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Die Hauptfigur Ihres Buches ist ein zehnjähriger Junge. Wie kommt es, dass zwei AutorINNEN sich für einen Helden und nicht etwa eine HeldIN entscheiden?
Als Autor trifft man keine solche "Entscheidung" - die Figuren entstehen aus der Phantasie heraus und die wiederum lässt sich nicht willentlich steuern. Man muss nehmen, was kommt - und bei uns war das Charlie und der wiederum kam als Junge zur Welt.
Mit Tieren sprechen zu können ist wahrscheinlich der Traum vieler Kinder (und auch Erwachsener ;-) Wann und warum haben Sie beschlossen, dass Ihr Held ausgerechnet "Katz" verstehen sollte? Wenn ich mich nicht sehr irre, dann leiden sowohl Sie als auch Ihre Tochter unter einer Katzenallergie, also gehe ich davon aus, dass Sie über keine "praktischen" Erfahrungen mit Katzen als Haustieren verfügen …
Auch das war alles andere als eine bewusste Entscheidung! Als Charlie wegrannte, waren es Katzen, denen er begegnete - das sind so ziemlich die einzigen Tiere, die sowohl in den Häusern der Menschen leben als auch ganz allein durch die Straßen streifen können.
Louisa, Sie sind die Enkelin eines sehr berühmten Mannes: Robert Falcon Scott. Seine Ehefrau, Ihre Großmutter, war eine bekannte Bildhauerin. Liegt die Tatsache, künstlerischen Ruhm zu erlangen, in der Familie und war es daher für Sie nur logisch, eine berühmte Autorin zu werden?
Um ganz genau zu sein: Capt. Scott war der erste Mann meiner Großmutter und ich bin ihre Enkelin aus zweiter Ehe … aber selbst wenn wir wirklich blutsverwandt gewesen wären, ist Ruhm sicherlich nicht erblich.
Wie lang haben Sie und ihre Tochter gebraucht, um Charlie Ashantis erstes und zweites Abenteuer zu Papier zu bringen?
Etwa fünf Jahre - von den ersten Gutenachtgeschichten, in denen unser Held eine Rolle spielte, bis zur endgültigen Version.
Und ließen Sie dabei eine gewisse Disziplin beim Schreiben walten, sprich: Hatten Sie einen täglichen Termin mit Charlie und seinen Freunden (und Feinden! ;-) oder eine wöchentliche Anzahl Seiten, die Sie fertig stellten?
Nein! Isabel muss ja zur Schule gehen, aber für mich (Louisa) ist das Schreiben mein Brotjob und daher arbeite ich kontinuierlich so lange und so intensiv an einer Sache, bis sie fertig ist.
Was passierte, nachdem der erste Band so ein großer Erfolg war? Hat Ihnen das einen Energieschub gegeben oder hat die enorme öffentliche Aufmerksamkeit Sie eher ein bisschen gelähmt?
Es war einfach klasse! Natürlich ist es manchmal echt aufwändig - all diese Interviews und dann die Pressereisen nach Thailand und New York … aber, nein, wir beschweren uns nicht.
Ihr zweites Buch spielt in Venedig - das dritte irgendwo in der Karibik. Sind Sie tatsächlich überall hin gereist, um das Setting Ihrer Romane möglichst authentisch zu gestalten oder woher haben Sie Ihre genauen Ortskenntnisse (in "Lionboy" erhält der Leser ziemlich detaillierte Beschreibungen der einzelnen Locations)?
In Paris sind wir die Strecke abgegangen, um nachzuprüfen, ob das auch alles so hinhaut, wie wir es uns vorgestellt hatten; den venezianischen Palazzo am Canale Grande aus Band zwei haben wir frei erfunden, und was den karibischen Teil anbetrifft, so arbeiten wir gerade an der Erschaffung einer ganzen Insel. Es macht uns Spaß, echte Details mit unserer Fantasie zu mischen.
In Kapitel 13 taucht Mabel Stark auf, eine Tigerdompteuse, die - was vielleicht nicht jeder weiß - tatsächlich gelebt hat (sie starb 1968 und ihre Biografie, die im Juli 2004 in Deutschland erschienen ist, wird mit Kate Winslet in der Hauptrolle verfilmt).
Das war sehr witzig. Isabel und ich hatten uns aufs Land zurückgezogen um an "Lionboy" zu arbeiten. In unserer Gesellschaft befand sich eine Freundin, die Drehbuchautorin Francesca Brill. Und die wiederum schrieb genau zu diesem Zeitpunkt am Buch für den Film über Mabel. Ihre Tiger und unsere Löwen zusammengenommen ergaben eine ganz schön beeindruckende Menagerie … auf jeden Fall mochte ich Mabel und baute sie zum Spaß in unser Buch ein, tja und plötzlich entwickelte sie ein Eigenleben als Nebenfigur. (Übrigens: Das Buch, auf dem der Film basiert, ist keine Biografie, sondern ein Roman, dem das Leben der Dompteuse zugrunde liegt). A.d.R., die "Das Geständnis der Mabel Stark" mittlerweile gelesen hat: Kein Wunder, dass dieser ungemein aufregende, stellenweise aberwitzige, durchaus auch deftige, aber stets fesselnde Stoff rund um eine ungemein starke Persönlichkeit förmlich nach Verfilmung schreit!
Aber auch Ihrem "Löwenjungen" ist es bestimmt, demnächst die Kinoleinwände dieser Welt zu erobern: Steven Spielbergs Produktionsfirma Dreamworks hat bereits die Rechte erworben. Wen würden Sie denn gern in den Rollen von Charlie, seinen Eltern, Bösewicht Rafi, König Boris und dessen Diener Edward sehen?
Zu diesem Thema haben wir eine Menge Ideen - Herbert Lorn als König Boris wäre in unseren Augen eine hervorragende Wahl, oder vielleicht Stephen Fry oder Peter Ustinov (ja, ich weiß, dass zwei der Genannten leider nicht mehr unter uns weilen); Christopher Walken könnte einen hervorragenden Major Tib abgeben, Humphrey Bogart wäre perfekt als Edward, Rafi könnte von einem zwanzig Jahre jüngeren Jonny Depp gespielt werden, Julianne Moore oder Alex Kingston sähen wir gern als Magdalen und einen englischen Samuel Jackson (gibt es so einen?) als Aneba. Charlie müsste ein außerordentlich talentierter Nachwuchsschauspieler sein - vielleicht mein Neffe Fred Adomakoh.
Und Sie selbst? Würden Sie auch gern mitspielen?
Nein!
Was wird geschehen, wenn Charlies Abenteuer einmal zu Ende sind? Wird das Autorenduo "Zizou Corder" seine erfolgreiche Karriere fortsetzen und wenn ja, wovon wird der nächste Roman handeln?
Kann schon sein, dass wir weitermachen. Wir sprühen vor Ideen! Aber zunächst einmal hat Isabel noch einen ganz wichtigen Job vor sich: Sie muss jetzt erst mal ein Teenager werden. Es könnte also sein, dass sie zu beschäftigt sein wird, um mir zu helfen.
Da www.krimi-forum.de ein Internetportal ist, interessieren wir uns natürlich für Ihre Surf- und Recherche-Gewohnheiten. Sind Sie häufig online - privat und beruflich? Und haben Sie einen Linktipp für uns?
Ich liebe es, meine Recherchen mit Hilfe des Internets durchzuführen - nur schade, dass ich nie das finde, was ich suche, sondern nur jede Menge anderer Dinge. Gibt es auf deutsch den Begriff "SERENDIPITY"? Es bedeutet, per Zufall auf etwas Fantastisches zu stoßen, nach dem man gar nicht gesucht hat.
Und nun die allerletzte Frage: Haben Sie vor, nach Deutschland zu kommen, um Ihr Buch vorzustellen? Und wenn ja - wo können wir Sie persönlich kennen lernen?
Ja, wir werden im Herbst zur Buchmesse nach Frankfurt kommen und auch ein paar andere Orte besuchen - die genauen Einzelheiten arrangiert unser Verlag. (A.d.R. Sobald man uns diesbezüglich Näheres mitteilt, werden wir das an dieser Stelle natürlich veröffentlichen)
Vielen Dank, dass Sie sich die Zeit genommen haben, unsere Fragen zu beantworten!
Bitte! (A.d.R.: Dieses Schlusswort kam direkt auf Deutsch!)
Dieses Interview führte Chefredakteurin Michaela Pelz per E-Mail im Juli 2004.
(Foto: Richard H. Smith)
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