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Original: La tabla Flandes
Eine geheimnisvolle, schwarzgekleidete Dame ist auf dem Gemälde des flämischen Meisters van Huys zu sehen.
Rezension:
Erika Drake
Gastrezension(en): Name: Marlon
Dieser "Krimi" ist unerträglich. Die Sprache bleibt stets an oberflächlichen und Klischeehaften Beschreibungen, die Figuren sind völlig überzeichnet: die junge, schöne, kluge Heldin, der verschroben-geniale Munoz, der Klischeeschwule Cesar und die Nymphomanin Menchu, sie alle bleiben nur Hüllen, die junge Heldin ein Altmännertraum. Nicht selten benötigt der Autor mehr Zeit für die wenigen interessanten Wendungen als der Leser, der sich beim hölzernen Erzählstil oft ziemlich gedulden muss.
Desweiteren sind die Schachzüge keineswegs so zwingend genial, wie sie der Autor hinstellt. Vielmehr erscheint eine hanebüchene Figurenkonstellation auf dem Schachbrett, die künstlich für ein scheinbar hohes Niveau zu sorgen hat. Ebenso die unerträglichen Pseudogelehrsamkeiten des Cesar.
Über den Schluss kann ich leider nicht urteilen, weil ich es nicht fertig gelesen habe. Name: Bernd Ganter
Was läßt sich über den Autor mutmaßen? Dreierlei: Erstens spielt er Schach, zweitens raucht er und drittens hat er einen Kurs über Kreatives Schreiben besucht. Er ist im übrigen zu beglückwünschen: Trotz seines Potentials an schriftstellerischen Fähigkeiten hat er verstanden, die Kenntnisse aus seinem Kurs im Kreativen Schreiben in einen kommerziellen Erfolg umzusetzen.
Was ist der Inhalt der "Schwarzen Dame"? Ein Gemälde eines holländischen Malers namens Van Huys aus dem Jahre 1471, das eine Schachpartie abbildet, stellt sich für eine junge spanische Restauratorin als Quelle eines Geheimnisses heraus. Unter Röntgenstrahlen zeigt sich eine Inschrift: Quis necavit equitem – Wer tötete den Reiter (bzw Springer)? „Doch das war nicht alles. Da war außerdem irgendeine Furcht.“ Die Heldin fürchtet sich plötzlich. Man fragt sich, was diese Angst auslöst, aber auf diese Weise geht es gleich weiter: Einer der Abgebildeten starb im Jahre 1469, das Bild ist aber aus dem Jahre 1471. Ist das ein Problem? „Durch die von Alvaro gelieferten Daten hatte die geheime Botschaft plötzlich etwas Unheilvolles.“ So schnell geht das. Daß, wie so oft in der Kunstgeschichte, die Abbildung des Porträtierten von früheren Bildern abgepinselt worden sein könnte, kommt weder dem Autor noch seiner Heldin in den Sinn. Und dann wird Alvaro mir nix dir nix ermordet, und dann geschieht noch ein Mord, und, hol´s der Teufel, mehr noch: Diese Morde erfolgen gemäß der Schachpartie auf dem Bild. Damit der Leser dies besser versteht, wird er endlos mit Skizzen einer Schachpartie gequält, die ihm ausführlich in schachtechnischem Jargon auseinandergesetzt werden, denn er will ja unterhalten sein.
Und was passiert bis zum Ende? Die wenigen Hauptdarsteller zünden sich, wo sie gehen und stehn oder sitzen, Zigaretten an, denn wie einen wahrscheinlich die Kurse in Kreativem Schreiben lehren, müssen sich Dialog („Irgendetwas stimmt hier nicht.“), Action, also Zigarette anzünden oder Beine übereinanderschlagen oder auch nur verwirrt gucken, und Reflexion, besser gesagt: pseudophilosophisches Gequatsche auf Journalistenniveau, etwa der Art, daß die Beweisbarkeit ein weitaus schwächeres Konzept sei als die Wahrheit an sich, in ziemlich genau festgelegtem Verhältnis ablösen. Und Action? Wird ausreichend geboten gemäß dem Lehrbch für Kreatives Schreiben: Neben dem dauernden Anzünden von Zigaretten, müssen Leute noch ständig „verwirrt“ scheinen oder stets wie in weiter Ferne gedankenschwer ins Leere starren.
Daß die Protagonistin das sich aus irgendeinem Grunde ständig im Wert steigernde Bild bei sich zuhause aufbewahrt, daß die vom Tode bedrohten Akteure nichts besseres zu tun haben, als den Fall trotz angeblich dieser höchsten Gefährdung im Alleingang zu lösen, daß sich die Protagonistin auf einen anonymen Anruf hin nachts allein in ein leeres Museum wagt, und vieles mehr, will schwerlich einleuchten.
Wie auch immer: Der Täter wird schließlich gefunden, muß dann aber die letzten sage und schreibe sechzig von nur dreihundertsechzig Seiten ausführlichst erklären, warum er seine Untaten vollbracht hat. Natürlich zündet er sich dabei einige Zigaretten an, schlägt die Beine übereinander und starrt wie in weiter Ferne ins Leere. Halt, mehr noch: Gießt sich auch noch einen Wodka ein. Action pur.
In diesem Buch stimmt wenig, insbesondere überzeugt es nicht in der Psychologie der handelnden, also zigaretteanzündenden, beineübereinanderschlagenden oder nachdenklich ins Leere starrenden Personen. Schon der Grundansatz ist falsch: Wenn schon der Täter seine Morde via Schachspiel ankündigt bzw nachvollzieht, wie sollen sich dann die potentiellen Opfer via Schachspiel wehren? Oder wie kommt es, daß die gestresste Hauptdarstellerin trotz tödlicher Bedrohung völlig ohne Grund plötzlich guter Laune ist ("zum ersten Mal war da wieder dieses Gefühl von Ausgeglichenheit“), wobei die gleiche Szene („die Musik, vom Wodka gedämpfte sanfte Jazzmelodien aus den dunkeln Winkeln der Wohnung“) in leichter Abwandlung gleich dreimal vorkommt (List-TB-Ausgabe siehe Seiten 80/81, 109/110, 210/211). Oder daß sie keine Gefühlsregung zeigt, als sie von der Ermordung ihres Ex-Geliebten, ihrer großen Liebe hört, sondern munter drauflos plappert?
Das Buch ist geschrieben von einem Journalisten, der weiß, was ein spezifisches Publikum erwartet. Der außerdem unbedingt einen Schachroman schreiben wollte, vielleicht um dem Leser Einblicke in die Readers-Digest-Psychologie des Schachspielers geben zu können, ein Vorhaben, das aber in seiner Umsetzung steril und an den Haaren herbeigezogen, ja lachhaft, wenn nicht ärgerlich wirkt. Ein eher klägliches Werk insgesamt. Wer Joschka Fischer für einen Intellektuellen oder Gräfin Dönhoff für eine weitsichtige Frau hält, und wer öfters, wenn auch nur mit schlechtem Gewissen, Derrick sieht, der wird diesen Roman dennoch genießen können. Wer glaubt, seine Lebenszeit sei zu kurz, um sie mit schlechten, anmaßenden Büchern zu füllen, dem ist dringend abzuraten.
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