|
Jaron Verlag TB
Mina Kowalewski versucht anno 1926 ihr Glück in Berlin.
Rezension:
Dann, welch ein Kontrast:
Weiter geht es mit viel Lokalkolorit:
Hier bewegt sich Mina, die schon bald in große Gefahr gerät - und hier ist auch Hermann Kappe zu Hause. Einen langen Weg hat der frühere Storkower Schutzmann seit seinem erste Auftreten, angesiedelt im Jahr 1910, gemacht. Mittlerweile zum Oberkommissar befördert, ist er nun 38 Jahre alt, verheiratet und zweifacher Vater.
Diverse Turbulenzen romantischer Art haben dafür gesorgt, dass sein Leben nicht wirklich eintönig verlief und auch jetzt ist kein Ende in Sicht: Ehefrau Klara probt den Aufstand, weil sie wieder arbeiten möchte und beruflich liegen ihm der noch ungeklärte Mord während der ersten "Grünen Woche" sowie ein Serientäter, der es auf junge Mädchen abgesehen hat, mächtig im Magen ...
Gemeinsam mit den Kollegen Galgenberg (der Mann mit der Vorliebe für faule Witze) und Kniehase macht sich Kappe gewitzt und beharrlich daran, seine Fälle zu lösen, ohne sich allzu sehr mit seinem unangenehmen Vorgesetzten Dr. Brettschieß (dem Nazi-Freund) anzulegen.
Ein ungewöhnliches Konzept - hervorragend gelöst:
Ein Glücksgriff ist dabei die Berlinerin Petra Bauer - als Alter Ego der Weddinger Portiersfrau "Erna Pachulke" mit der Mundart vertraut wie wenige andere, lässt sie den Leser auch akustisch förmlich komplett eintauchen in das Berlin der 30er Jahre.
Unterm Strich ist "Unschuldsengel" daher nicht nur ein von der ersten bis zur (leider fürchterlich klein gedruckten) letzten Seite ein Pageturner, sondern ein gelungenes Sittengemälde.
Miss Sophie
| |