Das Buch direkt bei Amazon bestellen John Sandford John Camp
Tödliches Netz

Original: The Devil's Code
(Band 3 - Hacker Kidd)
Goldmann TB
ISBN 3-442-45210-4

Als sich im Umfeld einer Gruppe von Computerspezialisten zwei mysteriöse Todesfälle ereignen, kommt der Hacker Kidd einer Verschwörung um illegal kopierte Daten eines Spionagesatelliten auf die Spur.
Doch die Drahtzieher wollen die Aufdeckung ihrer Machenschaften verhindern - um jeden Preis ...

 

Gastrezension(en):


Name: Michael Drewniok
Email: Drewniok-PB@gmx.de
Datum: 12.2.2004 (17:32)

Sein enormes Fachwissen sollte Jack Morrison in den Dienst der Firma AmMath stellen, die Verschlsselungs-Software fr die US-Regierung herstellt und dabei einige Schwierigkeiten hat. Da man in seiner Person auch einen notorischen Hacker engagiert hat, ist es kaum verwunderlich, dass Morrison neugierig einen intensiven Blick auf besagte Software wirft und erkennt: Hier entsteht etwas ganz und gar Illegales. Das htte er besser gelassen, denn Sicherheitschef St. John Corbeil fackelt nicht lange mit Schnfflern. Morrison wird ermordet, sein Tod als missglckter berfall eines bewaffneten Datendiebes ausgegeben. Er ist nicht der erste Pechvogel seiner Branche, der auf diese Weise endet. Die Polizei ist mit AmMaths Version der Geschichte zufrieden, nicht jedoch Morrisons Schwester Lane Ward. Weil ihr das Gesetz seine Hilfe versagt, wendet sie sich an einen guten Freund und Kollegen ihres Bruders: Kidd ist Maler und vielleicht der Welt ltester Hacker. Zwar ist Lane sehr hbsch, aber Kidd schlgt vor allem ein, den Mord zu untersuchen, weil er seinen Namen auf einer Liste bekannter Hacker entdeckt hat, die vom FBI verdchtigt werden, einer radikalen Gruppe anzugehren, welche abtrnnige, d. h. mit dem Feind - den Regierungsbehrden - zusammenarbeitende Netzsurfer aus dem Weg rumt. Auch dahinter steckt AmMath, um von der ungewhnlichen Unfallserie im Umfeld der Firma abzulenken. Ein Ruf als Attentter ist schlecht fr das heimliche Gewerbe, das Kidd betreibt. So macht er sich auf, in das Spinnennetz von AmMath vorzustoen, in dem Corbeil bereits auf ihn lauert. Glcklicherweise steht Kidd nicht allein. Eine ganze Schar ebenso paranoider wie fhiger Datendiebe und anderer Weikragen-Krimineller stellt ihre unglaublichen Fhigkeiten in den Dienst der illegalen, aber guten Sache. Vor allem aber ist da LuEllen, Kidds Gelegenheits-Lebensgefhrtin, eine notorische, sehr trickreich Einbrecherin ohne moralische Vorbehalte. Trotzdem wird es eng fr Kidd, denn nicht nur Corbeils Schergen sind ihnen auf den Fersen. Auch FBI und Polizei schlafen nicht - und guten Glaubens arbeiten sie AmMath in die gierigen Hnde ... Ein Roman von John Sandford ist fr seine Leser stets eine sichere Sache. Hier werden solide konstruierte Thriller flott und geradlinig erzhlt. Handwerkliches Geschick ersetzt Originalitt, aber nie wird ein achtbares Unterhaltungsniveau unterschritten. Tdliches Netz macht da (dem nichtssagenden deutschen Titel zum Trotz) keine Ausnahme. Dieses Mal verfolgen wir nicht den Kriminalpolizisten Lucas Davenport auf einer seiner Verbrecherjagden. Statt dessen haben wir quasi das Lager gewechselt - scheinbar (s. auch unten), denn obwohl Kidd gegen das Gesetz verstt, klrt er gleichzeitig ein richtiges Verbrechen auf. Wie es im modernen Thriller blich ist, wird viel gereist. Geld spielt keine Rolle; man hat es oder verschafft es sich mit Tricks, wenn man es bentigt. Die Polizei und hnliche Behrden werden ausgeblendet, so lange es die Dramaturgie erfordert. So knnen die AmMath-Schufte und Kidd ungestrt einander verfolgen, sich beschieen und anderweitig das Leben schwer machen. Wobei ein guter Teil der Jagd ganz modern online stattfindet. Damit stellt sich Sandford oft selbst ein Bein, weil nichts so rasch veraltet wie die Hard- und Software dieser Welt. Was der Verfasser redlich recherchiert hat, stellt er uns manchmal ein wenig zu detailliert vor und gibt dadurch selbst dem EDV-Halbgebildeten die Chance zu erkennen, dass diese digitalen Schlachten heute bereits etwas steinzeitlich wirken. Kidd - ein Krimineller, der gleichzeitig die Hauptfigur eines Thrillers ist, der die mglichst breite Masse ansprechen soll. Keine leichte Aufgabe, denn das bedeutet, er darf nicht wirklich schlecht sein. Deshalb macht John Sandford Kidd eher zu einem unkonventionellen Charakter, der sein Glck in den gesetzlichen Grauzonen sucht und dabei (meist) keiner Fliege etwas zuleide tut. Kidd lsst nur die groen Konzerne und hnliche Widerlinge zur Ader, denen dies nicht weh tut und die dem kleinen Mann (= dem Leser eines Sandford-Romans) das Geld aus der Tasche ziehen. Er hasst Waffen, malt schne Bilder und dient auf seiner Weise der Gerechtigkeit, indem er seine kriminellen Fhigkeit immer wieder gegen das Bse einsetzt - ein richtiger Cowboy also und ein von den Alltagszwngen freier Mann, wie ihn das US-Volk liebt, auch wenn Kidd lieber ber eine digitale Prrie reitet. LuEllen geht einen Schritt weiter als Kidd. Weil sie nur eine Nebenrolle spielt, darf sie sich unmoralischer geben als ihr Gefhrte. Sandford verpackt das geschickt als quasi logische Konsequenz offenbar turbulenter und unglcklicher Kindheits- und Jugendjahre, wie er LuEllen immer wieder kryptisch anmerken lsst. In dieser Figur steckt daher trotz ihrer scheinbaren Eindimensionalitt - die taffe, schne Diebin - durchaus noch Potenzial fr sptere Abenteuer. St. John Corbeil ist einer dieser angenehm realistischen Schurken, mit denen uns Sandford gern konfrontiert. Allzu gro ist sowohl in der Unterhaltungsliteratur als auch im Kino das Rudel geistig beschdigter oder/und krperlich deformierter Serienkiller geworden. Sie wirken lngst wie ihre eigenen Karikaturen. Doch Corbeil ist schlicht und ergreifend ein Mrder, weil er das schne Leben schtzt, das ihm sein Verbrechertum beschert. Um es zu schtzen, geht er ber Leichen. So einfach ist das - und so berzeugend! Fazit: Stromlinienfrmiger und anspruchsloser, aber flotter, spannender und politisch angenehm unkorrekter Thriller, dessen Unterhaltungswert manchmal durch das allzu intensive Schwelgen in einschlgigem Hard- und Software-Wissen leidet.