Das Buch direkt bei Amazon bestellen H.P. Karr Walter Wehner
K.L.A.R. Krimi: Feuerspiele

Ein Ruhrgebietskrimi
Verlag an der Ruhr TB
ISBN 978-3-8346-0646-4
(ab 12 Jahren)

Alltag in Essen-Kray:
Ecki, Marlon und Carla haben mal wieder Stress mit der Gang aus dem Nachbarviertel.
Aber diesmal ist es ernst: Denn zufällig beobachten sie, wie ein Getränkemarkt in Flammen aufgeht - nachdem ihre Rivalen vor Ort waren.
Jetzt hat es nicht nur die brutale Gang auf die drei abgesehen, sondern auch die Polizei. Die verdächtigt sie nämlich, das Feuer gelegt zu haben.
Die Freunde wissen nur einen Rat: Die Gang hat die Brandstiftung gefilmt - an dieses Video müssen sie herankommen.
Marlon hat schon einen Plan ...

Rezension:
Alles nicht so einfach, wenn man sechzehn, siebzehn Jahre alt ist und in Essen-Kray wohnt.
Denn das "Revier" ist zuweilen auch ein Ort, an dem sich Leute tummeln, die sehr ungemütlich werden können, wenn man ihnen in die Quere gerät ...
Genau aber das passiert der sportlichen Carla, ihrem schniecken Kumpel Ecki und Marlon, dem die Dreizimmerwohnung in einem Hochhausblock auch nicht an der Wiege gesungen worden war.
Das Trio hat etwas gesehen, was besser im Verborgenen geblieben wäre, nämlich eine astreine Brandstiftung.
Die Täter - vier Jugendliche, die sic selbst "Kanaken" nennen, mit Drogen dealen und von denen einer schon die Schule verlassen musste, weil er einen Lehrer verprügelt hatte.
Dieses Quartett ist nicht zimperlich - nicht nur, dass es gern mal Prügel austeilt, es schreckt auch nicht davor zurück, andere in lebensbedrohliche Situationen zu bringen, um die Aufdeckung der eigenen Untaten zu verhindern.
Das müssen Carla, Ecki und Marlon auf bittere Weise erfahren, nachdem es ihnen um ein Haar gelungen wäre, den "Kanaken" ein Schnippchen zu schlagen und sich von falschen Verdächtigungen zu befreien.
Am Ende geht es dann um ein Menschenleben und das ist wahrlich kein Spiel mehr ...

Temporeich in Szene gesetzt, ist diese Geschichte, in der die Underdogs in der Überzahl sind.
Auch wenn immer wieder aufblitzt, dass einer der kleinkriminellen Gesamtschüler im Grunde vielleicht ein ganz annehmbarer Typ wäre (stünde die Reviermentalität nicht zwischen ihm, seiner Gruppe und den anderen), haben doch alle dieser Kids - egal auf welcher Seite sie stehen - große Probleme und ein eher bescheidenes Leben.
Die eine ist mit einer nervigen Stiefschwester geschlagen, die Eltern der Jungs interessieren sich nur marginal für das, was ihre Kinder so treiben oder sind gefangen in eigenen finanziellen und psychischen Problemen.
Gemeinsam ist allen Beteiligten, dass sie möglichst wenig mit der Polizei zu tun haben wollen.
Allerdings führt genau das im Endeffekt auch zu größten Schwierigkeiten.

Die Personen sind sehr gut charakterisiert:
Carla, die schweigende Marathonläuferin. Ecki, der mehr Zeit beim Styling im Bad verbringt als mit der Vorbereitung auf den nächsten Schultag. Morton, dessen Mutter sich pünktlich abends um acht mit Pillen abschießt und der ein geniales Geschäftsmodell entwickelt hat, bei dem er durch den Verkauf alter Klassenarbeiten mit dazugehörigen Lösungen die eigene Kasse und gleichzeitig das Notenbild der Mitschüler aufbessern kann.

Diese Momentaufnahme einer Jugend in einem sozialen Brennpunkt ist spannend und ein bisschen deprimierend zugleich.
Denn wenn am Ende alles "gut" ausgegangen ist, so hat sich doch die Gesamtsituation nicht wirklich verändert.
Andererseits:
Ohne Anspruch auf eine sozialromantische Patentlösung bekommt der Leser hier einen Krimi, der hält, was er verspricht: 120 Seiten richtig gute Unterhaltung für Kinder und Jugendliche. Direkt aus dem Leben gegriffen und mit Protagonisten, die nicht immer alles richtig machen, am Ende aber doch die Kurve kriegen.

Überschaubarer Umfang, gut lesbare Schriftgröße - ein Titel der sich hervorragend als Klassenlektüre zum Lesen und Weiterdiskutieren eignet.

Miss Sophie