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Frau Kuhn: Dürfen wir fragen oder ist es zu privat: Welcher Religion gehören Sie an?
Ich bin römisch-katholisch, lasse jedoch wie Kommissar Glaser aus „Engelshaar“ meine Mitgliedschaft ruhen.
Was war der Auslöser, sich mit der Glaubensgemeinschaft der Menonniten zu beschäftigen?
Das Thema Religion liegt derzeit in der Luft. Es ging mir jedoch nicht um eine Polarisierung, sondern um Grundfragen, die das Religiöse im Menschen betreffen, die religiösen Grundbedürfnisse. Und ich wollte eine Atmosphäre in Deutschland beschreiben wie sie die Gruppe der Amish People in Amerika umgibt, die religiös aus den Mennoniten hervorgegangen sind. So kam ich auf die Geschichte der Aussiedler
Wie kam es zu der Idee, immer eine andere Frauenfigur ins Zentrum Ihrer Bücher zu stellen – andererseits aber durch den Kommissar, der in allen Romanen mal mehr, mal weniger präsent vorkommt, dennoch eine Bindung zu schaffen. Sozusagen ein Serienambiente ohne typische Serienfigur …
Ich mag die Abwechslung. Das ist auch für mich spannender. Andererseits wurde ich oft angesprochen, dass die Geschichte von Ron und Berit aus „Fische können schweigen“ weiter gehen soll. Daraufhin habe ich mich für die Variante entschieden, verschiedene Heldinnen zu erfinden. Den Fortsetzungscharakter erreiche ich durch den Kommissar Ron, so dass der Wunsch der Leser nach Serienhelden erfüllt wird. Im fünften Buch sollen übrigens dann alle Heldinnen an einem Fall arbeiten. Das wird eine neue Herausforderung für mich und sicher spannend.
Nach welchen Kriterien wählen Sie die berufliche Ausrichtung Ihrer Protagonistinnen aus? Wir hatten bisher eine Illustratorin, eine Grabforscherin, eine Polizeipsychologin … - alles keine 08/15-Berufe …
Das Wichtigste: der Beruf muss mich interessieren. Die Berufe, die ich bisher geschildert habe, sind alles Bereiche, in denen ich auch gerne arbeiten würde, für die ich eine Leidenschaft entwickeln könnte. Andererseits schaue ich natürlich auch, welche Gebiete innerhalb der Kriminalistik sind spannend, neu und – ja auch das – welche liegen im Trend. Wissensvermittlung ist eines meiner Markenzeichen.
Wie umfangreich (sowohl was die Zeit als auch den Aufwand anbetrifft) sind die Recherchen für Ihre Bücher?
Alles in allem rechne ich mit zwei Jahren für ein Buch. Die Recherchen sind sehr aufwendig, sowohl was die Zeit betrifft also auch die Kosten. Ich gebe viel Geld für Fachbücher aus. Oft muss ich reisen, für das nächste Buch zum Beispiel nach Polen. Aber es ist wichtig, dass die Fakten stimmen. Sogar das Aktenzeichen, das genannt wird. Der Leser verzeiht hier weniger, als der Autor glaubt. Selbst wenn ich überzeugt bin, alles gründlich recherchiert zu haben, findet der eine oder andere noch Ungenauigkeiten oder Fehler. Das ärgert mich maßlos.
Manchmal geht es in Ihren Romanen leicht und heiter, fast ein wenig frivol zu – und dann wieder wird ziemlich handfest und ohne Rücksicht auf Verluste mit den Protagonisten umgesprungen … Wie gelingt Ihnen als Autorin der Spagat zwischen diesen beiden Gegensätzen? Oder anders gefragt: Warum haben Sie sich nicht entschlossen, entweder einen „heiteren Frauenkrimi“ oder einen actionreichen Psychothriller zu schreiben?
Das ist im Grunde keine Entscheidung, sondern es entwickelt sich. Die Schublade „heiterer Frauenkrimi“ macht mich allerdings wahnsinnig. Nun habe ich aber einen Hang zur Ironie und zum Absurden. Er bricht beim Schreiben einfach durch. Und ist das Leben nicht selbst eine Tragik-Komödie? Das entspricht zumindest meiner Grundhaltung. Ich neige dazu immer das Komische, Groteske im Alltag zu sehen. Damit bringe ich meinen Mann zu Verzweiflung, dass ich auf Beerdigungen immer über das Absurde lachen muss.
Tut es Ihnen leid, Figuren, die vielleicht nicht nur dem Leser, sondern auch Ihnen im Verlauf der Handlung ans Herz gewachsen sind, zu eliminieren? Oder setzen Sie diesen Bruch, den Schock für die Leser, bewusst als Stilmittel ein?
Es tut mir nicht wirklich leid. Im Grunde war es ja nur bei der Theresa in „Die vierte Tochter“ der Fall. Nachdem viele Leser schockiert waren, wie ich das tun konnte, nehme ich in Zukunft Rücksicht … vielleicht aber auch nicht. Der Leser soll ja gerade mitleiden, schockiert sein, sich aufregen, sich entrüsten. Ich bin mit Aristoteles einer Meinung, dass Literatur Furcht und Schrecken verbreiten muss, damit man anschließend am Abend vor dem Schlafen zufrieden mit seinem eigenen Alltag das Licht ausmacht.
Das Ende Ihres aktuellen Romans ist ziemlich dramatisch und – gerade was die Optik anbetrifft – auch sehr spektakulär. Auch an anderen Stellen braucht der Leser wenig Phantasie, um sich die starken Bilder, die zu den Szenen gehören, vorzustellen. Ist das Absicht? Schreiben Sie bewusst auf eine Verfilmung hin?
Ganz sicher nicht. Ich höre immer, dass sich meine Bücher sehr gut zum Verfilmen eignen. Mit ist das nicht bewusst. Aber es freut mich. Ich habe Kunstgeschichte studiert und interessiere mich für Bilder. Daher spielen oft Farben eine Rolle. Aber auch wenn sich die Bilder für eine Verfilmung eignen, was den Plot betrifft, weiß ich nicht, ob sich Produzenten finden werden. Wie ich gehört habe, neigen diese nicht zu Experimenten. Eine Berufsgruppe wie Anthropologen kommt in deren Schema offenbar nicht vor, eine Illustratorin noch weniger. Vielleicht habe ich mit der Psychologin mehr Glück.
Wenn denn aus einem (oder allen) Ihrer Romane ein Film werden sollte – wen würden Sie sich für Ihre Frauenfiguren wünschen? Und wer müsste den Ron geben?
Eine gute Frage. Denn ich überlege mir tatsächlich, wer die Rolle spielen könnte. Nicht im Hinblick auf eine Verfilmung, sondern einfach, um mir eine Figur besser vorstellen zu können. Interessant ist dabei, dass ich keine amerikanischen Schauspieler dafür nehmen kann. Eine Julia Roberts kann ich mir für meine Bücher nicht vorstellen. Offenbar sind meine Heldinnen typisch deutsch. Berit aus dem ersten Buch, das war mir immer klar, müsste Nina Petri spielen. Bei Franka aus „Die vierte Tochter“ habe ich lange überlegt und bevorzuge derzeit Nina Hoger. Die Hannah aus „Engelshaar“ könnte Suzanne von Borsody spielen, obwohl das mit der Haarfarbe nicht übereinstimmt. Und Ron: das ist klar, das kann nur Klaus J. Behrendt sein, der im Tatort Max Ballauf spielt.
Die letzte Frage: Womit beschäftigen Sie sich aktuell bzw. auf welche Geschichte aus Ihrer Feder dürfen sich die Fans als nächstes freuen?
Im nächsten Buch spielt eine Staatsanwältin die Hauptrolle. Das heißt ich lese so spannende Bücher wie „Das Strafgesetzbuch“ oder „Das Arbeitsgebiet des Staatsanwaltes“. Die Handlung findet nicht nur in Frankfurt, sondern zusätzlich Krakau statt. Es geht um eine Entführung, doch der Entführer will kein Geld, sondern etwas ganz anderes.
Wir danken für dieses Gespräch!
(Foto: Peter von Felbert)
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