|
Serienfigur Alexander Gerlach
(3. Band Kriminalrat Gerlach)
Als der eigenbrötlerische Seligmann von seiner Nachbarin als vermisst gemeldet wird, hat Kriminalrat Gerlach gerade ganz andere Sorgen, hat er doch einen noch immer unaufgeklärten Bankraub auf dem Tisch.
Rezension:
Diesen Zustand erreichen Sie nach der Lektüre des neuen „Gerlach“ – dem nunmehr dritten Fall für den Heidelberger Kriminalrat. Obendrein gibt es als ganz besonderes Schmankerl ein Nachwort des Autors, in dem die Persönlichkeit seines Protagonisten, sowie die Wesenszüge und Lebensumstände, die Wolfgang Burger und Alexander Gerlach verbinden, noch einmal ganz deutlich zum Ausdruck kommen.
Das ist wohl auch der Grund, warum die Leser diesen Gerlach so vorbehaltlos in ihr Herz schließen können: Der Mann isst gerne, trinkt auch mal zu viel (was sich am nächsten Morgen bitterlich rächt), vernachlässigt ungewollt die Familie, hält Sport (meistens) für Mord und spielt sowohl in erotischer als auch in beruflicher Hinsicht permanent mit dem Feuer. Gleichzeitig ist er ein handfester Typ, der auch mal fünfe gerade sein lässt und dem man sein Engagement für die Verbrechen, die auf seinem Schreibtisch landen, auch wirklich abnimmt. Er muss nicht permanent gegen Windmühlen kämpfen, auch wenn die Zusammenarbeit mit anderen Dienststellen und/oder anderen Behörden und Organisationen längst nicht immer so reibungslos funktioniert, wie man es sich wünschen würde.
Und wenn Gerlach dann außerdem noch in mehreren Fällen gleichzeitig ermittelt, deren Verbindung zunächst nicht mehr als ein diffuses Gefühl ist … Wenn dem Kriminalrat die Presse im Nacken sitzt und der Chef auf Ergebnisse drängt … und wenn sich der alleinerziehende Vater schließlich auch noch um die Pubertätsprobleme seiner Zwillingstöchter kümmern und seine anspruchsvolle Geliebte bei Laune halten muss, dann ist das genau die Mischung, die für spannende Lesestunden sorgt und dafür, dass der Krimifan den Roman nicht eher aus der Hand legt, bis auch die letzte Klappe gefallen ist.
Wenn langsam klar wird, dass Liebe und Eifersucht eine große Rolle spielen, verletzte Gefühle und solche, die man nicht zugelassen hat, weil nicht sein kann, was nicht sein darf. Wenn sich Rachegelüste und das Bedürfnis nach Sühne zu einem unheilvollen Cocktail verbinden und jedes Schuldeingeständnis nur wieder zu einem anderen, tiefer liegenden Sachverhalt führt – dann ist das spannend und vielschichtig und immer gerade so erhellend, dass der Leser das eine oder andere ahnen, sich aber dann doch wieder überraschen lassen kann.
Verfolgungsjagden gibt es nicht allzu viele in diesem gut gemachten Roman – aber eine Schlussszene, die den Fan von atemberaubender Spannung in überreichem Maße entschädigt.
Miss Sophie
| |