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"Ohne Umwege zum Kern..."
Er gilt als das Wunderkind der deutschen Krimiszene: Für sein Debüt NACHTFAHRT erhielt er den Marlowe-Preis der Raymond-Chandler Gesellschaft, sein zweiter Roman EISMOND wurde fast einhellig und hochklassig gelobt - entweder als wunderbar konstruierter Thriller oder als das Abschiedssignal an die Zeitgeistliteratur der Spaßgeneration.
Wie fühlt man sich als Totengräber der Fun-Literatur?
Bestens (lacht). Aber das bin ich ja nicht und wollte es auch nie sein. Ich wollte mit EISMOND einfach einen Roman schreiben, der sich ohne ironische Brechungen mit Trauerarbeit, mit der Bewältigung des Todes auseinandersetzt und der seine Spannung aus der Stille heraus bezieht.
Kennen Sie überhaupt etwas von dem, was man Popliteratur genannt hat - etwa von Benjamin von Stuckrad-Barre oder Christian Kracht? Florian Illies? Von Ildiko von Kürthy gar nicht zu reden...
Nur wenig, aber nicht, weil ich glaube, dass es grundsätzlich nicht gut ist. Man wählt ja immer aus einem riesigen Angebot an Büchern, und die Bücher, die unter "Pop-Literatur" kategorisiert waren, haben mich als Leser einfach nicht so angesprochen.
Können Sie als Newcomer auch die Geschichte von der Ochsentour erzählen, die ein Autor mit seinem ersten Manuskript absolvieren muss? Von unzähligen Ablehnungen, dubiosen Verlags-Angeboten und endloser Frustration?
Als ich begann, mit "NACHTFAHRT" auf Verlagssuche zu gehen, hatte ich wenig Ahnung, wie ich das am klügsten machen sollte. Weil ich dachte, dass ich es als unaufgefordert Einsendender schwer haben würde, war ich zunächst zurückhaltend mit dem Verschicken des Manuskripts.
Ihre Geschichten haben Krimiplots - in "NACHTFAHRT" ist es die Geschichte eines verhängnisvollen Dreierbeziehung, im "EISMOND" das Modell des Serienkiller-Romans, der derzeit inflationiert.
Die Triebfeder dafür, dass ich schreibe, ist eigentlich an kein Genre gebunden. Was mich vor allem fesselt, ist die Frage, wie sich Menschen in extremen Situationen verhalten, wie sie diese Situationen bewältigen.
"NACHTFAHRT" wirkt trotz des heißen südfranzösischen Ambientes wie mit der Kaltnadel radiert und über "EISMOND" liegt düstere, kalte, finnische Nacht - Sie fragmentieren die Welt und die Gefühle ihrer Figuren und setzen aus den Teilen das Mosaik ihrer Geschichte zusammen. Das ist ganz und gar nicht das "süffige" Schreiben, das ansonsten von Krimi-Fans so geschätzt wird. Form follows function?
Ja, das ist in meinem Schreiben sicher prägend, und es hängt mit dem Wunsch zusammen, Spannung zu erzeugen, die eben nicht in erster Linie auf von außen gesetzten Effekten basiert, sondern auf der Innenwelt der im Zentrum stehenden Menschen.
Ehe Sie mit Ihren Büchern jetzt in die Zwischenwelt von "mehr als ein Kriminalroman" rutschen und man Ihnen noch unterstellt, Sie spielten nur mit den Konventionen und Mustern des Kriminalroman, sollten und können Sie eigentlich jetzt ruhig zugeben, dass Sie eigentlich gar keine Kriminalromane schreiben.
Ich schreibe sicher Kriminalromane, aber ich möchte mich gleichzeitig mit Fragen auseinandersetzen, die vom Genre unabhängig sind. Das ist in "EISMOND" die Ebene, auf der Menschen auf verschiedene Weise mit dem Tod konfrontiert werden und versuchen, das Erlebte zu bewältigen, in "NACHTFAHRT" die Grundidee, in den Kopf eines Menschen einzudringen, der - unfähig, sich selbst auf den Grund zu gehen - eine extrem aggressive Gedankenwelt auslebt.
Wo liegen dann als Leser Ihre Interessen und Schwerpunkte bei Kriminalromanen?
Ich lese gerne Kriminalromane, die ihre Figuren ernst nehmen, auf guten Ideen basieren und einfach stark geschrieben sind. Dürrenmatts Roman "Das Versprechen" zum Beispiel.
Sie schreiben bereits am dritten Roman, der vierte ist wahrscheinlich bereits geplant. Und man hat Sie sicher gefragt, wie Sie über eine Serie über Kommissar Kimmo Joentaa aus dem "EISMOND" denken. Wird es eine Serie geben? Oder wenigstens eine Fortsetzung?
"EISMOND" ist ein in sich geschlossener Roman, und Kimmo Joentaa war nicht als Serienfigur geplant. Ich kann mir eine Fortsetzung aber dennoch gut vorstellen, weil ich Kimmo einfach sehr mag, ich würde ihn gerne wiedersehen. Ich hoffe, in einigen Jahren einen zweiten Kimmo-Joentaa-Roman zu schreiben, wobei die Grundvoraussetzung das Gefühl sein wird, dass das Projekt auf einer tragfähigen Idee basiert.
Als Internet-Plattform interessiert uns natürlich noch, wie Sie das Netz nutzen und ob Sie eine Lieblings-Hompage haben....
Das ist schwierig, weil es wechselt. Im Moment gucke ich häufig auf der Seite www.litmanen.com, ob mein Lieblingsfußballer Jari Litmanen endlich mal wieder spielen kann, er ist nämlich leider häufig verletzt.
WIR DANKEN FÜR DIESES GESPRÄCH.
Das Gespräch führte krimi-forum.de Mitarbeiter Reinhard Jahn
(Foto: Ralf Braun)
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