Exklusivinterview mit Thorsten Beck

Thorsten Beck, 47, von Beruf Richter, lebt mit seiner Lebenspartnerin Christiane und der gemeinsamen Tochter im südlichen Hamburg und hat mit "Ausgestempelt" seinen zweiten Krimi mit Lokalkolorit veröffentlicht.

Warum schreibst du Krimis?

Ich habe schon als Jugendlicher gern Krimis gelesen, wie z.B. die Sherlock Holmes-Romane von Conan Doyle. Texte zu schreiben hat mir auch immer Spaß gemacht.
Als dann im Jahr 1998 das Hamburger Abendblatt die "Schwarzen Hefte" mit Hamburg-Krimis herausbrachte, hatte ich sofort die Idee, einen Harburg-Krimi zu schreiben, nicht zuletzt auch deshalb, weil Hamburg-Krimis nicht nur in Blankenese, St. Pauli oder Harvestehude spielen sollten.
Natürlich ist das Krimischreiben, wo der Fantasie keine Grenzen gesetzt sind, auch eine schöne Alternative zum Verfassen von Urteilen, bei dem man bestimmten festgelegten Regeln zu folgen hat.

Inwieweit beeinflusst deine Arbeit als Richter am Arbeitsgericht deine kriminalistische Schreibtätigkeit?

Als Richter hat man viel mit Menschen zu tun, zumal Menschen in außergewöhnlichen Situationen und Konflikten. Oft geht es darum, heraus zu bekommen, wer von mehreren Zeugen die Unwahrheit sagt. Das Wahrnehmen von Lügensignalen gehört z.B. zu den Aufgaben eines Richters.
Insoweit beeinflussen berufliche Erfahrungen sicherlich auch mein Schreiben. Ich achte aber darauf, dass keine konkreten Fälle aus meiner Entscheidungspraxis in meine Krimis einfließen.

Und wie ist es mit deinem Protagonisten? Bist du als Vater einer Tochter in Heimfeld dein eigenes Vorbild für deinen Titelhelden, einen Anwalt. der mit seiner Tochter in Heimfeld lebt?

Sicherlich hat Tim Börne, meine Hauptperson, viel mit mir selbst zu tun. Das merkt man schon an den gleichen Initialen. Andererseits unterscheiden wir uns natürlich auch in vieler Hinsicht. Er ist z.B. jünger als ich und ich bin – glücklicherweise - nicht alleinerziehend wie er. Außerdem unterscheidet sich der Alltag eines Richters durchaus von dem eines Anwalts. Aber in der Person der Constanze, Tim Börnes Tochter, steckt natürlich viel von meiner eigenen Tochter Franziska.

Deine Krimis leben auch vom Lokalkolorit. Harburg, nicht unbedingt Vorzeigestadtteil Hamburgs, ist der Ort, an dem deine Krimis spielen. Weil du dich hier am Besten auskennst?

Mich hat immer geärgert, dass das Verhältnis von vielen nordelbischen Hamburgern zum süderelbischen Harburg durch eine ähnliche Geringschätzung geprägt ist wie z.B. das von Frankfurtern zu Offenbachern.
Sicherlich ist Harburg nicht unbedingt ein Hamburger Vorzeigestadtteil, aber er hat auch eine ganze Menge zu bieten, von dem viele Hamburger kaum etwas wissen. Außerdem leben südlich der Elbe immerhin knapp 200.000 Menschen.
Ich glaube, dass mir das Thema "Hamburger Süden" vielleicht auch deshalb ein besonderes Anliegen ist, weil ich nördlich der Elbe geboren bin und erst 1986 - der Liebe wegen - nach Harburg gezogen bin.

Gehst du die Strecken deiner Helden, Täter und Opfer selber ab, um dich inspirieren zu lassen?

Ich habe jeden meiner Krimi-Schauplätze selbst aufgesucht und mir vor Ort jede Menge Notizen gemacht. Oft kommen mir gerade dabei die besten Ideen, wie die Story weitergehen soll.
Ich glaube, dass es für einen Autor ganz wichtig ist, in einem Krimi eine dichte Atmosphäre zu schaffen, gleichgültig übrigens ob die Handlung in Venedig, Los Angeles oder Hamburg-Harburg spielt.
Mit meinem Erstling "Harburg Blues" habe ich mal eine Lesung an den jeweiligen Originalschauplätzen im Binnenhafengebiet gemacht. Das hat allen Teilnehmern viel Spaß bereitet.

Dann wird dein nächster Krimi sicher auch in Harburg spielen?

Mein nächster Krimi wird - soviel sei jetzt schon verraten - wieder in Harburg spielen. Es gibt noch ein paar interessante Ecken, die ich bislang noch nicht verarbeitet habe.
Danach möchte ich aber mal etwas ganz anderes machen. Vielleicht eine Liebesgeschichte oder etwas über die Siebziger Jahre.

Wann hast du Zeit, deine Krimis zu schreiben?

Mein Hauptberuf lässt mir nicht viel Zeit zum Schreiben. Meistens bleibt nur die Zeit zwischen den Jahren und das Wochenende. "Ausgestempelt" habe ich z.B. im letzten Schweden-Urlaub auf der Terrasse eines roten Holzhauses in Smaland zu Ende geschrieben.
So stelle ich mir übrigens den Traum vom Schreiben vor: Mit dem Notebook auf einer südschwedischen Schäre (Geheimtipp: Harstena) sitzen und nur zum Einkaufen aufs Festland rudern.

Darf deine Familie deine Bücher Korrektur lesen? Anregungen geben oder Kritik üben?

Christiane ist meine wichtigste Ratgeberin. Sie bekommt meine Texte immer zuerst zu lesen. Ich gebe sie aber auch noch fünf oder sechs Freundinnen und Freunden. Ohne Feed-back könnte ich gar nicht schreiben.

Wir sind ein Internet-Forum, daher noch die obligatorische Frage, ob und wie du das Internet nutzt und welches deine Lieblingsseite im www ist.

Das Internet nutze ich natürlich oft. Über meine Lieblingsseite muss ich noch ein wenig nachdenken.

Danke für das Gespräch.

Mit Thorsten Beck sprach krimi-forum.de Mitarbeiterin Iris Groschek (Dezember 2003)

(Foto: privat)