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Das andere Kind

Blanvalet gebunden
ISBN 978-3-7645-0279-9

In der beschaulichen nordenglischen Küstenstadt Scarborough wird eine Studentin grausam erschlagen aufgefunden.
Monatelang tappen die Ermittler im Dunkeln - dann geschieht ein ähnliches Verbrechen. Ein Zusammenhang zwischen den beiden Opfern ist dennoch kaum herzustellen.
Die ehrgeizige Polizistin Valerie Almond klammert sich an das allzu Offensichtliche: an ein Zerwürfnis innerhalb der Familie des zweiten Opfers.
Lange Zeit ist ihr der Blick jedoch verstellt für das Gift, das in dieser Familie wirkt, und dessen Ursprung sie bis weit in die Vergangenheit hinein zurückverfolgen müsste.
Bis hin zu einer grausamen Entdeckung an einem kalten Dezembertag vor dreißig Jahren. Und sogar bis in die Jahre des Zweiten Weltkriegs, als ein Kind auf geheimnisvolle Weise verschwand ...
Es dauert fast zu lange, bis Valerie Almond begreift, dass ein kranker Täter seinen Hass und seinen Rachedurst noch nicht gestillt hat. Entsetzt erkennt sie, dass es für ihr Eingreifen schon zu spät sein könnte ...

Rezension:
Heiß ersehnt und von den Fans mit großer Vorfreude bedacht: "Das andere Kind".
Und die hohen Erwartungen haben sich voll und ganz erfüllt!

Mit Halbheiten gibt sich Charlotte Link nicht zufrieden:
Schon der Auftakt gleicht einem Paukenschlag! Eine junge Frau macht im Dezember 1970 eine offensichtlich verhängnisvolle Entdeckung und gerät dabei in große Gefahr.

Eine Auflösung gibt es zunächst nicht - stattdessen springt die Handlung ins Jahr 2008, nach Scarborough, jenem beschaulichen nordenglischen Städtchen an der Küste, mit seinem Schloss, das den Blick freigibt auf die oft raue See. Und wer kennt nicht „Scarborough Fair“ von Simon und Garfunkel. Auch in diesem Song geht es um Liebe, jene romantische Schicksalsmacht, die doch oft so grausam sein kann in all ihren Ausprägungen.

Fast scheint es also logisch, dass die Figuren, die wir nun kennen lernen – charmante, rührende, aber auch starrsinnige und sehr zwiespältige, die dem Leser gleich ein wenig suspekt sind – ebenfalls alle irgendwie mit irgendwem emotional verbunden und verbandelt sind.

Etwa die unscheinbare, unbeholfene Gwendolyn Beckett, die noch mit Ende 30 bei ihrem Vater lebt. Eines Tages jedoch trifft sie den attraktiven Dave Tanner und, wie sollte es anders sein, verliebt sich in ihn. Kaum verwunderlich, dass einige ihrer nächsten Verwandten und Freunde von dieser Beziehung zwischen der wohlhabenden Frau und dem mittelosen Nachhilfelehrer nicht hellauf entzückt sind.
Der Eklat während der Verlobungsfeier ist somit fast vorprogrammiert.

Wer sich vor allem einmischt, ist Fiona Barnes. Die alte Dame verbindet eine ganz besondere Beziehung zu Gwendolyns Vater Chad.
Die Erklärung dafür erhält der Leser im zweiten Handlungsstrang, der sehr viel früher spielt, nämlich in den Jahren des zweiten Weltkriegs.
Einer Zeit, in der nicht nur Gewalt und Hunger den Alltag der Menschen bestimmte, sondern auch alle Familienstrukturen aufgebrochen wurden. Die Väter im Krieg, die Mütter in den Fabriken und die Kinder stets in Lebensgefahr. Oder aber evakuiert – aufs Land geschickt, weit weg.
Welches Schicksal sie dort erwarten würde – niemand wusste es. Ob sie Familienanschluss erhalten oder als billige Arbeitskräfte ausgebeutet werden würden – alles war möglich.

Die Art und Weise, wie die Autorin Gegenwart und Vergangenheit immer enger verzahnt, und gleichzeitig die beiden Mordfälle in dieses Geflecht aus Schuld und Sühne einbindet, ist sensationell.
So viele Verletzungen auf allen Seiten, Unrecht, das erlitten, aber auch begangen wird – fast fühlt der Leser körperlichen Schmerz über das, was die Figuren hier ertragen müssen.

Und während der Kreis der Verdächtigen sich mal auf eine Person konzentriert, dann überraschend wieder größer wird und während sich herausstellt, dass so mancher der Beteiligten wesentliche Informationen zu seiner Person verschwiegen hat, taucht der Leser tief ein in eine meilenweit entfernt scheinende und dabei noch gar nicht so sehr weit zurückreichende Vergangenheit.
Und immer wieder fragt er sich dabei: Was hätte ich in dieser Situation getan? Wie hätte ich mich gefühlt? Welche Lösung hätte es geben können?

Wenn Charlotte Link sich eines zeitgeschichtlichen Themas annimmt, dann erhält dies sofort eine völlig andere Dimension.
Wie muss es diesen Kindern wohl ergangen sein - von einem auf den anderen Moment komplett entwurzelt, hineinkatapultiert in eine völlig andere Welt, weg von allen Freunden, Verwandten, der vertrauten Umgebung.
Normalität in diesem Zusammenhang? Ein Fremdwort!
Sowohl in der Situation der Evakuierung als auch nach Kriegsende.
Wer will es solchen Menschen verdenken, völlig verstört zu sein, irrational zu handeln?

Vergangenheit und Gegenwart und immer wieder Menschen, die sich lieben und hassen, die zusammen nicht kommen und von einander nicht lassen können, die sich ergänzen oder bis ins Mark verletzen, fast symbiotisch verbunden sind oder keine Ahnung von den Gefühlen ihres Gegenübers haben ... die Spannung, die daraus und aus den unheilvollen und fast unabwendbaren Ereignissen erwachsen, ist kaum auszuhalten.

Prachtvoll, rundherum gelungen!Uunbedingt lesen, in einem Schwung verschlingen von der ersten bis zur letzten Seite!

Was am Schluss bleibt, ist, selbst wenn man das Ende kaum erwarten konnte, das Bedauern - nicht ungewöhnlich bei dieser Autorin, dass sie nicht noch hundert weitere Seiten angehängt hat ;-)

Dago / Miss Sophie

 

Gastrezension(en):


Name: doris
Email: leuchtturm2100@web.de
Datum: 30.6.2010 (21:05)

ich finde ihre bcher total spannend schreiben sie bitte,bitte noch mehr davon !!!!! :) ich mchte spter auch einmal autoren werden :) L.G Doris