praktische Erfahrungen, etwa was die Organisation einer Last-Minute-Kinder-Betreuung oder –Abholung anbetrifft?
Das war ein bewusstes dramaturgisches Moment. Und ich kenne sehr viele Mütter, die den Spagat zwischen Kindern und Karriere mit viel Kraft und Mut meistern müssen. Wie gesagt: Ich bewundere diese Leistung sehr.

Auch ein weiterer Aspekt im Zusammenhang mit Ihrer Protagonistin ist nicht alltäglich in der Krimi-Landschaft: Der Vater von Monas Sohn, mit dem sie nicht leben, von dem sie aber auch nicht lassen kann, ist ein Krimineller – oder bewegt sich zumindest in illegalen Kreisen. Wer fungierte als Vorbild für diesen (in all seiner Zwielichtigkeit außerordentlich sympathischen) Typen?
Niemand. Ich habe ihn mir ausgedacht – das Privileg der Autorin: Man spielt ein wenig Gott. Mit dieser Schöpfung bin ich jedenfalls sehr zufrieden...

Die Protagonisten Ihrer Bücher sind oftmals, auch (oder gerade dann) wenn sie als Täter auftreten, selbst Opfer. Opfer einer verkorksten Kindheit und/oder von Umständen und Mitmenschen, die sie so lange drangsaliert haben, bis der einzige Ausweg Gewalt und Verderben scheint. Wie gelingt es Ihnen, gedanklich und auch „praktisch“ in diese kranken unglücklichen Wesen „hineinzuschlüpfen“? Vor allem aber, was tun Sie, um bei alledem selbst „gesund“ zu bleiben?
Ich glaube, ich habe eine Menge Einfühlungsvermögen. Dazu kommt Faszination: Gebrochene Charaktere interessieren mich in der Literatur. Ich bin also kein Hera Lind/Ildiko von Kürthy-Typ. Das sagt natürlich einiges über mich als Person aus – was, das überlasse ich der Interpretation der Leser.

Welche Reaktionen erhalten Sie – etwa bei Lesungen – von Ihren Lesern? Und haben Sie eine Vorstellung davon, wer in erster Linie Ihre Bücher kauft – in Bezug etwa auf Geschlecht, Alter, Beruf etc.
Meine Leser verbindet die Vorliebe für interessante, schräge Figuren und spannende Geschichten mit überraschenden Wendungen. Alter, Geschlecht und Beruf sind, glaube ich, zweitrangig: Da kann ich bislang keine Linie feststellen.

Der erste Band um Mona Seiler, „Die Stimmen“ wurde von RTL verfilmt – wenn die Zuschauer die Figur mögen ist gar eine Reihe geplant, die auf Ihren Romanen basiert. Wie kam es, dass Ihr Buch den TV-Machern auffiel?
Eine Agentur schickte RTL das Buch zu, und die Movieredaktion liebte dieses Buch, vor allem die Figur Mona Seiler – das waren natürlich tolle Voraussetzungen. Dann haben sie Rainer Matsutani als Regisseur verpflichtet – ebenfalls toll. Ich hatte da wirklich sehr viel Glück!

Inwieweit entspricht Mariele Millowitsch in der Rolle der Mona jener Frau, die Sie beim Schreiben im Kopf hatten?
Nur teilweise. Mariele Millowitsch spielt einen sehr ”heilen” Charakter. Von den Brüchen in der Figur ist nicht viel übrig geblieben.

Hat man Sie bei der Erstellung des Drehbuchs zu Rate gezogen oder werden Sie den fertigen Film wie die Zuschauer bei der Ausstrahlung am 6. Mai 2003 zum ersten Mal sehen?
Nein, ich kenne sowohl Drehbuch, als auch den Film. Er ist wirklich sehr spannend und gut geworden!

Wird es – unabhängig von einem eventuellen TV-Erfolg – weitere Bücher mit Mona Seiler geben?
Das Buch, an dem ich jetzt sitze, wird wieder ein Mona Seiler!

Da http://www.Krimi-Forum.de ein Internet-Portal ist, die obligatorische Frage: Wie nutzen Sie das Internet und welches sind Ihre Lieblingsseiten?
Leider eher wenig – fast nur zu Recherchezwecken.

Gibt es noch etwas, was Sie unseren Lesern mit auf den Weg geben wollen? (zugelassen ist alles – von der Aufforderung "Seid fruchtbar und mehret euch!" bis hin zur Adresse Ihres Friseurs ... ;-)
Nicht jammern über die schlechten Zeiten – handeln! Das versuche ich jedenfalls. Ein Beispiel: Ich hatte immer Probleme mit Lesungen – ich fand sie so langweilig. Jetzt habe ich mit einem Fotografen eine Multimedia-Show konzipiert, mit der wir durch deutsche Buchhandlungen touren, und der Erfolg ist groß. Ich denke, mit Ideen und Tatkraft schaffen wir den Weg aus der Krise!

Wir danken für dieses Gespräch!
Das Interview führte Chefredakteurin Michaela Pelz. (März 2003)

(Foto: Goldmann Verlag)