Das Buch direkt bei Amazon bestellen Alex Capus
Fast ein bisschen Frühling

Residenz gebunden
ISBN 3-7017-1286-7

Zwei arbeitslose junge Burschen wollen 1933 aus Nazideutschland fliehen.
Um sich das Reisegeld zu beschaffen, überfallen sie eine Bank, wobei sie versehentlich den Filialleiter erschießen.
Auf der Flucht in den Süden kommen sie nicht weit: In Basel verliebt sich der eine in eine Schallplattenverkäuferin. Tag für Tag kauft er eine Tango-Platte, bis das Geld aufgebraucht ist und der nächste Banküberfall nötig wird.
Abend für Abend gehen die drei am Rhein spazieren. Mit von der Partie ist eine junge Sportartikelverkäuferin, die dreißig Jahre später die Großmutter des Erzählers sein wird und die sich entscheiden muss zwischen einem Bankräuber und ihrem Verlobten.

Rezension:
Eine Perle unter den Neuerscheinungen ist dieses dünne Buch.
Am Ende weiß der Leser auch nicht warum oder wieso diese zwei jungen Burschen so viele Menschen erschossen haben, aber er hat noch lange nach dem Lesen die Bilder im Kopf, die fast ein bisschen Frühling entstehen lassen.
Die kurzen Szenen durch Sternchen getrennt, mal in der Ich-Perspektive, mal in Form eines Zeitungsberichts, dann wieder gestaltet als Dialoge berichten von der Odyssee der beiden, die quer durch Europa nach Indien wollen und immer wieder in Basel hängen bleiben.
Anfangs gehen sie mit zwei Verkäuferinnen spazieren. Marie, die eine, ist die Großmutter des Erzählers und Dorly, die andere wird die beiden später der Polizei ausliefern.
Wie nah sind sich die vier Spaziergänger gekommen? So nah zumindest, dass Marie ihr Leben lang mit Sehnsucht daran denken wird.
Trotz allem ist es auch ein lustiges Buch, es lebt von der Leichtigkeit mit der groteske Situationen beschrieben werden. Die Männerfreundschaft der beiden Bankräuber bleibt ein poetisches Rätsel. Noch lange spielen die Kinder in Basel anstatt Räuber und Gendarm, "Sandweg und Velte, und jeder wollte Räuber und keinesfalls Polizist sein..."
Ein Jahr später werden Bonnie und Clyde von 167 Schüssen durchsiebt, anders als Sandweg und Velte.
Der Roman (und die wahre Geschichte) spielt 1933, während in Deutschland andere Mörder wüten.

K. Ara

 

Gastrezension(en):


Name: M.Thurston
Email: M.Thurston@freenet.de
Datum: 16.3.2003 (23:44)

ein wunderbar traurigleichtes Buch.Eine unwiderstehliche Entfhrung.