Das Buch direkt bei Amazon bestellen Udo Ulfkotte
Gencode J

Eichborn gebunden
ISBN 3-8218-0860-8

Abraham Meir, Geheimdienstchefs des Mossad in Europa, ist jedes Mittel recht, wenn es darum geht, Israel gegen den äußeren und inneren Feind zu verteidigen.
In seinem wahnhaften Hass gegen die arabische Welt ist er bereit, das Äußerste zu wagen und ohne Skrupel mit der Entwicklung biologischer Waffen an der Vernichtung der Araber zu arbeiten.
Unversehens gerät der deutsche Industrielle Fleischmann in eine Schlüsselrolle, da seine Firma Programme herstellt, die Meris Aktivitäten im Wege stehen.
Ein Wettlauf gegen die Uhr beginnt, denn jeden Moment kann die entscheidende E-Mail des Mossad-Maniacs im Nahe Osten das große Sterben auslösen: "Die Zeit ist reif für den Messias!".

Rezension:
Hätte es die Terroranschläge vom 11. September nicht gegeben, die Anthrax-Attacken auf amerikanische Kongressabgeordnete und Journalisten und all die Spekulationen über mögliche biologische und chemische Waffen im Besitz von Terroristen - hätte es das alles nicht gegeben, wäre Udo Ulfkottes Thriller sang- und klanglos in die Regale der Thriller-Fans gewandert, gleich neben die Fiktionen von Frederic Forsyth oder Jeffrey Archer.
Nach dem 11. September gelesen, erzeugt der Roman ein bizarres Gefühl von Absurdität, weil er nahezu alle Ereignisse und Themen der Terror-Diskussion von Ende 2001/Anfang 2002 in ein Szenarium bettet, das die Wirklichkeit um fast 180 Grad dreht.
Biologische Waffen in den Händen von Glaubensfanatikern - in Ulfkottes Fiktion ist es die "ethnische Bombe", die der radikal-fundamentalistische israelische Geheimdienstmann Abraham Meir gegen die arabische Welt einsetzen will.
Flugzeuge, die von Selbstmordpiloten in Gebäude gesteuert werden - hier ist es ein fanatischer Anhänger von Meirs Plan, der mit seinem Kampfjet den Felsendom zerstört.
Die Koordinierung der Terrorgruppen mit dem Internet - bei Ulfkotte genügt eine e-mail, um den Plan in Gang zu setzen.
Irritierende Parallelen in den Details, die einen allerdings nicht dazu verleiten dürfen, das Buch als mehr zu sehen als das, was es ist - oder besser: ohne den 11. September gewesen wäre.
Ulfkotte hat ohne Zweifel viel Material über die Möglichkeit einer ethnischen Bombe zusammengetragen, einer biologischen Waffe, die alle tötet, die nicht über zuvor definierte genetische Merkmale verfügen.
Die Art und Weise, wie er dabei seine alten Reportagen und Recherchefrüchte aus seinem Job als Redakteur bei einer großen Frankfurter Zeitung zu einer Thriller-Fiktion formt, ist so schlecht nicht: die rasanten Wechsel der Schauplätze absolviert er routiniert, ebenso wie das Hierarchie-Hickhack in der Polit-Bürokratie und das ständige Kompetenzgerangel der Geheimdienste.
Dass die Flugpläne ebenso stimmen wie die Hotelzimmer und die Straßennamen in London, Frankfurt und Jerusalem nehmen wir einmal als gegeben an und stören uns lieber nicht daran, dass bei der Zeichnung der Charaktere vielleicht die gleiche Sorgfalt Not getan hätte.
Doch damit haben sich auch Frederic Forsyth und Jeffrey Archer noch nie groß abgegeben, und deshalb hat sich Ulfkotte seinen Platz im Buchregal gleich neben den beiden auch redlich verdient - und das heißt zugleich auch, ein ganzes Stück unter John le Carré und Eric Ambler.

Reinhard Jahn