Das Buch direkt bei Amazon bestellen April Henry
Breakout

Sauerländer Reality
Original: Shock Point
Deutsch von Franziska Gehm
Sauerländer Broschur
ISBN 978-3-7941-8051-6
(ab 14 Jahre)

Cassies Stiefvater Rick ist Psychiater. Drei seiner jugendlichen Patienten nahmen sich unter mysteriösen Umständen das Leben.
Kein Zufall, glaubt Cassie, die Rick schon lange nicht mehr traut. Heimlich stöbert sie in seinen Patientenakten und siehe da: Alle drei Verstorbenen erhielten die Verhaltensdroge Socom – ohne Erlaubnis von Eltern oder Behörden.
Doch ehe Cassie Ricks illegale Experimente an eine kritische Journalistin verraten kann, lässt er die Stieftochter unter einem Vorwand in ein Erziehungscamp einweisen.
Dort beginnt die Hölle: eiserner Drill, Beruhigungsmittel und ständige Überwachung. Aber Cassies Willen kann niemand brechen. Schnell gewinnt sie eine Verbündete und zusammen planen die Mädchen den Ausbruch.

Rezension:
Stell dir vor, du wirst vor deinem eigenen Haus von zwei fremden Männern in einen Lieferwagen gezerrt. Du wehrst dich wie verrückt, brichst einem der Typen die Nase, schreist so laut du kannst um Hilfe. Deine Mutter stürzt aus dem Haus und … wirft dir einen gepackten Koffer vor die Füße!
Das klingt abgefahren?
Aber längst nicht so sehr, wie alles, was danach kommt, denn diese Szene ist erst der Anfang von Cassies Geschichte, die im weiteren Verlauf in kurzen Rückblenden erzählt, wie die Schwierigkeiten mit dem neuen Mann ihrer Mutter das Mädchen in ein Erziehungscamp bringen.
Dieser Stiefvater ist ein ganz schlimmer Finger: Er hat als Psychiater für schwererziehbare Jugendliche ein Medikament zum Einsatz gebracht, das wie eine Kombination aus Ritalin, Prosac und Muttergebeten zu sein scheint, soll es doch Teenager in jeder Hinsicht gefügig machen und außerdem ihre Konzentration erhöhen. Kleine Nebenwirkung: Es erhöht die Neigung zum Selbstmord.
Cassie hat das herausgefunden und muss weg.
Sie landet am schlimmsten Ort, den man sich überhaupt vorstellen kann. Misshandlung und Erniedrigung sind an der Tagesordnung. Das Essen ist ein Fraß und außerdem stets zu wenig. Die Insassen werden von Wärtern und „Lehrern“ systematisch gequält und aufgehetzt, sich gegenseitig zu bespitzeln und zu verraten. Wie es Cassie nach vielen Fehlschlägen gelingt, dieser Hölle doch noch zu entkommen und am Ende die Machenschaften ihres Stiefvaters zu entlarven, das steht auf temporeichen 175 Seiten, die auch den größten Lesemuffel dazu bewegen müssten, das Buch in einem Rutsch zu inhalieren.
Da jagt ein Höhepunkt den anderen, da kommt der Leser nicht dazu, sich auszuruhen. Er leidet mit den Protagonisten, hofft mit ihnen, teilt ihre Verzweiflung, wenn sich wieder einmal eine Hoffnung zerschlagen hat oder partizipiert an ihrer Freude, wenn sie einen kleinen Sieg errungen haben.
An Action und atemloser Spannung mangelt es in keinem Kapitel – alles scheint man förmlich vor sich zu sehen: Die nächtlichen Versuche Cassies, Beweise zu sichern. Die unmenschlichen Zustände im Camp. Die Flucht durch unwegsames Gelände. Den wirklich packenden Showdown am Ende.
Das schreit nach einer Verfilmung – ist aber vor allem ein Paradebeispiel dafür, dass Krimis für Jugendliche qualitativ denen für Erwachsene keinen Deut nachstehen, ganz im Gegenteil. Was die Amerikanerin April Henry hier zu Papier gebracht hat ist Suspense vom Feinsten und längst nicht nur für Teenager geeignet.

Miss Sophie