Das Buch direkt bei Amazon bestellen Christa von Bernuth
Damals warst du still

(3. Band Mona Seiler)
Goldmann gebunden
ISBN 3-442-31061-X

Bei der nächtlichen Observierung einer Diskothek findet der Drogenfahnder David Gerulaitis eine Leiche, in deren Rücken post mortem Buchstaben eingeritzt wurden. Die Identität des Toten ist schnell geklärt: Es handelt sich um den Sohn des bekannten Familientherapeuten Fabian Plessen.
Kaum hat Kriminalhauptkommissarin Mona Seiler zu ermitteln begonnen, taucht eine zweite Leiche auf: Trotz der starken Verwesung ist deutlich zu erkennen, dass auch in den Körper von Sonja Martinez Buchstaben eingekerbt wurden.
Als Mona erfährt, dass Frau Martinez bei Plessen in Behandlung gewesen war, schleust sie Gerulaitis in eine der Therapiegruppen ein. Mona misstraut dem Therapeuten – und merkt erst viel zu spät, dass Plessen selbst in höchster Gefahr ist ...

Rezension:
Familienaufstellungen à la Hellinger, bei denen aus einer Therapiegruppe Stellvertreter für die Mitglieder der eigenen Familie gewählt werden, um auf diese Weise unterschwellige Beziehungen und Konflikte sichtbar zu machen und dadurch zu einer Lösung zu bringen: Sind sie Segen oder Fluch?
Das fragt sich der Leser unwillkürlich, wenn der in die Therapiegruppe eingeschleuste V-Mann während der Aufstellung mit den beunruhigenden Erlebnissen seiner Vergangenheit konfrontiert wird. Und findet keine allgemeingültige Antwort - ebenso wenig wie die Seminar-Teilnehmer selbst. Denn wo sich bei den einen erst atemlose Beklemmung, dann Befreiung einstellt, scheinen die Erkenntnisse aus der Familien-Anordnung für andere eine Bürde bilden, die sie fast nicht zu tragen in der Lage sind.
Es irrt allerdings, wer nun jedoch annimmt, Christa von Bernuths neuer Roman kreise ausschließlich um unterschiedliche psychoanalytische Therapie-Ansätze. Nicht falsch ist allerdings, dass das Thema "Familie" und die diversen Kindheitstraumata der Protagonisten ein zentrales Element und auch recht bedeutsam für die Handlung sind.
Monas mittlerweile zwar weit zurückliegendes, aber sie nach wie vor belastende Problem mit ihrer Trinker-Mutter weist erschreckende Parallelen zu den Erlebnissen des Täters auf. Sein Innenleben wird dem Leser nahe gebracht durch das, was fast schon als Markenzeichen der Münchner Autorin gesehen werden kann: Neben der Krimihandlung finden sich ausführliche Schilderungen aus dem Leben und der Gedankenwelt des Täters. Und fast - aber nur fast - möchte man Mitleid haben mit diesem ohne Elternliebe aufgewachsenen Problemkind … Wenn, ja wenn da nicht seine Entwicklung zum sadistischen Tierquäler und Mörder wäre …
Doch nicht nur mit Innenansichten wartet der gut gemachte Pageturner auf. Es gibt Verfolgungsjagden, Unfälle, Schicksalsschläge und Angriffe mit direktem Bezug zu den liebgewordenen Haupt- und Nebenfiguren.
Darüber hinaus darf der Leser an Monas "neuem" Leben teilnehmen (sie ist mittlerweile mit Anton zusammengezogen, verheimlicht dies natürlich jedoch immer noch in der Öffentlichkeit) und sich freuen, wie sich endlich doch daran macht, ihr Autoritätsproblem im Job offensiv anzugehen.
Blut wird vergossen - gegen Ende fast so viel wie in einem handelsüblichen amerikanischen Thriller - und auch Tränen nicht zu knapp, bevor sich am Schluss dann jeder Leser selbst fragen darf: Wer ist verantwortlich für das Leben, das Erleben, die Handlungen eines Menschen? Ist ein jeglicher seines eigenen Glückes Schmied - oder gilt es, im Jetzt und Hier die Schulden der Vergangenheit zu begleichen und die Missetaten von Ahnen und Urahnen durch eigenes Leid zu sühnen?
Fazit: Wie auch die beiden Vorgänger ist dieser Roman mitreißend und spannend bis zum bitteren und fast (aber nur fast) unbefriedigenden Ende. Alle losen Fäden werden verknüpft, alle offenen Fragen beantwortet - nur nicht die eine, die uns hoffentlich auch noch über ganz viele Bände mit der ebenso sympathischen wie menschlichen Heldin Mona Seiler begleiten wird: Ist der Vater ihres Kindes nun ein Gauner oder ist er es nicht?

Miss Sophie

 

Gastrezension(en):


Name: Barbara Kiel
Email: barbara.kiel@freenet.de
Datum: 5.11.2007 (21:49)

Bei der "ausfhrlichen Schilderung aus dem Leben...des Tters" sind Sachfehler eingeflossen, die wohl jedem Ostdeutschen ab einem passenden Alter auffallen. - Schler der 10. Klasse waren nicht mehr bei den Pionieren, sondern in der FDJ (ab 14. Lebensjahr, sptestens ab der 9. Klasse, wenn sie denn wollten) - Im Juli und August waren Ferien, da gab es keine Hausaufgaben zu machen; das neue Schuljahr begann immer am 1.9. -Der Tter war lt. Roman Anfang 1988 in der 10. Klasse und damit ab September in der 11. Klasse. Der Freund von von Bena war zwei Klassen hher. In der DDR gab es keine 13. Klasse. Das Abitur wurde mit der 12. Klasse erreicht. Diese Bemerkungen sollen Hinweise sein. Ansonsten finde ich den Roman recht unterhaltsam.