Das Buch direkt bei Amazon bestellen Stephen Dobyns
Jimmys Fehler - Ein Saratoga-Krimi

(3. Band Charlie Bradshaw)
Original: Saratoga Headhunter
Fischer TB
ISBN 3-596-14858-8

Es sieht gar nicht gut aus für Charlie Bradshaw, als er eines Tages die Leiche eines ehemaligen Jockeys zu Hause an seinem eigenen Esstisch vorfindet. Außerdem fehlt der Leiche der Kopf.
Bei dem Toten handelt es sich um Jimmy McClatchy. Charlie hatte ihm einige Tage Unterschlupf gewährt, denn der Jockey sollte als Kronzeuge in einem Prozess vor einem New Yorker Geschworenengericht auftreten, bei dem es um Schiebereien im Pferderennsport geht und um die illegale Beeinflussung von Wetten.
Über ein Dutzend Leute sind aufgrund von McClatchys Aussage in früheren Prozessen schon ins Gefängnis gewandert. Die Frage ist nun, wer in diesem konkreten Fall so dringend daran interessiert war, den Jockey endgültig zum Schweigen zu bringen.
Der erste Verdächtige ist Charlie selbst. Der ehemalige Polizist in Saratoga, das in den USA für seine Pferderennbahn berühmt ist, hat sich vor kurzem als Privatdetektiv selbständig gemacht. Sein früherer Vorgesetzter, Chief Peterson, kann ihn nicht leiden und kommt ihm andauernd in die Quere. Er geht selbstverständlich davon aus, dass Charlie mit McClatchy konspiriert hat.
In Saratoga, wo jeder jeden kennt, muss Charlie nun alles daran setzen, den Mörder zu finden, um seine Unschuld zu beweisen.
Pech für ihn, dass er immer dann in der Nähe ist, wenn es weitere Tote gibt ...

Rezension:
46 Jahre alt, Ex-Bulle, dann Chef des Sicherheitsdienstes eines Rennstalls, jetzt Privatschnüffler mit Skrupeln.
Ein Kerl, der Western und Musikkomödien liebt, dessen Mutter ihr ganzes Geld verzockt und mit Mitte 60 als Kellnerin jobbt, um über die Runden zu kommen, der sein latentes Übergewicht durch Schwimmen bekämpft und sich noch immer vor seiner Ex-Frau und den erfolgreichen Cousins fürchtet.
Mit einem Herzen aus Gold, was von denen, die auf dieser Klaviatur zu spielen wissen, weidlich ausgenutzt wird.
In anderen Worten: ein Loser, der nur seine Ruhe haben möchte.
Immun gegen Spott und Hohn, Bestechungsversuche und Drohungen, langmütig und friedfertig - SO LANGE MAN IHN NICHT ZU SEHR REIZT. Denn wenn in seiner Behausung gemordet, sein Wagen zerlegt, seine Freunde ermordet werden, dann hört für Charlie der Spaß auf!
Dobyns portraitiert in seiner "Saratoga"-Serie keinen "Hoppla-jetzt-komm-ich-Superhelden", sondern einen bis zu einem gewissen Punkt bedauernswerten Mann mittleren Alters, der so viel Pech hat, dass der Leser am liebsten zwischen die Seiten des Buches steigen möchte, um ihm ein wenig zur Hand zu gehen.
Dass dies nicht nötig ist, da zum Glück an strategisch wichtigen Punkten der Handlung sowie am Ende doch wieder alles ins Lot kommt, erhöht das (zuweilen mit diebischer Schadenfreude verbundene) Lesevergnügen.
Der Plot ist gut durchdacht, der Autor schafft es, die Spannung bis zum letzten Kapitel zu halten und alle losen Enden befriedigend zu verknüpfen.
Obwohl sich der Leser über einen Mangel an Action nicht beklagen kann (zumindest gibt es eine Menge Scherben und auch so manchen Toten), ist der Roman ein bisschen wie sein Protagonist: solide konstruiert, mit einer guten Portion Humor, nicht überwältigend temporeich, aber zuverlässig unterhaltsam und stimmig bis zum Schluss.
Ein gutes Buch mit sympathisch "menschlichen" Figuren, das jeden bis dato "Dobyns"-Unkundigen mit Sicherheit zur Anschaffung eines weiteren Romans dieses Autors veranlasst.

Miss Sophie