Dieter Nuhr ...

Hallo, ich bin's - Nuhr!
So stellt er sich vor, der Spezialist für hintergründige Alltagsbetrachtungen, dessen großer Erfolg wohl nicht zuletzt darin begründet liegt, dass er genau weiß, was seine Zuschauer bewegt. Denn jedem ist mindestens eine der mal liebevoll, mal böse, aber immer treffend geschilderten Episoden nur allzu vertraut.
Ganz egal, ob es dabei um "Mensch und Technik" (vom multifunktionalen Handy, das man(n) einfach besitzen muss bis zum Kühlschrank mit Internetverbindung), um "Aggressionen im Alltag" (ob gegen Nachbars vierbeinigen Freund oder die Politesse von der Straße), um das ewige Thema "Männer und Frauen" oder um die Frage geht, wo Gott war, als zum x-ten Mal der Sahnebecher in der Einkaufstasche auslief.
Seinem Geschick, die Dinge auch sportlich auf den Punkt bringen zu können, verdankt der Wahl-Düsseldorfer regelmässige TV-Einsätze bei allen großen Sportereignissen - von Fußball (EM und immer wieder WM) bis Leichtatlethik.
Auch sonst ist der Vater einer Tochter hörfunk- und fernsehtechnisch gesehen überaus präsent, und zwar immer da, wo es etwas zu lachen gibt - ob nun privat oder öffentlich-rechtlich.
Und nach wie vor begeistert er sein altersmäßig vom Schüler bis zum Rentner bunt gemischtes Publikum durch zahlreiche Live-Shows; in großen Hallen, in denen Tausende sich von seinen Worten und Auslassungen, der ungemein ausdrucksstarken Mimik und sparsamen Gestik mitreißen lassen, ebenso wie in kleinen Clubs, die er "zum Dank dafür, dass man mich dort schon auftreten ließ, als mich kein Schwein kannte" nach wie vor bespielt.
Dabei hat der 1960 geborene Künstler auch keine Berührungsängste vor schwierigen und unbequemen Themen - sicherlich mit ein Grund dafür, dass er mit zahlreichen Auszeichnungen (u.a. dem Deutschen Kleinkunstpreis und dem Bayerischen Kabarettpreis) bedacht wurde.
Wer nun Appetit bekommen hat auf noch mehr vom und über den Mann, der trotz (oder gerade wegen?) seines abgeschlossenen Kunst- und Geschichtsstudiums die Menschen seit 1987 mit Kabarett erfreut, der sollte sich auf keinen Fall einen Besuch auf www.nuhr.de entgehen lassen.
Nicht nur kann man sich dort das mittlerweile geflügelte "Fresse halten" per Audio File von Nuhr höchstselbst anempfehlen lassen, sondern es gibt auch die Möglichkeit, in der Rubrik "Notizen", seine pointierten Kommentare zu Gott und der Welt ausgiebigst in schriftlicher Form zu genießen. Abgerundet wird das Angebot durch E-Cards, Sounds zum runterladen, das putzige und doch so gemeine Krötenspiel und natürlich die Tourneedaten (aber, Achtung! Schnell reservieren! Seine Vorstellungen sind regelmäßig im Handumdrehen ausverkauft!).
Und was ist mit Literatur? Hier schwört der gebürtige Niederrheiner entweder auf Lieblingsautor Haruki Murakami oder, in Punkto Krimi darauf, das Angehme mit dem Nützlichen zu verbinden. Denn: er

liest ...

Henning Mankell: Mittsommermord - Hörspiel

Wer wie ich als Tourneekünstler permanent im Auto unterwegs ist, der muss manchmal einfach andere Prioritäten setzen als der Fleischwarenfachverkäufer von nebenan. Dazu zählen nicht nur Überlegungen, ob der Kaffeepreis in Katzenfurt wohl konstant geblieben ist oder das WC in Wonnegau immer noch so pikobello sauber, sondern auch "Wie bleibe ich wach und aufnahmefähig von Hannover bis Ohrenbach?"
Genau zu diesem Behufe (und auch, weil ich zuweilen ganz gern einer anderen Stimme als der meines sanft säuselnden Naviationssystems lausche) habe ich Hörbücher und Hörspiele wiederentdeckt. Und wo ich mich vor über dreißig Jahren von James Krüss "Sängerkrieg der Heidehasen" fesseln ließ, da darf es heute gern ein Mankell sein. Die nach seinen Bestsellern produzierten Hörspiele (die von Mal zu mal besser werden) sind spannend und zugleich unterhaltsam, wenn auch zuweilen düster und beklemmend - also ganz wie ihre Vorlagen.
Im Unterschied dazu (und erst recht zu den Roman-Verfilmungen) werden jedoch auch brutalste Details elegant aufgefangen, die Leichen fast liebevoll beschrieben. Das ist mir wichtig, denn im Grunde bin ich ein sehr zartbesaiteter Mensch, der diese Form von Blut und Tränen wesentlich besser ertragen kann als ausufernde Beschreibungen von abgetrennten Gliedmaßen und nach außen gekehrten Gedärmen.
Und da ich vorhabe, noch recht lange auf den Autobahnen Deutschlands unterwegs zu sein, hoffe ich, dass es noch recht viele Hörspiele um Kommissar Wallander geben wird.

Das einzige Problem, das mir in diesem Zusammenhang noch manchmal Schwierigkeiten bereitet, ist die Tatsache, dass ich nach intensivem Hörgenuß stets nach diesem Schild Ausschau halte: "Nächste Ausfahrt Ystad!"

(Foto: privat)