Das Buch direkt bei Amazon bestellen Lisa Graf-Riemann
Eisprinzessin

(3. Band)
Oberbayern Krimi
Emons Broschur
ISBN 978-3-95451-072-6

In seinem dritten Fall begibt sich Hauptkommissar Stefan Meißner auf die Suche nach einer spurlos verschwundenen Frau und muss sich mit einem skrupellosen Konkurrenten innerhalb der Kripo Ingolstadt auseinandersetzen.
Der schafft es, nicht nur Kollegen und Freunde Meißners auf seine Seite zu ziehen, sondern auch, dem labilen Ehemann der Vermissten ein Mord-Geständnis zu entlocken, zu dem es keine Leiche gibt.
Als in einem Ingolstädter Kühlhaus eine weibliche Leiche gefunden wird, scheint der Fall gelöst – tatsächlich aber gibt es nun ein grausames Geheimnis mehr.

Rezension:
Am Anfang weiß man nicht so genau, ob man ihn mag, diesen Stefan Meißner, oder nicht.
Seine schlechte Laune lässt er schon mal in Form von gezielten Beleidigungen an einem Kollegen aus – dass er diesen in Wirklichkeit außerordentlich schätzt, bleibt nicht nur für Elmar Fischer die meiste Zeit im Dunkeln, sondern zunächst auch für den Leser.

Doch nach und nach klärt sich die Lage und die Verkettung unglücklicher Umstände sorgt dafür, dass man gar nicht umhin kann, Pechvogel Meißner ins Herz zu schließen.
Erst eröffnet ihm die EX, dass der Sohn, den er geglaubt hatte, mit ihr zu haben, gar nicht von ihm ist.
Dann kündigt Fischer, um zu seiner neuen Liebe ins Ausland zu ziehen.
Ersetzt wird er durch einen aufgeblasenen, hirnlosen Macho, wie er im Buche steht – der zu allem Überfluß auch noch bei Lieblingskollegin Marlu punkten kann.

Und dann kommt auch noch dieser aufgelöste Ehemann ins Kommissariat, der seine Frau vermisst ….
Wenn ein Erwachsener verschwindet, von dem nicht bekannt ist, dass er (oder sie) hilflos, medikamentenabhängig oder selbstmordgefährdet ist, dann wird nicht sofort eine Vermisstenanzeige anfgenommen, darf doch jeder Bürger seinen Aufenthaltsort selbst bestimmen. Das versundert viele Angehörige. So auch Moritz Ebert, der es den Beamten nicht wirklich leicht macht.

Der unsensible Ekelkollege Brunner ist da keine große Hilfe – ihn lässt die Aufregung des Mannes kalt, ja er kommentiert sie noch verächtlich.
Mit unlauteren Methoden bringt er ihn erst dazu, sich verdächtig zu verhalten, dann entlockt er ihm ein Geständnis, die gefolgt wird von einer groß angelegten Suchaktion.

Bei der allerdings erleben die Beamten eine wirkliche Überraschung …

Trotz seiner persönlichen Probleme (oder gerade deswegen?) verbeißt sich Meißner in den Fall, fördert neue Indizien und Anhaltspunkte zutage, dass die Dinge möglicherweise ganz anders liegen, als der Kollege glauben machen will.

Der dritte Band der Reihe ist ausgesprochen gelungen – spannend, von leisem Humor, teilweise aber auch einer gehörigen Portion Melancholie durchzogen.
Viele unglückliche Menschen geben sich hier ein Stelldichein – manchmal wurden sie von anderen in die Verzweiflung getrieben, manchmal sind es nur die Umstände. Die Konsequenzen allerdings sind für alle gleich unschön.

Der neue Kollege ist trotz seines sehr kontroversen Wesens (oder gerade deswegen) eine Bereicherung fürs Team – die Leser werden es lieben, ihn zu hassen!

Da möchte man gerne in Zukunft noch mehr lesen – bleibt also zu hoffen, dass Graf-Riemann es nicht bei der Trilogie belässt.

Miss Sophie