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Buchmesse – Donnerstag – viertel vor drei … Noch ist die Hallentemperatur erträglich, die Frisur sitzt, das am Random-House-Stand zahlreich versammelte Publikum auch … nur für die Interviewerin und ihre Gesprächspartnerin Andrea Schacht wird es eng. Doch letztere weiß Rat: Zügig geht die Frau mit dem Zopf zu einem der großen Holzpodeste neben der „Audio-Abteilung“, setzt sich mehr oder weniger bequem hin und gibt das „Go“ für die erste Frage.
Frau Schacht, in welche Bredouille hat Sie Ihr „loses Mundwerk“ zuletzt gebracht – oder, anders gefragt: Ist der Charakterzug der Begine Almut, zuweilen ein wenig vorlaut zu sein, etwas, das Sie aus eigener Erfahrung kennen oder beruht alles auf einer ungemein lebendigen Vorstellungskraft?
Ein solch loses Mundwerk wie meine Almut besitze ich nicht – kann es mir aber sehr gut vorstellen ...
Fach-Dispute oder auch hitzige Wortgefechte in einer Domäne, die überwiegend von Männern beherrscht wird … Für Ihre Heldin Almut bedeutet das eine aktive Auseinandersetzung mit der Heiligen Schrift, die im Mittelalter tendenziell den Priestern vorbehalten war. Sie hingegen haben lange als Wirtschaftsingenieurin gearbeitet – welche Parallelen gibt es da?
Almut ist eine Ketzerin, ganz klar. Sie geht gegen herrschende Normen vor – das habe ich in diesem Sinne nicht getan. Andererseits habe ich, das stimmt schon, immer versucht, mich mit Disziplin und Entschiedenheit dort durchzusetzen, wo ich gerade tätig war – auch wenn es sich dabei um eine Männer-Domäne handelte.
Wie kamen Sie gerade auf den Berufsstand einer „Begine“ für Ihre Heldin? Der Begriff ist sicherlich vielen Lesern zunächst nicht sehr geläufig.
Auch ich wusste, bevor ich mit dem ersten „Almut“-Buch anfing, nichts über Beginen.
Und gab es diese Beginen nur in Köln?
Nein, sie waren in vielen Handelsstädten vertreten – etwa Nürnberg oder Hamburg. Auch in anderen europäischen Ländern, zum Beispiel in Frankreich konnte man sie finden.
Das ist ja interessant. Haben Sie das dortige Haus besucht?
Nein, das nicht. Aber ich habe ihnen eine Email geschickt, dass die Hauptfigur meiner Romane eine Begine ist.
Wie lange haben Sie gebraucht, um den kompletten „Cast“ Ihrer Romane zusammenzustellen, sprich: Die immer wiederkehrenden Figuren und Nebenfiguren auszuarbeiten? Wer – außer der Heldin selbst – stand von Anfang an fest, wer kam im Lauf der Zeit hinzu?
Es gab sowohl Figuren, die von Anfang an fest standen als auch solche, die sich nach und nach erst entwickelt haben.
Gibt es noch andere Charaktere, die Sie besonders lieben?
Das taubstumme Mädchen, Trine, habe ich sehr gern. Sie, meine kleine „Schnüfflerin“, wird garantiert immer eine Rolle spielen.
War die Begine Almut von Anfang an als Serienheldin konzipiert oder haben Sie nach dem Ende des ersten Bandes festgestellt, dass es da noch eine Reihe Geschichten gibt, die Sie gern erzählen würden?
Ja. Ich wusste von Anfang an, dass ich eine Serie schreiben wollte und habe auch bereits eine ganz gute Vorstellung davon, wie viele Bände es werden sollen.
Was hat Sie an der Stadt Köln so gereizt, dass Sie sie zum Schauplatz Ihrer Geschichten gemacht haben?
a) Köln hat eine ungeheuer gut dokumentierte Geschichte und ist daher eine wunderbare Fundgrube für einen Autor historischer Romane.
Stichwort: Zeitreise. In Ihre Almut Romane haben Sie auch „echte“ historische Persönlichkeiten eingebaut. Wenn Sie es sich aussuchen könnten? Mit wem würden Sie wann welches Getränk zu sich nehmen wollen – und warum gerade mit dieser Person?
Mit dem Dombaumeister Michael säße ich gern bei einem Glas Wein. Wein deswegen, weil DAS Bier, das seinerzeit u.a. mit Bilsenkraut gebraut wurde, unseren Gaumen sicherlich nicht sehr zuträglich wäre.
Und zum Schluss die Frage: Was können Ihre Leserinnen aus dem Jahr 2004 von der Kölner Begine Almut Bossart (Jahrgang 1349) lernen und in ihrem heutigen modernen Leben zur Anwendung bringen?
Die Frauen von heute haben schon gelernt, selbständig zu sein. Damals brauchte man mehr Mut und einen gewissen Pragmatismus.
Und worauf dürfen sich Almut-Fans als nächstes freuen?
Band drei liegt dem Verlag schon vor. Und wenn Sie wissen wollen, worum es geht, dann kann ich Ihnen verraten, dass eine kopflose Frauenleiche im Männer-Kloster Groß St. Martin gefunden wird. Unbekleidet ...
WIR DANKEN FÜR DIESES GESPRÄCH.
Mit Andrea Schacht sprach Chefredakteurin Michaela Pelz
(Foto: Dr. Berit Böhm)
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