Exklusivinterview mit Angela Sommer-Bodenburg

Abdruck mit freundlicher Genehmigung unserer Redakteurin Iris Groschek, die sich im April 2004 mit Angela Sommer-Bodenburg traf, um diese für ein Feature auf www.kinder-stadt.de zu interviewen.

Angela Sommer-Bodenburg wurde in Reinbek geboren und war 12 Jahre lang als Lehrerin an einer Hamburger Grundschule tätig. Für ihre Schulkinder erfand sie Rüdiger, den kleinen Vampir.
Seit 1992 lebt sie als freie Autorin in Kalifornien, USA. Ihre bekanntesten Bücher sind neben dem kleinen Vampir die Buchserie "Kasimir von Käsebleich" oder "Das Biest, das im Regen kam".
Als Kind, so erzählt Angela Sommer-Bodenburg, war sie eher ängstlich und fürchtete sich im Dunkeln. Das Lesen unheimlicher Bücher hat ihr geholfen, die Ängste zu besiegen.
Später, als sie als Lehrerin unterrichtete, gab es einige Kinder in ihrer Klasse, die nicht gerne lasen. Es sollte doch möglich sein, durch ein spannendes, lustiges und gruseliges Buch, diese Kinder zum freiwilligen Lesen zu animieren und Lust auf Bücher zu machen! So schrieb Angela Sommer-Bodenburg das erste Kapitel des kleinen Vampirs und testete es an ihrer eigenen Schulklasse, ohne zu sagen, woher der Text stammt. Die Kinder waren begeistert!
Es war das erste Mal, dass für Kinder über Vampire geschrieben wurde. Und so lehnte der erste Verlag, dem sie ihr Manuskript anbot, dankend ab. Das sei doch kein Thema für Kinder! Doch das machte die Autorin umso entschlossener, hatte sie doch die Reaktionen ihrer Schulkinder erlebt. Der nächste Verlag war gleich begeistert und wünschte sich ein ganzes Buch von der Lehrerin, das sie in ihren Sommerferien dann schrieb.
Angela Sommer-Bodenburg liebt es auch nach 25 Jahren, Bücher über Anton, Rüdiger und Anna zu schreiben, weil sie beim Schreiben viel lacht und Spaß mit ihren Figuren hat. Als nächstes möchte sie einen ganz besonders gruseligen Band schreiben: Der kleine Vampir und die Gruselnacht.
Inzwischen erhält sie schon Leserbriefe von Eltern kleiner Vampirfreunde, die selber als Kind schon mit Begeisterung die Geschichten um den kleinen Vampir gelesen haben. Inzwischen ist Anton älter und reifer geworden und auch Anna hat sich von der "Zahnlosen" in die "Mutige" verwandelt. Wie schade, dass Anna nie, so wie sie es sich wünschen würde, mit ihrem menschlichen Freund Anton zusammen alt werden kann. Vampire werden doch nicht älter. Und können sich nicht einmal im Spiegel sehen.
Auf solche Fehler in Drehbüchern hat die Autorin dann auch die Drehbuchschreiber von Serien über den Kleinen Vampir hingewiesen. Ansonsten hat sie wenig mit der Kinoverfilmung und den beiden Fernsehproduktionen (1985 als deutsch-kanadische Produktion mit Gert Fröbe als Vampirjäger und Joel Dacks als frechem und doch melancholischem Rüdiger, 1993 vom WDR u.a. mit Jan Steilen und Angelika Milster) zu tun.
Joel Dacks, den Rüdiger der ersten Fernsehserie, findet die Autorin jedoch sehr gelungen, er verkörpert sehr gut, was Rüdiger für Anton so anziehend macht. Er spielt ehrlich und der Vampir wirkt nicht wie ein verkleidetes Kind. Dennoch hat sie glücklicherweise noch immer ihre eigenen Figuren im Kopf, die nichts mit den Schauspielern zu tun haben.
Das Schreiben, so sagt Angela Sommer-Bodenburg, ist wie eine Reise. Sie weiß nicht vorher, wie es endet. Und so kam es, dass ihr neuestes Buchprojekt, das erste Mal übrigens, dass eines ihrer Bücher in den USA spielt, für den Hauptdarsteller in New Mexiko endet. Und genau dorthin zieht die Autorin noch in diesem Jahr.
Acht Jahre, nachdem die Autorin ihren Lehrerberuf aufgegeben hatte, um sich ganz dem Schreiben zu widmen, erreichte sie eine Anfrage aus den USA für eine Verfilmung des Kleinen Vampirs. Um sich zu erkundigen, was das für eine Filmfirma sei, flog sie, voller Vorurteile, aus dem kalten Schleswig-Holstein im November 1981 nach Los Angeles. Und blieb.
Schreiben kann man überall, egal, ob am Nordpol, im Schleswig-Holsteiner Moor oder im warmen Kalifornien. Heute lebt sie mit ihrem Ehemann und zwei ungarischen Hirtenhunden in ihrem Haus in Kalifornien, malt und schreibt vormittags an ihren Kinderbüchern - gute Ideen kommen auch schon mal im Traum, daher liegt ein Notizblock gleich neben ihrem Bett.

(Foto: Iris Groschek)