Das Buch direkt bei Amazon bestellen Patricia Highsmith Irene Rumler
Ediths Tagebuch

Original: Edith's Diary
Deutsch von Irene Rumler
Diogenes gebunden
ISBN 3-257-06417-9

Eine Mutter notiert in ihrem Tagebuch, was sie bewegt: Ihr Ehemann trägt sie auf Händen, Sohn Cliffie brilliert an der Elite-Universität Princeton; die Mädchen und die Firmen reißen sich um ihn. Edith selbst macht Karriere als Journalistin.
Das ist die Welt, die sie gerne hätte.
Doch was Edith Howland in ihrem Tagebuch notiert, sind Tagträume, ist eine Wunschwelt...

Rezension:
Zwanzig Jahre im Leben einer Frau - von der Mitte der Fünfziger bis zum Zeitpunkt, als Gerald Ford als amerikanischer Präsident amtiert.
Zwei Jahrzehnte akribisch festgehalten in Tagebuchaufzeichnungen in der Ich-Form.
Doch die Texte, die das wirkliche Leben der Autorin, Edith, nachzeichnen, sprechen eine andere Sprache. Denn aus anfänglich den Tatsachen entsprechenden Eintragungen werden nach und nach Wunschgedanken. Den fetten, schwammigen Sohn lässt sie auf dem Papier schlank und drahtig werden, schenkt ihm beruflichen Erfolg, ein erfülltes Privatleben - und führt so den Sinn und Zweck eines Tagebuchs komplett ad absurdum.
Nach und nach beginnt die mittlerweile als Verkäuferin arbeitende Edith, die nebenher Artikel für ein Untergrundmagazin schreibt und versucht, eine eigene regionale Zeitung aufzuziehen, sich ein zweites Leben aufzubauen - eine Parallelwelt, die im Wesentlichen um ihren Sohn, später dann auch um ihren Gatten kreist.
Und wo sie zunächst noch sehr wohl erkennt, dass das, was sie tut, ein bewusstes Beugen der Wahrheit darstellt - womit sich Edith auch auseinandersetzt -, führen die diversen einschneidenden Ereignisse in ihrem Leben (u.a. der Tod zweier ihr nahe stehender Verwandter, bei dem zumindest in einem Fall ein Fremdverschulden nicht ausgeschlossen werden kann, wenn es auch nie bewiesen wird) dazu, dass sie Traum und Wirklichkeit nicht mehr unterscheiden kann und mehr und mehr in die Schizophrenie abdriftet.
Wirklich brillant, wie Highsmith in diesem Roman das tragische Schicksal einer Frau beschreibt, die an ihrem "normalen" Leben erst scheitert, dann komplett zerbricht - ohne dass ihre Umwelt (zunächst) auch nur den Verdacht hat, etwas könne nicht in Ordnung sein.
Jedes Mal, wenn sich etwas Gravierendes in der Realität ereignet, treibt die Phantasie der zutiefst Verwirrten bunte Blüten, dessen Produkt sich auf den Seiten des Tagebuchs stets als eine besonders positive Entwicklung niederschlägt.
Am Ende steht, wie so oft bei der Erfolgsautorin, der Tod … Wobei dieser im konkreten Fall nur den äußerlichen Schlusspunkt eines Lebens setzt, das bereits viel, viel früher aus den Fugen geraten ist und sich aufgelöst hat.
Ein ausgesprochen aufwühlendes, verstörendes und packendes Buch - eines der besten von Patricia Highsmith.

Maxie Mandel

 

Gastrezension(en):


Name: renate seitz
Email: renate.seitz@arcor.de
Datum: 21.5.2016 (17:48)

fast zwanzig jahre nach der lektre , habe ich mir ediths tagebuch nun als hrspiel angehrt. das htte ich nicht tun sollen. es war noch schrecklicher. verstrend fand ich schon beim ersten lesen, dass die highsmith keine spur von empathie fr ihre - ganz offensichtlich kranke, berforderte - protagonistin hat, sie beobachtet fakten und hlt sie fest, wie ein forscher bei einen mehrjhrigen tierversuch. man vergisst total, dass edith und ihre widerwrtigen mnner nur fiktion sind. das ist fast unertrglich. man mchte das buch zur seite legen, den cd-player ausschalten. man schafft es nicht. man muss bis zum ende durchhalten. man hasst die autorin. sie war einfach die grte.