Das Buch direkt bei Amazon bestellen Ursula Poznanski
Blinde Vögel

(2. Band Beatrice Kaspary)
Wunderlich gebunden
ISBN 978-3-8052-5045-0

Zwei Leichen bei einem Salzburger Campingplatz - ein Mann und eine Frau, beide Mitte zwanzig.
Auf den ersten Blick sieht es nach Mord und Selbstmord aus, doch die beiden scheinen zu Lebzeiten keinen Kontakt miteinander gehabt zu haben. Die einzige Gemeinsamkeit ist eigentlich zu belanglos, um sie ernst zu nehmen: Die Toten haben in einer Lyrik-Gruppe auf Facebook stimmungsvolle Gedichte und Fotos ausgetauscht.
Ganz harmlos?
Beatrice Kaspary folgt ihrem Ermittlerinstinkt und schleust sich als U-Boot in die Gruppe ein. Bald ahnt sie, dass hier Botschaften ausgetauscht werden, die nur wenige Teilnehmer verstehen, düstere Botschaften voller Todesahnung.
Und dann stirbt eine Frau aus der Lyrik-Gruppe...

Rezension:
Schlimm genug, wenn die Ehe vorbei ist, aber auch die ständigen Streitereien um die Kinder bzw. den Umgang mit ihnen, sind so zermürbend, dass man sie neben dem aufreibenden Alltag einer Polizistin bestimmt nicht braucht.
Genauso wenig wie einen Chef, den nicht einmal der Ermittlungserfolg des vergangenen Falles beeindrucken konnte, weil er nach wie vor der Ansicht ist, Beatrice Kaspary sei falsch an ihrem Platz.

Die Frau hat es also fürwahr nicht leicht – dazu kommt noch ein neuer kniffliger Fall, in dessen Zentrum die Möglichkeiten sozialer Netze wie Facebook und Foren stehen, die dafür sorgen, dass sich wildfremde Menschen mit ähnlichen Interessen austauschen können.
Dort tummeln sich ab sofort (unter falschem Namen) auch Bea, sowie ihr Kollege Florin, der Ärger mit seiner holländischen Liebsten hat und Stefan, der begnadete Hacker und Computerfreak.

Zwei Opfer gibt es zunächst – doch der angebliche Selbstmord scheint umso unwahrscheinlicher, je mehr die Unterschiede zwischen dem schüchternen, dicklichen Germanistikstudenten mit Sonnenallergie und der jungen Frau aus dem Nagelstudio mit Rechtschreibschwäche zutage treten.

Die Erinnerung an ihre tote Freundin und einen ehemaligen Kollegen, der einen Schlaganfall erlitt, begleiten Kaspary bei ihren Recherchen, während sie an sich ungeahnte Seiten entdeckt.
Der Kontakt mit der Lyriker-Parallelwelt spielt dabei eine wichtige Rolle – einerseits gibt es dort die (zu Recht) verkannten und dann jene, die ihre täglichen Nöte und Alltagssorgen mit einer zusätzlichen, spannenden Ebene versehen.

Aus den beiden Leichen des Anfangs, werden drei, dann vier … - unausweichlich sind diese Tode und dennoch so, dass nicht nur die Protagonistin sich schuldig fühlt, sie nicht verhindert zu haben.
Auch die halb verdeckten, halb offenen Ermittlungen verlangen einen großen gefühlsmäßigen Spagat von ihr, ebenso wie die atmosphärischen Störungen in der Polizeistation.

Der Roman packt und lässt nicht wieder los – auch und vor allem aufgrund der kryptischen Botschaften des Mörders, den Andeutungen zu Ereignissen, die Aufschluß geben über die vielschichtigen Hintergründe des Verbrechens.
Am Ende gibt es nur Verlierer – da wo das Böse eine noch schlimmere Ursache hat und poetische Worte Deckmantel sind für ein Grauen, das sich jeder Beschreibung verweigert, kann der Leser sich nur noch wegtragen lassen von grenzenlosem Mitleid, das fast Verständnis aufkommen lässt für die Täter, die auch Opfer sind.

Ein großartiges Buch. Das sprachlos macht. Und von vielen gelesen werden sollte.

Miss Sophie