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Herr Dahl … ach, wenn wir schon dabei sind: Ist es Ihnen eigentlich recht, mit diesem Namen angesprochen zu werden, jetzt, wo alle Welt weiß, dass es einen Herrn „Dahl“ gar nicht gibt, sondern dass es sich dabei um das Alter Ego des seriösen Schriftstellers Jan Arnald handelt?
Na ja … „seriös“ … ich weiß ja nicht …
Die großen Unterschiede zwischen Ihren Büchern … über diesen Punkt würden wir gerne noch etwas wissen: Brauchten Sie denn das Pseudonym auch deswegen, weil Menschen, die wie Sie für die Nobelpreis-Kommission arbeiten, nicht mit Romanen voller Sex, Drogen und Rock ‚n’ Roll (um ein altes Bild zu gebrauchen) sowie natürlich jeder Menge Blut in Verbindung gebracht werden dürfen?
Nun, ich habe bisher noch nicht nachgemessen, wie viel Blut, Schweiß und Sex in den Büchern der Nobelpreisträger genau enthalten ist, aber seien Sie versichert: Es ist eine ganze Menge!
Jetzt haben wir gerade schon das Thema „Blut“ kurz angerissen. Was passiert eigentlich, wenn Sie welches sehen (müssen)? Entweder weil Sie selbst sich verletzt haben oder weil bei jemand anderem Blut fließt – sind Sie der erste, der in Ohnmacht fällt oder eher derjenige, der sich noch genau an jede einzelne Erste-Hilfe-Stunde erinnert?
Mit Blut hab ich keine Probleme – aber ich muss zugeben, dass ich nicht viel davon zu Gesicht bekomme. Eigentlich nur einmal im Monat (Sie wissen schon) …
Okay … Soviel also zu den „blutigen“ Details in Ihrem richtigen Leben. Wie kommt es dann aber, dass in jedem Ihrer Romane (zumindest in den vier Bänden der Reihe, die bis jetzt in Deutschland veröffentlicht wurden) die beschriebenen Verbrechen stets mit eher brutalen Details „angereichert“ sind?
Blut stört mich nicht – was mich jedoch außerordentlich stört, das ist Gewalt. Blut ist ganz natürlich, Gewalt ist es nicht. In meinen Romanen geht es um die Gefahr der Entmenschlichung im Zeitalter der Globalisierung – und ich habe mich dazu entschlossen, dies plastisch zu machen, indem ich Verbrechen schildere, internationale Verbrechen. Brutale Verbrechen. Und wenn Sie es mit brutalen Verbrechen zu tun haben, dann können Sie nicht so tun, als gäbe es dabei keinen Schmerz – die Beschreibung muss den Lesern ebenfalls weh tun. Ich möchte, dass sie einen Teil dieses Schmerzes fühlen, nicht einfach nur darüber lesen und das Ganze dann vergessen …
Auf der anderen Seite bestehen Ihre Romane ja nicht ausschließlich aus grauenvollen Ereignissen, sondern enthalten ganz im Gegenteil schlagfertige, zuweilen sogar ironische oder witzige Dialoge. Haben Sie das ganz bewusst so angelegt, im Sinne einer gewissen Ausgewogenheit? Oder sind Sie persönlich ein Fan von Wortspielen oder Wortgefechten zwischen den Protagonisten und haben daher auch den Wunsch, diese in Ihre Bücher einzubinden?
Ein bisschen von beidem. Im Wesentlichen ist es aber so, dass meine Polizisten, die A-Gruppe ein Gegengewicht darstellen sollen zu der grauenvollen Gewalt, die sie umgibt. Die Düsternis der Themen (die steigende Düsternis in Europa – oder zumindest das Risiko einer solchen) muss durch eine Art humanistische Kraft ausgeglichen werden und für mich ist das die A-Gruppe; mit all ihren Schwächen – und ihrer Schläue!
Die einzelnen Mitglieder der „A-Gruppe“ haben alle so ihre Probleme – gleichzeitig hat aber jeder eine ganz bestimmte Stärke oder eine typische Eigenschaft. Wem aus der Truppe fühlen Sie sich am meisten verbunden? Und mit wem würden Sie das Leben und die Persönlichkeit tauschen wollen – und sei es auch nur für einen Tag oder eine Woche?
Kerstin Holm. Aber nur deswegen, weil ich gerne mal erfahren würde, wie es sich anfühlt, eine Frau zu sein … Allerdings denke ich dass eine Woche wahrscheinlich genug wäre … Nein, das war ein Scherz! Der, der mir am nächsten ist, ist wohl Paul Hjelm. Aber der, der mich wirklich beeindruckt, ist Arto Söderstedt. Und ich hätte absolut nichts dagegen, so richtig GROSS zu sein wie Gunnar Nyberg (natürlich nur für eine Woche). Außerdem liebe ich Sara Svenhagen … (natürlich nur für eine Woche).
Irgendwie sind diese „A-Gruppler“ ja schon schräge Vögel. Denn wirklich belobigt werden sie keineswegs für ihre erfolgreiche Aufklärung all dieser Fälle. Was macht die Faszination einer solchen Konstellation aus vergleicht man sie mit einer eher konventionellen Polizeieinheit?
Nun, diese Gruppe muss sich mit Fällen und Verbrechen beschäftigen, die abseits des Gewöhnlichen liegen – sie sind eine Elitetruppe, aber eher auf einer intellektuellen als auf einer physischen Ebene. Nicht immer halten sie sich an die korrekte polizeiliche Vorgehensweise – und das wiederum versetzt mich in die Lage, originellere und weniger langweilige Geschichten zu schreiben.
Es war immer wieder nachzulesen, dass die Serie nach zehn Büchern zu Ende sein wird. Besteht die Möglichkeit, dass Sie diesen Entschluss rückgängig machen – in Anbetracht der Tatsache, dass es sicherlich noch wesentlich mehr interessante Themen gibt und dass auch die Figuren sich noch wesentlich weiter entwickeln könnten?
Die Grundidee war ursprünglich, ein Jahrzehnt schwedischer und europäischer Geschichte von innen abzubilden – moralisch interessante Fragen aufzuwerfen und sie auf den Prüfstein zu legen, eine pro Jahr. Auf diese Weise hätte man ein Abbild dieser zehn Jahre gewinnen können. Das war der Grund, warum es zehn Bücher sein sollten. Eins pro Jahr – zehn Jahre lang. Aber … es ist natürlich möglich, dass die Figuren dieses Jahrzehnt überleben und der Geschichte die Stirn bieten … Man weiß ja nie …
In all Ihren Büchern ist das Verhältnis zwischen Vätern und Kindern ein zentrales Thema – wie sieht es mit dem Verhältnis zwischen Ihnen und Ihrem eigenen Vater bzw. zwischen Ihnen und Ihren eigenen Kindern aus?
Ich glaube nicht, dass mein Faible für dieses Thema so sehr mit dem Verhältnis zwischen mir und meinem Vater zu tun hat – das ist nicht wirklich schwierig, Gottseidank, zumindest ist es das jetzt nicht mehr.
Wenn Sie es sich aussuchen könnten: Was würden Sie sich für Ihre Serie wünschen? Dass sie in 52 Sprachen übersetzt wird? Als TV-Serie oder Kinofilm auf dem kleinen oder großen Schirm landet? Fünf bis zehn internationale Preise einheimst?
Dass sie mich in die Lage versetzt, mir ein Haus in der Toskana zu kaufen … Nein, was wirklich zählt sind nur zwei Dinge: Dass ich auch weiterhin so viel Spaß am Schreiben habe, wie dies bisher der Fall war und dass meine Leser überall auf der Welt so viel Freude beim Lesen haben, wie ich sie beim Schreiben empfunden habe. Das reicht mir schon.
Schließlich die letzte Frage (in Anbetracht der Tatsache, dass krimi-forum.de ein Internetportal ist): Welches ist Ihre Lieblings-URL bzw. welche Webseite sollten Ihre deutschen Leser auf jeden Fall besuchen?
Auf jeden Fall www.arnedahl.net … Nein, sorry … In meinen Augen ist das Internet eine wirklich hervorragende Quelle für Informationen – allerdings benutze ich persönlich es eher selten. Aus diesem Grund habe ich leider keinerlei Empfehlungen abzugeben.
WIR DANKEN FÜR DIESES GESPRÄCH.
(Foto: Ulla Montan)
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